mini|Hofseite Gutshaus Laaske, 2020 Das Gutshaus Laaske ist ein ehemaliges Herrenhaus in Laaske, einem Ortsteil von Putlitz im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.

Gutsgeschichte Laaske gehörte zum Besitz des einflussreichen nordbrandenburgischen Adelsgeschlecht Gans zu Putlitz und war zunächst ein Nebenbesitz von Schloss und Gut Retzin bzw. von Gut Groß Pankow. Eine eigene Gutswirtschaft ist etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts mit Christian Ludwig zu Putlitz (1709–1786) im Format einer Vorwerkswirtschaft nachweisbar.Vgl. Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e. V. Dehio-Vormalige Fortführung Ernst Gall, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4. In der Erbfolge entwickelte sich nämlich genealogisch eine eigene Familienlinie Laaske, resp. Burghof Putlitz-Laaske heraus. Erstgenannt auf Laaske ist der Domherr Eduard sen. Gans Edler Herr zu Putlitz (1789–1881) auf Groß Pankow. Während der ältere Sohn Eduard Gans Edlen Herren zu Putlitz den Stammsitz Retzin sowie Groß Pankow übernimmt erbte der jüngere BruderGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1900. Jahrgang 50, Justus Perthes, Gotha 9. November 1899, S. 220. Eugen Gans zu Putlitz (1832–1893) das Rittergut Burghof Putlitz und Laaske. Zudem war dieser Amtsvorsteher der GemeindeBeilage zum 27. Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. 1874. A. W. Hayn`s Erben, Potsdam, 3. Juli 1874, S. 4. und erwarb für 126.000 Thlr. das Rittergut Philippshof in Putlitz für die Familie zurück.L. Clericus: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik-, Sphragistik- und Genealogie. IX. Jahrgang-Nr. 2-Beiblatt Nr. 2. Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin Februar 1878, S. 26. Ihm folgteF. von Seydewitz: Die ersten 25 Jahre des Königs-Ulanen-Regiments (1. Hannoverschen) Nr. 13. 2. Auflage, Hermann Peters, Berlin 1897, S. 262. der Sekonde-Leutnant a. D. Walter zu Putlitz (1873–1937), verheiratet mit Adelhaid Freiin Hofer von Lobenstein. Ihnen dürfte der Bau des jetzigen Herrenhauses zeitlich zuzuschreiben sein.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). 1940. Jahrgang 90, Justus Perthes, Gotha 1939. Laaske wurde damals als Familienfideikommiss bezeichnet. Walter zu Putlitz-Laaske war Fideikommissherr und galt als Landwirt mit sozialen Einstellungen, was selbst in der DDR nicht bestritten wurde.Wolfgang zu Putlitz-Laaske: Laaske, London und Haiti. Zeitgeschichtliche Miniaturen. 1. Auflage, Verlag der Nation, Berlin 1965, S. 156.Wolfgang zu Putlitz-Laaske: Unterwegs nach Deutschland. Erinnerungen eines ehemaligen Diplomaten. Verlag der Nation, Berlin 1976, S. 15 f. 1879 gehörten zum Einzelbesitz Laaske laut dem erstmals amtlich publizierten Generaladressbuch der Rittergutsbesitzer 268 ha. Des Gutsherrn Schwester, Elly zu Putlitz zu Putlitz-Burghof, erhielt eine überregionale Anerkennung als Autorin.Ortrud Wörner-Heil: Adelige Frauen als Pionierinnen der Berufsbildung. Die ländliche Hauswirtschaft und der Reifensteiner Verband. Mit: Der Weg zur Wissenschaft der Landfrau Elly Gans Edle Herren zu Putlitz (1869–1924). Auflage-Online-Ressource, University Press, Kassel 2010, S. 255 ff. mini|hochkant=0.4|Wappen der Gans Edle (Barone) Herren zu Putlitz. Der eigentliche Erbe Wolfgang zu Putlitz war Zögling an der Brandenburger Ritterakademie und ging nach seiner Militärzeit beim 3. Garde-Ulanen-Regiment Potsdam zum Studium. Er war sich der überlieferten Gutstradition bewusst, zeigte aber zum Leidwesen des Vaters kein nennenswertes Interesse an der Landwirtschaft. So wurde sein nächstjüngerer Bruder Gebhard zu Putlitz-Laaske (1901–1948) letzter Gutsbesitzer auf Schloss Laaske, war zuvor schon als Verwalter für den Vater tätig und ebenfalls Zögling an der Brandenburger Ritterakademie.Vgl. u. a. Matthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband). In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 101. Im Jahr 1929, bei der letzten amtlichen Erfassung, also kurz vor der großen Wirtschaftskrise, gehörten zu Laaske, Klein Langerwisch und Rittergut Groß Langerwisch gesamt 1786 ha. Laaske wurde in Eigenregie geführt, die an deren beiden Güter durch eingesetzte Verwalter.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis. Hrsg. Mit Unterstützung von Staats-und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin sowie der Kreislandbünde, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage (Letztausgabe). Teil: Reg. - Bezirk Potsdam, Kreis Ost-Prignitz, Selbstverlag von Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 163 f. Nachdem Wolfgang zu Putlitz Ende der 1930er Jahre über die Niederlande nach Großbritannien flüchtete wurde sein Besitz Vorwerk Laaske enteignetDietrich Miller: Die Junker und die preußisch-deutsche Geschichte. Auf den Spuren einer untergegangenen Gesellschaftsklasse. Auflage-Online-Ressource, Pro Business, Berlin 2016, S. 267. und damit der ganzen Familie entzogen. Formell galt Wolfgang zu Putlitz in der Adelswelt nun als Renegat.

Gebhard zu Putlitz-Laaske bewirtschaftete die Restgüter und wurde 1945/1946 durch die Bodenreform enteignet. Er galt wegen einer Verhaftung 1944 als Opfer des NS-Regimes, durfte danach noch Putlitz-Burghof bewohnen, und starb dennoch im SBZ-„Speziallager Nr. 4“ Bautzen. Seine Mutter lebte als Witwe in Ostholstein, Bruder Wolfgang kurz in Kiel, dann in Ostberlin. Bruder Walter jun. zu Putlitz wohnte mit seiner Familie in den 1960er Jahren ebenso in Ostholstein. Die Schwester Armgard zu Putlitz-Laaske bekam einige Morgen Bodenreformland, wurde aber dann Direktorin eines internationalen Studentenwohnheims, arbeitete und lebte in Westberlin. Sie war ab 1930 von ihrem Ehemann, den altmärkischen Gutsbesitzer Adolf von Pilgrim, Enkel des Adolf von Pilgrim, geschieden, der Exmann wurde 1942 vom NS-Regime in einem KZ ermordet.

Das in der DDR-Zeit unterschiedlich genutzte Gutshaus Laaske befand sich in den 2010er Jahren in Privatbesitz.Torsten Foelsch: Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in der Prignitz - Erbe und Auftrag. In: Sibylle Badstübner-Gröger (Hrsg.): Schlösser, Herrenhäuser, Burgen und Gärten in Brandenburg. Zum Jubiläum des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark. 1. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-108-2, S. 181.

Baugeschichte Über einen Vorgängerbau ist wissenschaftlich wenig bekannt. Eine Fotoaufnahme aus der Zeit um 1900 ist überliefert, mit einem langgestreckten eingeschossigen Wohnhaus in Ziegelfachwerk, mit Hofeinfahrt. In den 1780er Jahren soll die Witwe Christian Ludwigs, Gödula Margarethe zu Putlitz geb. von Jagow (1714–1788), das damalige Wohnhaus genutzt haben. Mit Carl Theodor Gans zu Putlitz (1788–1848) bezog erst wieder ein Familienmitglied um 1814 das Haus, bis er 1826 selbst Gut Groß Pankow erbte und dort als Bauherr tätig wurde.

Aus älterer Zeit befindet sich lediglich in der Eingangshalle des Gutshauses eine gusseiserne Platte, aus 1600, des Weiteren das Wappen der Gänse zu Putlitz in einer Ausführung aus der Bauzeit, 1906/1907. Ein älterer Seitenflügel stammt schon aus 1865. Das ehemalige Herrenhaus ist ein äußerst seltener winkelförmiger Baukörper, zweigeschossig, markant auf hohem Sockel aus Feldstein. Die sparsam ausfallende Putzgliederung mutet neobarock an. Die Hofschauseite ist durch einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Eingangsportikus und Anfahrt gegliedert. In dem Risalitgiebel waren früher zwei gerahmte ovale Wappenfelder (Kartuschen), möglich eines konventionellen Allianzwappen, mit unbekannten heraldischen Inhalt, sicher mit der Gans der Edlen zu Putlitz. Das Gutshaus Laaske diente in erster Linie als Arbeits- und Wohnsitz der örtlichen Gutsherren, ihrer Familien und teils den Verwandten, welche sich häufig längere Zeit in Laaske aufhielten. Der denkmalgeschützte Bau ist Teil einer alten Gutsanlage. Das Gutshaus erhielt 1982 den DDR-Denkmalschutz.

Park mit Erbbegräbnis Der Park fand schon 1864 seine Anlegung und wurde 1898 von der botanischen Fachwelt untersucht.Vgl. R. Beyer, A. Weisse, Th. Loessner (Hrsg.): Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Brandenburg. Vierzigster Jahrgang, Gebrüder Bornträger, Berlin 1898, S. 67. Neuere Pflanzungen dagegen sollen aus 1907 stammen, der Bauzeit den neuen Gutshauses. Im hinteren, heute immer noch forstlich genutzten Parkteil von Gut Laaske, legte einst Eugen zu Putlitz 1887 ein Familienfriedhof an. Dies geschah als seine älteste Tochter Armgard von Faber du Faur (1865–1887),Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1908. Zweiter Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1908, S. 270–271. Ehefrau des Offiziers Eberhard von Faber du Faur (1856–1895),Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1919. Jahrgang 13, Justus Perthes, Gotha 1918, S. 232–233. er war ein Sohn des Otto von Faber du Faur, nach der Geburt ihres ersten Kindes Oberleutnant Eberhard Eugen Otto von Faber du Faur (1887–1916) gestorben war. Des Weiteren befindet sich u. a. das Grab des Stiefbruders vom Letztgenannten, Flieger-Leutnant Otto von Faber du Faur (1892–1917) in Laaske. Dieser Begräbnisplatz wurde einst von einem Metallgitterzaun eingefasst, ähnlich dem sogenannten „Schinkelzaun“ am Schloss Glienicke Berlin. Die zeitlich nach und nach entstandenen Gräber wurden durchweg mit weißen Marmorkreuzen und -grundplatten bezeichnet. Der Friedhof ist nach 1945 bis in die 1960er Jahre noch vom alten Gutsgärtner Fritz Franke gepflegt worden und erst danach langsam verwahrlost. Nach 1990 hat ihn die Familie Gans zu Putlitz wieder herrichten lassen, und seither dient er ihr heute wieder als Begräbnisstätte und Erinnerungsort. Der erwähnte Wolfgang zu Putlitz-Laaske durfte 1975 hier nicht bestattet werden, seine bis heute erhalten gebliebene Grabstätte befindet sich an der Dorfkirche Groß Kreutz bei Potsdam.

Galerie

Literatur Torsten Foelsch (Red.), Frank Heinrich Müller (Foto): Adel. Schlösser und Herrenhäuser in der Prignitz. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte einer märkischen Landschaft. Hrsg. Kreisverwaltung Landkreis Prignitz, Design to Print, Leipzig 1997, ISBN 3-9805899-0-0, S. 36–37, S. 102–103. Gerhard Vinken u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung: (Volker Himmelein, Gerd Weiss, Dieter Martin) u. Vereinigung d. Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, v. d. d.: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Brandenburg (BLDAM). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 558. Torsten Foelsch: Laaske – ein Gutshaus in der Prignitz und das Schicksal seiner einstigen Bewohner (Teil 1). In: Pritzwalker Heimatblätter. Heft 12, Pritzwalk 2008, S. 21–28. Torsten Foelsch: Laaske – ein Gutshaus in der Prignitz und das Schicksal seiner einstigen Bewohner (Teil 2). In: Pritzwalker Heimatblätter. Heft 13, Pritzwalk 2009, S. 6–18.

Weblinks

BLDAM: Gutachterliche Stellungnahme zum Denkmalwert-PDF-[Laaske] Gutsanlage, bestehend aus Gutshaus, Brennerei, zwei Wirtschaftsgebäuden, zwei Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Gutspark-16928 Laaske-Landkreis Prignitz Familie Faber du Faur: Erbbegräbnis im Park Laaske - Teilansicht