Die Proteste in Bolivien 2026 (spanisch: Protestas en Bolivia de 2026) sind eine Reihe von Massendemonstrationen und Streiks seit Mai 2026 in Bolivien. Sie werden vorwiegend von Bergleuten, Lehrern, Bauern und anderen Arbeitern angeführt. Die Proteste wurden durch ein Gesetz ausgelöst, das die Nutzung von Land als Kreditsicherheit erlaubte, vor dem Hintergrund eines allgemeinen wirtschaftlichen Abschwungs in Bolivien. Obwohl Präsident Rodrigo Paz Pereira das Gesetz am 13. Mai aufhob, weiteten sich die Proteste weiter aus. Arbeiter forderten höhere Löhne, eine Arbeitsmarktreform und den Rücktritt von Paz Pereira.
Ab dem 14. Mai zündeten Demonstranten Sprengstoffe und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Nationalpolizei Boliviens rund um den Palacio de Gobierno. Straßenblockaden eskalierten und führten zu einer Art Belagerung der Städte La Paz, El Alto und Cochabamba, wodurch diese faktisch isoliert und von der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern abgeschnitten wurden. Im Zuge der Proteste traten der bolivianische Arbeitsminister, der Verteidigungsminister und der Bildungsminister zurück. Bis zum 9. Juni waren zehn Menschen getötet und 365 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten verhaftet worden.
Hintergrund Bolivien steckt seit Anfang Mai in einer schweren Krise. Sie ist die schwerste des Landes seit Jahrzehnten. In mehreren Landesteilen kam es zu Engpässen bei Lebensmitteln und Treibstoff. Die Inflationsrate Boliviens lag Ende 2025 bei 20,4 Prozent. Die Löhne reichen kaum zum Leben für viele Bolivianer und der Staat trägt hohe Auslandsschulden, während die Devisenreserven, insbesondere die des US-Dollars, einen historischen Tiefstand erreicht haben.
Gewerkschaften, Bauern, Bergarbeiter und Anhänger des früheren linken Präsidenten Evo Morales blockieren seit Wochen wichtige Verkehrswege. Die Proteste richten sich gegen die schwierige Wirtschaftslage, steigende Lebenshaltungskosten und Reformvorhaben der konservativen Regierung von Präsident Rodrigo Paz Pereira.
Präsident Rodrigo Paz Pereira, Parteimitglied der mitte-rechtsgerichteten christdemokratischen bolivianischen Partei Partido Demócrata Cristiano, wurde im Oktober 2025 gewählt, nachdem er im Wahlkampf Wirtschaftsreformen als moderater Reformer versprochen hatte. Sein Wahlsieg hatte dabei auch eine fast zwei Jahrzehnte währende Ära linker Regierungen in Bolivien beendet.
Seit seinem Amtsantritt hat sich Paz Pereira jedoch von vielen seiner Wähler distanziert. Sein Kabinett bestand hauptsächlich aus konservativen Wirtschaftsführern und dabei wurden indigene Bevölkerungsgruppen sowie die Arbeiter- und Agrarsektoren die Vertretung verwehrt. Viele Wähler fühlten sich von Paz Pereira nach der Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2025 verraten und im Stich gelassen.
Das Gesetz 1720, das den Verkauf und die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen neu regelte, wurde von Bauern und Indigenen sofort abgelehnt, da sie darin eine Möglichkeit sahen, Land zunehmend in den Händen großer Agrarunternehmer zulasten kleinbäuerlicher und indigener Gemeinschaften zu konzentrieren. Präsident Paz hob es kurz darauf wieder auf, doch der politische Schaden war bereits angerichtet.
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