mini|Marius Hægstadrahmenlos Marius Hægstad, eigentlich Kristofer Marius Hægstad, (* 15. Juli 1850 in Steinvågen, Borgund (heute zu Ålesund); † 21. November 1927 in Oslo) war ein norwegischer Pädagoge, Linguist, Politiker und Publizist. Seit seinen Jugendjahren in Bergen setzte er sich für die Verbreitung des (damals Landsmål genannten) Nynorsk ein, zunächst als Lehrer, Schulleiter, Lehrbuchautor und Zeitungsredakteur in Namsos und Steinkjer. In den 1890er Jahren war er für die Venstre-Partei Abgeordneter im norwegischen Parlament.

Hægstad wurde 1899 auf die neu eingerichtete Professur für „Landsmål und seine Dialekte“ an der Universität Kristiania berufen. Er veröffentlichte Studien über die Dialekte von Trøndelag, Westnorwegen, Färöisch, Isländisch und das alte Norwegische auf den Shetlandinseln. In der mittelalterlichen norwegischen Schriftsprache konnte er bereits Dialektunterschiede feststellen, die bis in die Gegenwart überdauert hatten.

Hægstads Einfluss auf die Sprachpolitik war beträchtlich: Die 1901 amtlich festgelegte Rechtschreibung für das Landsmål folgte seinem Vorschlag und auch an der Rechtschreibreform von 1917 wirkte er mit. Er war der erste Vorsitzende des 1906 gegründeten Landsmål-Vereins Noregs Mållag. „In seinen letzten Lebensjahren wurde Marius Hægstad als der große Sprachführer verehrt.“

Leben und Werk Jugendlicher Marius Hægstad war der ältere Sohn des Rechtsanwalts cand. jur. Ole Hægstad (1821–1889) und der Charlotte Abigael Tonning, geborene Rønneberg (1811–1872). Der Vater stammte aus einer Bauernfamilie in Øvre Eiker bei Drammen (Buskerud) und war nach dem Studium nach Sunnmøre gezogen. Die Mutter war ortsansässig und die Tochter eines Kaufmanns aus Larsnes in Sande. Sie entstammte einem bekannten Geschlecht, das ursprünglich in Jæren beheimatet war.

Charlotte Tonning war in erster Ehe mit Johan Daniel Stub Tonning (1810–1846) verheiratet und bereits vier Jahre Witwe gewesen, als sie am 15. Januar 1850 den zehn Jahre jüngeren Ole Hægstad heiratete. Sechs Monate später wurde Marius Hægstad geboren. Dessen Biografen haben mehrfach angemerkt, dass Hægstad „sowohl ost- als auch westnorwegisches Blut in seinen Adern“ hatte, aber sich als Westnorweger fühlte und hauptsächlich westnorwegische Dialekte erforschte.

Marius Hægstad hatte einen zwei Jahre jüngeren Bruder, Johan Gabriel Henrik, der 1852 (oder 1851) ebenfalls noch in Ålesund geboren wurde. Kurz danach zog die Familie nach Nordfjord (Frimannslund in Davik) um. Der dort erlernte regionale Dialekt war für Marius von großer Bedeutung für seine späteren Studien des Alt- und Mittelnorwegischen.

Ab den 1860er Jahren lebte die Familie Hægstad in Bergen, wo Marius vom Juli 1863 bis Oktober 1868 die Katedralskole besuchte, spätestens ab 1865 gemeinsam mit seinem Bruder Johan. Während Steinar Schjøtt als Lateinschüler in Skien noch verächtlich auf die Sprache des ländlichen Umlands herabblickte, war Marius Hægstad als solcher bereits ein Landsmål-Verfechter. Als „Landjunge mit dem klugen Kopf“ musste er in der Schule allerlei Schikanen erdulden. Seine Kenntnisse der altnorwegischen Sprache, die er sich aus einem Grammatikbuch selbst aneignete, verschafften ihm „einen Vorteil gegenüber den Stadtjungen“.

Der Lateinschüler Hægstad verfasste Aufsätze in Landsmål für die Schulzeitung und Gedichte für die Bergens Tidende. Im Schülerverein Namlaus (Namenlos) trat er für die Sprachreform ein, was ihm den Spitznamen Maalet einbrachte.

Bergen war zu dieser Zeit ein Zentrum der Landsmålbewegung. Hier schrieb Kristofer Janson seine Romane, gab Henrik Krohn ab 1865 die Wochenzeitung Ferdamannen heraus und mit Georg Herman Grieg war Hægstad sogar persönlich befreundet.

Student mini|Marius Hægstad 1869 legte Marius Hægstad als Privatschüler das Examen artium (Abitur) med Laud (Lobenswert) ab, wobei er auch Altnorwegisch als Prüfungsfach gewählt hatte. Danach zog er nach Kristiania, um an der Universität zu studieren. In der Hauptstadt schloss er sich den Literaten an, die für die Landsmål-Zeitschriften Svein Urædd (1868–1870) bzw. Fram (1871–1874) Artikel verfassten. „Es ist kein Wunder, dass Hægstad mitmachen wollte. Es ging um Aufklärung, Selbstständigkeit, die norwegische Sprache und die norwegische Schule.“

Das Studium kam neben der Zeitungsarbeit nicht zu kurz. 1871 bestand er das Andreeksamen med Laud, wobei er in den Fächern Altnorwegisch, Angelsächsisch und Gotisch antrat. 1872 hielt er sich, ungefähr für ein Jahr, an der Universität Oxford auf. Er war Student bei Henry Sweet, dessen Richtung, die Phonetik, damals gerade in der Sprachwissenschaft aufkam, und bei Friedrich Max Müller, Oxfords ersten Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft.

Nach dem Jahr in Oxford kehrte er in seine Heimatstadt Bergen zurück, wo er seine Kenntnisse der germanischen Philologie durch Selbststudium vertiefte und etwa ein Jahr lang als Hauslehrer arbeitete. Einen formalen Studienabschluss strebte Marius Hægstad nicht an (das Andreeksamen war nur eine Zwischenprüfung), sondern er bemühte sich um eine Anstellung (auch als Voraussetzung für die Gründung einer Familie).

Familienvater Am 13. Juli 1875 – Hægstad war im Jahr zuvor zum Direktor der Bürger- und Volksschule in Namsos bestellt worden – heiratete er in der dortigen Kirche die zwei Jahre jüngere Pernele Larsdotter Midgaard (* 7. Juli 1852 in Selje; † 1. Oktober 1935 in Oslo), die Tochter des Bauern Lars Knudson Midgaard und der Gjertrud Berdla.

In siebzehn Jahren wurden dem Ehepaar sechs Söhne und eine Tochter geboren. Die Söhne waren Gudmund (* vorehelich 1874), Olav (* 1877), Leiv (* 1879), Magne (* 1881), Sigvat (* 1885) und Øystein (* 1891). Die Tochter hieß Gudny (* 1883). Marius und Pernelle ließen ihre Kinder auf den Namen Heggstad registrieren, eine modernere Schreibweise von Hægstad.

Drei Söhne wurden prominent: Olav Heggstad (1877–1954) wurde Wasserbauingenier und Professor an der Technischen Hochschule in Trondheim. Leiv Heggstad (1879–1954) verfasste Grammatiken und Wörterbücher für Nynorsk. Sigvat Heggstad (1885–1945) wirkte an der ersten Nynorsk-Bibel mit und an der Rechtschreibreform von 1941.

Pädagoge mini|Marius Hægstad Marius Hægstad arbeitete 25 Jahre als Pädagoge an Grund- und Realschulen. Von 1874 bis 1884 war er Direktor der Borger- og Almueskole (Bürger- und Volksschule) in Namsos. Nachdem die Schule geschlossen worden war, gründete er noch im selben Jahr im nahegelegenden Namdalen die Namdals Folkehøgskule (Volkshochschule Namdal) und leitete sie bis 1892. Sie ist eine der ältesten noch bestehenden Volkshochschulen in Norwegen. Von 1892 bis 1899 war er Direktor der Mellomskole (Mittelschule) und zugleich Inspektor der Folkeskole (Volksschule) in Steinkjer.

Er war Lehrer für Landsmål in einer Reihe von Lehrerfortbildungen in Trøndelag, Helgeland und Romsdal, veranstaltete während der Sommerferien Sprachkurse und war gelegentlich auch an anderen Schulen als Lehrer tätig (u. a. an der Landwirtschaftshochschule in Ås). Er verfasste eine Grammatik des Landsmåls (Norsk Maallæra) – die erste Schulgrammatik dieser Sprache überhaupt – und veröffentlichte sie 1879 im Eigenverlag. Sie wurde später oft nachgedruckt; 1920 erschien sie in 11. Auflage. Er gab mehrere Landsmål-Lesebücher „für Schule und Heim“ heraus, das erste 1880 (Norsk Lesebok). Sie enthielten neben norwegischen Klassikern auch von ihm selbst gesammelte Volksdichtung.

Publizist mini|Marius Hægstad als Sprachlehrer (Karikatur von Eivind Nielsen, 1900) In Namsos beteiligte sich Marius Hægstad intensiv am öffentlichen Leben, in der Gemeindepolitik und in der Publizistik. Er war 1876–1877, d. h. bis zu ihrer Einstellung, Redakteur der Namdals Tidende. Danach war er bis 1879 in der Redaktion der unter dem Namen Namdalsposten fortgesetzten Zeitung. Im Impressum beider Zeitungen schien sein Name nicht auf. Dies war kein Versehen; Hægstads radikale Ansichten passten schlecht zur konservativen Høyre-Linie beider Blätter. Er wurde von der Redaktion und den Lesern angefeindet, obwohl er einer der meist beschäftigten Autoren war.

1883 gelang ihm (mit fremdem Kapital) die Gründung einer „radikalen“ (liberalen) Zeitung, Nordtrønderen, deren erste Nummer am 22. Juni 1883 erschien. Hægstad schrieb in ihr über Lokalpolitik und lenkte sie als Chefredakteur, bis er 1892 als Schuldirektor nach Steinkjer zog. Die Zeitung durchlief in den Folgejahren verschiedene Fusionen und Namensänderungen (so hieß sie ab 1945 Nordtrønderen og Namdalen), bevor ihre Verlagsrechte 1994 von der (ehemaligen sozialdemokratischen) Namdalsavisa aufgekauft wurden.

1885–1890 gab Hægstad eine „Zeitschrift für die Jugend“ heraus, den zweimal im Monat erscheinenden Dag (Tag), sowie ein „Amtsblatt“ für Nordre Throndhjems Amt (Nord-Trøndelag). Die „Zeitschrift“ Norvegia, von der in drei (nicht aufeinander folgenden) Jahren insgesamt nur 8 Nummern erschienen, diente den Landsmål-Linguisten als wissenschaftliches Publikationsorgan. Hier war Hægstad nicht nur Beiträger, sondern zeitweise auch Chefredakteur.

Marius Hægstad veröffentlichte auch regelmäßig Beiträge für die Zeitungen Dagsposten und Dagbladet sowie gelegentlich für Fedraheimen. Er bereicherte die Landsmål-Literatur durch Übersetzungen, z. B. von Goethes Zauberlehrling oder einer Bildergeschichte von Rodolphe Toepffer, sowie durch einen Band Lyrik (Ein liten rimkrans, 1886).

Politiker mini|Marius Hægstad (Karikatur von Fredrik Christian Bødtker, 1910) Hægstad engagierte sich in der Kommunalpolitik, war sowohl in Namsos als auch später in Steinkjer Mitglied des Gemeinderats und er hatte kommunale und zivilgesellschaftliche Ämter inne, vor allem im Schulrat. Beispielsweise wurde er 1882 mit der Leitung des Bezirkskrankenhauses in Namdalen betraut.

Von 1883 bis 1900, also sechs Wahlperioden hindurch, war Marius Hægstad Mitglied des Storting, und ein treuer, wenn auch nicht herausragender Vertreter der Venstre. In den ersten sechs Jahren war er nur Ersatzmann und nahm nicht am Parlamentsgeschehen teil. 1889–1891 war er erneut Ersatzmann, rückte aber für verhinderte Parteifreunde nach und arbeitete daher auch in Ausschüssen mit (Kirchen-, Militär- und Protokollausschuss). 1892–1894 war er regulärer Mandatar und Mitglied im Eisenbahnausschuss. 1895–1897 war er wieder Ersatzmann, rückte nach, auch in das Lagting und in den Landwirtschaftsausschuss. 1898–1900 war er regulärer Mandatar, Sekretär im Lagting, Mitglied im Eisenbahn- und im Wahlausschuss.

+ Abgeordneter zum Storting Von Bis Vertreter Für Partei 1883 1885 2. Ersatzmann Nordre Trondhjems Amt Unabhängiger 1886 1888 Venstre 1889 1891 1. Ersatzmann (nachgerückt) 1892 1894 1. Vertreter 1895 1897 2. Ersatzmann (nachgerückt) 1898 1900 4. Vertreter + Nachrückungen in den Storting Jahr Ab Anstelle von 1889 11. Juni Holst 1890 16. Juni Wexelsen 1891 9. März Holst 1896 20. April Okkenhoug

+ Mitgliedschaften in Stortingausschüssen Ausschuss Von BisEisenbahnausschuss 1892 1894 1898 1900 Kirchenausschuss 1889 1891 Landwirtschaftsausschuss 1895 1897 Militärausschuss 1889 1891 Protokollausschuss 1889 1891 Wahlausschuss 1898 1900 Lagting 1896 Lagting (Sekretär) 1898 1900 Hægstad hielt sich an die Parteilinie, auch in den kritischen, die Union mit Schweden betreffenden, Streitfragen und „engagierte sich ansonsten vor allem in Fragen der Kultur und des Verkehrs.“ Besonders intensiv war er in die Sprachdebatte verwickelt. 1894 formulierte er das „Gesetz über die einheitliche Zeit für das Königreich Norwegen“. Inhaltlich war es nicht umstritten, aber sprachlich, da zum ersten Mal ein Gesetzestext in Landsmål vorgelegt wurde. „Hægstad trieb die Angelegenheit mit Tatkraft und starkem Willen voran.“