Die Blasiuskapelle war eine Kapelle in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt.
Lage mini|Ehemaliger Standort der Blasiuskapelle, 2026 Sie stand in der Magdeburger Altstadt auf dem Grundstück Poststraße 6. Heute liegt der ehemalige Standort der Blasiuskapelle südöstlich vor dem Parkhaus Bärstraße, auf dem Hof der dortigen Wohnbebauung der Regierungsstraße.
Geschichte Eine erste urkundliche Erwähnung der Kurienkapelle ist in einer undatierten, aus der Zeit um 1160 bis 1180 stammenden Urkunde überliefert. Sie gehörte zur Domherrenkurie Breiter Weg 8.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 8. Namensgeber der Kapelle war der Hl. Blasius. Zur Kapelle führte, von der späteren Regierungsstraße her, die nach der Kapelle benannte Bläsgasse, welche als Sackgasse an der Blasiuskapelle endete. Sie wurde später Teil der Poststraße. Seit Einführung der Reformation verfiel die Kapelle, wurde jedoch bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 nicht vom Feuer zerstört. Aufgrund des fortschreitenden Verfalls bestanden im 17. Jahrhundert jedoch nur noch die Mauern.
Es gibt Berichte, wonach der französische Tanz-, Fecht- und Sprachmeister Charles des Hayes 1685 im Haus Poststraße 6 lebte und ein Bildungsinstitut betrieb, in dem er Französisch, Fechten und Tanzen unterrichtete. Abends wurden nach Französisch-reformiertem-Ritus Andachten gehalten. 1687 schloss des Hayes die Schule und zog aus Magdeburg fort.Johannes Maresch: Die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Magdeburg. Ein Rückblick auf 250 Jahre ihrer Geschichte 1687 – 1937. Magdeburg 1937, Seite 18 Allerdings wurde das Haus als neben der Posthalterei (Kreuzgangstraße 6), unmittelbar am Domplatz liegend beschriebenJohannes Maresch: Die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Magdeburg. Ein Rückblick auf 250 Jahre ihrer Geschichte 1687 – 1937. Magdeburg 1937, Seite 10, so dass es denkbar erscheint, dass ein anderes Haus der Kreuzgangstraße, die spätere Poststraße gab es noch nicht, gemeint ist.
1698 erwarb der Abt des Klosters Berge, Simon Friedrich Wolfhard, den Breiten Weg 8 mit dem umliegenden Bereich samt der Blasiuskapelle vom Domkapitel Magdeburg.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 98.
In der Zeit um 1700 baute der Zimmermann Joh. Thiele die Ruine aus und vermietete sie teilweise. Seine Witwe Anna Marie, geborene Keyendorf heiratete in zweiter Ehe den Müllermeister Joh. Georg Leseberg, dem sie auch 1712 das Eigentum am Grundstück übertrug. Er veräußert das immer noch als Kapelle bezeichnete Haus an den Kammerrat Münchhof. Der Grundzins für das Haus war an den Kriegsrat Schrader oder dessen Erben als Rechtsnachfolger des Abtes Wolfhard vom Kloster Berge zu zahlen. Das Haus unterstand der Gerichtsbarkeit der Domvogtei Magdeburg.
Münchhofs Witwe verkaufte das Grundstück, wie auch die benachbarte Poststraße 5, ihrer Tochter Demoiselle Henriette Friederike Münchhof, die es 1779 ihrer Halbschwester Sophie Christiane Brauns vermachte. 1792 erbte es von ihr ihr Bruder, der Kriminalrat Christian Ludwig Brauns. Von ihm erwarb die Kapelle noch im gleichen Jahr der Kammerbote Joh. Peter Belsch für 600 Taler. Das Kellergewölbe der Kapelle war jedoch in den Kauf nicht mit einbezogen. Es gehörte zum Nachbargrundstück Poststraße 5. mini|Zeichnung des Wohnhauses, 1873 Belsch ließ die Kapelle dann abreißen und errichtete ein größeres Haus. Von Seiten der Domänenkasse erhielt er hierfür 150 Taler. Noch im Jahr 1823 war das Grundstück als Belschsches Haus verzeichnet.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 101.
Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Poststraße aufgegeben und überbaut. 1947 wurden die Grundmauern der Kapelle freigelegt und fotografisch dokumentiert.Sabine Ullrich, Vom alten Parat zum Landtag, Stadtplanungsamt Magdeburg 2007, Seite 82
Literatur Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Niemeyer, Halle (Saale) 1956, S. 101.
Einzelnachweise
Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Magdeburg Kategorie:Kirchengebäude in Magdeburg Kategorie:Zerstört in den 1790er Jahren Magdeburg, Blasiuskapelle Kategorie:Blasiuskirche Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert