Der Turm war eine Künstlergruppe, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Wuppertal gegründet wurde und bis 1948 bestand.

Gründung Bereits im November 1945 wurde die Gruppe der Turm von Paul Pörtner und Fritz Meis im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld gegründet. Der Name „Der Turm“ steht symbolisch für einen Turm der die Aussicht auf die Berge um Wuppertal bietet. Der Heimatbezug war bei der Namensfindung besonders wichtig, ursprünglich sollte die Gruppe „Die Brücke“ heißen, in Anlehnung an die vielen Brücken, die sich entlang der Wupper durch die Stadt ziehen. Dieser Name wurde aber verworfen, da es zu einem Namenskonflikt mit dem britischen Kulturhaus „Die Brücke“ kam, welches zu dieser Zeit ebenfalls in der britischen Besatzungszone wirkte. Hintergrund des Zusammenschlusses war zum einen die Aufarbeitung der Jugend im Krieg und zum anderen die Entwicklung einer Idee von Kunst, die die Wirklichkeit der Nachkriegsgesellschaft abbilden kann.

Arbeit der Gruppe

Anfangszeit mini|hochkant|Wohnhaus Markomannenstraße 57 in Wuppertal

Anfänglich handelt es sich beim Turm um eine kleine „freundschaftliche Gruppe“ die sich auch erstmal in Paul Pörtners Wohnung getroffen haben. Die erste öffentliche Veranstaltung fand schon am 8. März 1946 statt. Mit dem Titel „Jugend geht ans Werk“ wurde eingeladen, um nach Gleichgesinnten zu suchen und sich zu formieren.

Daraufhin folgte eine Reihe an vielseitigen Veranstaltungen. Meistens waren es Diskussions- und Leseabende, welche nahezu im zweiwöchigen Rhythmus stattfanden und aktuelle Themen aus Film, Theater und Rundfunk behandelten. Zudem wurden Theaterstücke wie Goethes Torquato Tasso oder gleich zwei Theaterstücke von Georg Büchner, nämlich Leonce und Lena und Woyzeck. Hinzu kamen noch Musikabende bei denen Werke von Debussy, Mahler und Weiteren gespielt wurden.Stadtarchiv Wuppertal:

Vom Turm selbst herausgegebener Brief an die Öffentlichkeit zu allen Veranstaltungen im Jahr 1946. Diese Veranstaltungen fanden dann nicht nur in der Wohnung in der Markomannenstraße 57, sondern auch im Studio für neue Kunst von Heinz Rasch und in der Stadtbibliothek Elberfeld statt.

Durch diese Aktivitäten des Turmes gelangte die Gruppe auch zunehmend in eine präsentere öffentliche Wahrnehmung. Zu den aufgeführten Theaterstücken und Veranstaltungen der Gruppe gab es zahlreiche Kritiken in Zeitungen und Rundfunk. Zudem begleitete der WDR die Gruppe in Form eines dokumentarischen Filmes im Jahr 1947.

Vereinswerdung In diesem Jahr wurde der Turm, mit dem Untertitel „Eine Vereinigung junger Künstler e.V.“, auch offiziell zum Verein. Die Vereinigung wuchs rapide an und erreichte einen Spitzenwert von ungefähr 400 Mitgliedern, zudem bildeten sich Ableger in München und Hamburg.

Bei der ersten Wahl eines Vorstands für den neu gegründeten Verein wurde Paul Pörtner nicht gewählt, was wenig später in seinem vollständigen Ausscheiden aus der Vereinigung resultierte. Er begann sich wieder regelmäßiger mit dem Mitgründer Fritz Meis zu treffen und beabsichtigte in diesem engeren und „richtungslosen“ Austausch seine Intentionen als Künstler weiter umzusetzen.

Zwei Faktoren sind beim Ende der Vereinigung entscheidend, zum einen die immens erweiterte Struktur, was dem ursprünglichen Entwurf der Vereinigung nicht mehr entspricht, und zum anderen verlor der Turm im Jahr 1948 viele Kunstschaffende aufgrund dessen, dass diese aus Wuppertal weggezogen sind, weil sie neue Arbeit gefunden hatten.

Erinnerungen an den Turm Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Paul Pörtner veranstaltete das Literaturhaus Wuppertal zusammen mit der Stadtbibliothek Wuppertal ein Symposium, in welchem zahlreiche Persönlichkeiten aus Kulturbetrieb und Wissenschaft verschiedene Facetten seiner Arbeit einem größeren Publikum vorstellten. Hierbei spielte die Geschichte der bis dahin wenig erforschten Künstlergruppe nur eine Nebenrolle. Erst durch die Bemühungen eines Literaturwissenschaftlichen Seminars der Heinrich-Heine-Universität wurde die Geschichte der Künstlervereinigung erstmals gezielt untersucht.

Die Künstlervereinigung erinnerte sich selbst im März 1982. Es fand ein lange vorher geplantes, mehrtägiges Treffen ehemaliger Turm-Mitglieder in Wuppertal statt. Hierbei wurde das vergangene Wirken rekapituliert und verhandelt, in welcher Art die Geschichte des Turms aufzuarbeiten ist. Paul Pörtner selbst, aber auch Mitglieder wie Tankred Dorst oder Karl-Otto Mühl waren sehr daran interessiert die Geschichte dieser Vereinigung zu wahren. Hierbei entstand ein WDR-Beitrag produziert durch Jörg Aufenanger in welchem die ehemaligen Turm-Mitglieder, in einer Art Gesprächsformat, ihre Zeit im Turm rekapitulieren.

Einzelnachweise

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