mini|Gustave Herpin, um 1860

Tobie Gustave Herpin, meist Gustave Herpin (* 22. Januar 1820 in Paris; † 3. Februar 1900 ebenda), war ein französischer Numismatiker, Philatelist, Bibliophiler und Dichter. Bekannt wurde er vor allem als Begriffsgeber der Philatelie: 1864 schlug er in der Zeitschrift Le Collectionneur de timbres-poste das französische Wort philatélie vor.

Leben Herpin wurde im damaligen 6. Arrondissement von Paris geboren und starb im 9. Arrondissement der Stadt. Die Bibliothèque nationale de France führt ihn unter der internationalen Namensform „Herpin, Gustave (1820–1900)“; als abweichende Namensform ist „Tobie-Gustave“ verzeichnet. Herpin verwendete in Veröffentlichungen auch die Namensform „G. Herpin“.

Nach späteren biografischen Angaben besuchte Herpin das Collège Sainte-Barbe in Paris. Er war wirtschaftlich unabhängig und trat vor allem als Sammler hervor. Zunächst baute er eine Sammlung römischer Münzen und Medaillen auf. Diese Sammlung wurde 1857 in London versteigert.

Danach wandte sich Herpin dem Sammeln von Briefmarken zu. In der Frühzeit des organisierten Briefmarkensammelns gehörte er zu den bekannten Pariser Sammlern. In der philatelistischen Presse wurde er rückblickend als „roi des collectionneurs“ bezeichnet. 1865 wurde er Präsident der Pariser Société Philatélique, einer der frühesten philatelistischen Vereinigungen. Die Gesellschaft hatte das Ziel, die Beschäftigung mit Briefmarken wissenschaftlicher zu ordnen und insbesondere die Katalogisierung der bis dahin erschienenen Postwertzeichen zu verbessern.

1866 verkaufte Herpin seine Briefmarkensammlung an den britischen Juristen und Philatelisten Frederick Philbrick. Der Verkauf wird in der späteren philatelistischen Literatur als Einschnitt in der Frühgeschichte des Sammelgebiets beschrieben. Philbrick gehörte wenige Jahre später zu den Gründungsmitgliedern der Philatelic Society, London.

Nach dem Verkauf seiner Briefmarkensammlung wandte sich Herpin verstärkt seiner bibliophilen Sammlung zu. Seine Bibliothek enthielt insbesondere französische Dichtung vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. Nach seinem Tod wurde sie 1903 im Hôtel Drouot versteigert; der Verkaufskatalog bezeichnet ihn als „commandeur de l’ordre du Christ du Portugal“ und „chevalier de plusieurs ordres étrangers“.

Begriffsprägung „Philatelie“ mini|hochkant|Herpins Artikel Baptême im Le Collectionneur de timbres-poste, 15. November 1864

Am 15. November 1864 veröffentlichte Herpin im von Arthur Maury herausgegebenen Le Collectionneur de timbres-poste den Artikel Baptême. Darin wandte er sich gegen die damals gebräuchliche, von ihm als abwertend empfundene Bezeichnung timbromanie, nach und Manie, Besessenheit, und schlug stattdessen den Begriff philatélie vor.

Herpin leitete das Wort von griechisch philos für „Freund“ oder „Liebhaber“ und ateleia für „Freiheit von Abgaben“ beziehungsweise „Befreiung“ ab. Er verstand philatélie als Bezeichnung für die Beschäftigung mit allem, was sich auf die postalische Frankierung bezieht. Der Ausdruck setzte sich später in vielen Sprachen durch; im Deutschen entstand daraus die Bezeichnung „Philatelie“.

Die Begriffsprägung stand im Zusammenhang mit einer frühen publizistischen Konkurrenz im französischen Briefmarkenhandel. Maurys Le Collectionneur de timbres-poste erschien seit 1864; im selben Umfeld veröffentlichte Pierre Mahé seine Zeitschrift Le Timbrophile, deren Titel eine andere Wortbildung verwendete. In der späteren philatelistischen Literatur wird die Prägung des Begriffs dennoch überwiegend Herpin zugeschrieben. Die Namensform „Georges Herpin“, die in älteren und auch in neueren philatelistischen Darstellungen begegnet, beruht wahrscheinlich auf einer Fehlauflösung der Signatur „G. Herpin“; in den Normdaten und in neueren Untersuchungen wird dagegen Gustave Herpin angesetzt.

Veröffentlichungen Le Brésil. Précis historique en vers. Imprimerie Jouaust, Paris 1866. (Digitalisat) Chronologie des rois de Portugal. Aide-mémoire en vers techniques pour servir à l’étude de l’histoire de ce pays. Typographie A. Laîné et J. Havard, Paris 1866. (Digitalisat) Baptême. In: Le Collectionneur de timbres-poste, Nr. 5, 15. November 1864, S. 4–9.

Literatur Wolfgang Maassen: Wer ist wer in der Philatelie? Band 2: E–H. Phil Creativ, Schwalmtal, 3. Auflage 2017, ISBN 978-3-932198-96-0, S. 288–289

Weblinks

Tobie Gustave Herpin bei der französischsprachigen Wikisource Baptême bei der französischsprachigen Wikisource

Einzelnachweise

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