Das KZ-Außenlager Saal an der Donau, Deckname Ring-Me, war ein Außenlager des KZ Flossenbürg im Ortsteil Untersaal der Gemeinde Saal an der Donau und bestand vom 30. November 1944 bis zum 20. April 1945. Über 700 Inhaftierte mussten in Zwangsarbeit für die Organisation Todt im Rahmen der Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie Stollen für eine unterirdische Flugzeugfabrik der Messerschmitt GmbH anlegen, Wege bauen, Schiffe entladen und Planierarbeiten durchführen.
Entstehung des Lagers Saal wurde von der Organisation Todt (OT) als Standort für die unterirdische Produktion des Kampfflugzeuges Messerschmitt 262 ausgewählt. Messerschmitt war der bedeutendste Rüstungshersteller Süddeutschlands und einer der wichtigsten Hersteller von Jagdflugzeugen. Im Sommer 1944 wurde mit der Vorbereitung des Produktionsgeländes auf dem Ringberg begonnen, daher wurde der Deckname „Ring[berg] Me[sserschmitt]“ verwendet.
Das Lager befand sich im Ortsteil Untersaal an der Straße nach Teugn am südlichen Ortsausgang und nahm am 30. November 1944 mit der Ankunft von 200 Gefangenen den Betrieb auf. Mit der Ankunft weiterer Transporte aus dem KZ Flossenbürg befanden sich am 1. März 1945 671 Gefangene im Lager. Viele von ihnen waren Juden, die bereits in den KZs Auschwitz, Buchenwald und anderen Lagern inhaftiert waren. Am 13. März 1945 befanden sich 549 Gefangene im Lager. Es ist unbekannt, ob in diesem Zeitraum die Gefangenen in andere Lager deportiert wurden oder ob mehr als 120 Gefangene ermordet wurden. Unter den Gefangenen bildeten Polen, darunter polnische Juden, die größte nationale Gruppe, gefolgt von Italienern, Franzosen, Belgiern, Niederländern, Deutschen und Ungarn. Etwa die Hälfte der Inhaftierten wurde als „Zivilarbeiter“ und „Schutzhäftlinge“ eingestuft.
Die ersten Gefangenen lebten in in den Boden gegrabenen Höhlen; später wurde etwa 1,5 Kilometer vom Ort entfernt ein Kasernenlager errichtet. Das Lager bestand aus vier bis sieben (laut anderen Aussagen aus 10) Baracken und war von einem Stacheldrahtzaun und hölzernen Wachtürmen umgeben. Am Eingang des Lagers stand die Inschrift Arbeit macht frei. Laut einem vom SS-Obersturmbannführer Max Koegel unterzeichnetem Dokument, das als Beweismittel bei den Nürnberger Prozessen diente, wurden von der SS im Dezember 1944 20.398 Reichsmark für erbrachte Dienste an die Bauleitung der OT bezahlt.
Lebens- und Arbeitsbedingungen Die Gefangenen mussten in 10-Stunden-Schichten unter katastrophalen Lebensbedingungen arbeiten. Neben dem Stollenbau mussten sie Straßen bauen, Schiffe entladen und Planierarbeiten durchführen. Das Essen war schlecht und völlig unzureichend. Jeder Gefangene erhielt täglich ein Viertel Brot. Zwischen dem 3. und 5. März 1945 erhielten die Inhaftierten kein Essen. Als am 5. März frisch gebackenes Brot verteilt wurde, starben innerhalb von 12 Tagen zehn Gefangene, weil sie das heiße Brot nicht verdauen konnten. Am 15. März 1945 erhielt eine Landshuter Bäckerei den Auftrag, alle zehn Tage einen Wagen Brot zum Lager zu schicken. Laut Zeugenberichten verteilten umliegende Bauern heimlich Essen an die Gefangenen.
Ab Februar 1945 stieg die Zahl der Todesfälle rapide an, hauptsächlich aufgrund von Epidemien, darunter Fleckfieber: Im Februar starben 33 Inhaftierte; im März 82, im April 1997, darunter 66 am 15. April. Im Lager gab es eine Krankenstation mit einem ungarischen Insassen als Lagerarzt, aber ohne medikamentöse Versorgung. Im Unterschied zu den meisten Konzentrationslager gab es weder Waschbaracken noch eine Lagerküche. Zahlreiche Insassen wurden von den Wärtern wegen Fluchtversuchen oder Essensdiebstahl ermordet. Zur Verbrennung der Leichen umzugehen wurde ein primitives Krematorium mit zwei Öfen errichtet. Die ermordeten Gefangenen wurden entweder eingeäschert oder unweit des Lagers beerdigt. Möglicherweise wurden auch Gefangene, anderer Lager wie das Regensburger Kolosseum in Saal eingeäschert.
Trotz der unmenschlichen Arbeitsbedingungen wurden die Höhlen und der Tunnel nicht wie geplant fertiggestellt. Bei der Räumung des Lagers hatte der Aushub von sechs Löchern erst begonnen; der Flugplatz Herrnsaal / Kapfelberg wurde ebenfalls nicht fertiggestellt. Laut einigen Quellen arbeiteten die Gefangenen auch im Saal-Steinbruch und in einer nahegelegenen Kaliumfabrik. Der Steinbruch galt als einer der berüchtigtsten in Deutschland; Die Inhaftierten arbeiteten ausschließlich mit primitiven Werkzeugen ohne Maschinen. Die Steinblöcke wurden mit Keilen aus den Wänden gehebelt, von Hand verkleinert, auf Wagen geladen und zur Fabrik gezogen. Die Wachen prügelten Gefangene oftmals zu Tode oder ermordeten sie mit einem „Gnadenschuss“. Die Sterberate unter den Gefangenen war hoch, die genaue Anzahl der ermordeten gestorbenen Gefangenen kann wegen fehlender Dokumente nicht genau bestimmt werden; Schätzungen zufolge starben etwa ein Drittel der Inhaftierten.
Wachmannschaft Unter dem Kommando von SS-Hauptscharführer Konrad Maier befanden sich anfangs 31 SS-Angehörige im Lager, später dann 73 SS-Wachen, darunter einige Ukrainer sowie Volksdeutsche aus Jugoslawien und Ungarn. Ab dem 24. Februar 1945 war Willi Wagner Lagerkommandant.
Lagerräumung und Gedenken alternativtext=Gedenkstein auf dem Friedhof von Saal|mini|303x303px|Gedenkstein auf dem Friedhof von Saal Am 20. April 1945 kam ein Todesmarsch aus dem KZ-Außenlager Hersbruck in Saal an, 400 Kranke bleiben im Lager zurück. Die übrigen Inhaftierten wurden in offenen Waggons ohne Verpflegung in das KZ Dachau transportiert. Nur 154 von ihnen erreichen das KZ Dachau nach vier Tagen lebend. 16 Inhaftierte starben in der Krankenbaracke, als diese während der Lagerräumung von den SS-Wachen in Brand gesetzt wurde.
Nach Kriegsende wurden auf dem Lagergelände 20 Leichen und die Asche von 360 ermordeten Gefangenen gefunden. Die Leichen und Asche wurden zunächst in der Nähe des Bahnhofs von Saal beigesetzt und 1957 wurden auf einen neuen Friedhof zwischen Ober- und Untersaal umgebettet.
Der Lagerkommandant Konrad Maier wurde 1947 beim den Rastatter Prozessen angeklagt, wurde jedoch mangels fehlenden Beweisen freigesprochen. Der Bezirksstaatsanwalt von Regensburg leitete 1955 eine Untersuchung ein, doch es gab keine Ergebnisse, die zu einem Prozess führten. Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft von Nürnberg-Fürth und das Zentralamt für Landesjustizverwaltungen (ZdL) in den 1970er Jahren führten ebenfalls zu keinen anklagerelevanten Ergebnissen.
Seit 2016 erinnern sechs Informationstafeln an das Außenlager. Auf dem Friedhof in Saal wurde ein Gedenkstein errichtet.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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