mini|hochkant|alt=Schwarz-Weißbild in Militäruniform, Brustbild mit Orden|Jean Fabry Jean Fabry (geboren am 6. Juni 1876 in Villefranche-de-Rouergue; gestorben am 1. Juni 1968 in Montreuil) war ein französischer Soldat, Journalist und Politiker der Dritten Republik.
Leben Jean Fabrys Eltern waren der Händler Auguste Fabry und Isabelle Duclos. Er ging zunächst in Villefranche-de-Rouergue und dann auf dem Gymnasium in Agen zur Schule, wo er sein Abitur ablegte. Ab 1895 besuchte er die Militärschule Saint-Cyr. 1906 erwarb er an der École supérieure de guerre das Brevet d’état-major.Ein Stabsbrevet ist eine militärische Auszeichnung in der belgischen und französischen Armee, die bescheinigt, dass der Offizier die Stabsausbildung absolviert und erfolgreich abgeschlossen hat.
1907 heiratete er Hélène Unal; das Paar hatte drei Söhne.
Militär In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stieg er zum Hauptmann auf. Im Krieg wurde er zum Major befördert und kämpfte als Kommandeur bei den Gebirgsjägern. Im März 1915 wurde er schwer verwundet – sein linkes Bein wurde amputiert, sein rechtes blieb steif. Er lehnte seine Versetzung in den Ruhestand ab und arbeitete ab November 1916 im Bereich des Militärgouverneurs von Paris. 1917 wurde er, inzwischen Oberstleutnant, Kabinettschef bei General Joseph Joffre. 1917 nahm er an der Mission Viviani-Joffre in den USA teil.Diese Mission diente dazu, die USA zum Kriegseintritt zu bewegen. Weiterführend dazu sei auf den Artikel Mission Viviani-Joffre in der frankophonen Wikipedia verwiesen.
Journalismus Nach dem Krieg arbeitete er (als 95-prozentiger Invalide) als Journalist bei Oui; zunächst unter dem Pseudonym Bouchavesnes. Später wurde er Mitherausgeber dieser kurzlebigen Zeitung und schrieb unter eigenem Namen. 1919 wurde er Chefredakteur beim konservativen L’Intransigeant. Er behielt diese Stelle auch, als L’Intransigeant durch einen Eigentümerwechsel etwas nach links rutschte, was die L’Humanité zu einem kleinen Scharmützel veranlasste. Ende der Dreißiger Jahre war Fabry Direktor des Blattes.
Von 1938 bis 1940 arbeitete für den konservativen Le Matin. Danach war er bis 1944 beim rechten, aber nicht vollständig kollaborierenden Gringoire tätig.
Politik mini|alt=Schwarz-Weiß-Bild, eine Gruppe von ca. 20 Personen (darunter im Hintergrund 2 Frauen) au einer Treppe. Im Mittelpunkt General Joffre, neben ihm Fabry|Jean Fabry rechts neben Marschall Joffre, 1917 Fabry wurde 1919 auf der Liste des konservativen Bloc national mit Unterstützung der Alliance démocratique (in deren Vorstand er aufrückte) in die Abgeordnetenkammer gewählt. Dort übernahm er den Vorsitz der Vereinigung der Kriegsversehrten. In der Kammer übernahm er die Leitung des Verteidigungsausschusses. Dem Abgeordnetenhaus gehörte er bis 1936 an. Von 1922 bis 1924 vertrat er Frankreich in der Rüstungskommission des Völkerbunds.
1924 wurde er Kolonialminister im Kabinett Poincaré III. 1934 war er kurzzeitig Kriegsminister im Kabinett Daladier II, 1935 bis 1936 in der Regierung Laval IV. Verteidigungspolitisch war er zu dieser Zeit ein Verfechter der Strategie der Ostbefestigungen, die als Maginot-Linie bekannt wurde. 1925 hatte er eine solche Anlage noch verworfen. Die Historikerin Rosemonde Sanson spricht von Fabry als einem pazifistischen Kriegsveteranen, der einem rechtsgerichteten Nationalmus nahestand und dessen Hauptgegner die Kommunisten gewesen seien.Siehe Literaturliste Sanson 1999, S. 390 ff.
Nachdem er 1936 bei den Wahlen von einem Kandidaten der Volksfront geschlagen wurde, nutzte er eine kurz danach stattfindende Nachwahl, um in den Senat einzuziehen, dem er bis zum Ende der 3. Republik angehörte.
1940 stimmte er für die diktatorischen Vollmachten für Philippe Pétain und schloss sich dem Vichy-Regime weitgehend an. Ab 1941 gehörte er dem Conseil national an.Der Conseil national war eine beratende Versammlung des Vichy-Regimes. Für weiterführende grundsätzliche Hinweise zu diesem Organ wird auf Conseil national (régime de Vichy) in der französischsprachigen Wikipédia verwiesen. Nach der Befreiung Frankreichs wurde er wegen dieser Verstrickungen als unwählbar erklärt.
Ehrungen Großoffizier der Ehrenlegion Croix de guerre 1914–1918 Croix de guerre (Belgien) Croce al merito di guerra (Italien) Nischan el Iftikhar, tunesischer Verdienstorden
Werke Pour vivre la paix. Les lois militaires, Charles Lavozelle, 1919 Joffre et son destin, La Marne - Verdun, La Somme - L'Amérique, Charles Lavozelle, 1931 L’infanterie de la victoire (1918), Payot, 1932 De la place de la Concorde au cours de l’Intendance, février 1934–juin 1940, Éditions de France, 1942 J'ai connu.., Descamps, 1960
Literatur
Weblinks
Jean Fabry auf Wikisource
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Frankreich) Kategorie:Senator (Frankreich) Kategorie:Kriegsminister (Frankreich) Kategorie:Kolonialminister (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Alliance démocratique Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großoffizier) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1876 Kategorie:Gestorben 1968 Kategorie:Mann