Gritli Wenger (bürgerlich Margrith Frei-Wenger; * 5. Dezember 1905 in Thierachern BE; † 10. Juni 1971 in Olten SO) war eine Schweizer Solojodlerin und Radiojodlerin. In den 1930er- und 1940er-Jahren zählte sie zu den bekanntesten Jodlern und trat im Radio, an Eidgenössischen Jodlerfesten sowie bei Konzerten im In- und Ausland auf.

Leben Margrith Wenger wurde am 5. Dezember 1905 in Thierachern geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit auf dem Hubel in Thierachern sowie später in der Rossweid im Lerchenfeldquartier von Thun.

Nach einem Welschlandjahr absolvierte sie eine Lehre als Modistin und arbeitete anschliessend bei Gerberkäse in Thun.

Die Begabung zum Jodeln erbte sie nach zeitgenössischen Berichten von ihrem Vater. Sie war musikalische Autodidaktin, nahm nie Jodelunterricht. Bei vielen Auftritten begleitete sie ihren Gesang selbst auf dem Schwyzerörgeli, das sie sich selbst beibrachte. Mit 25 Jahren trat sie dem Jodelclub Thun bei.

1931 erschien ihre erste Schellackplatte. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer schweizweit bekannten Radiojodlerin. Ihr Markenzeichen waren ihre braunen Zöpfe und die Berner Sonntagstracht.

Am 23. September 1934 wirkte Wenger an einer Radiosendung mit, die vom Jungfraujoch aus in die USA übertragen wurde. Die Verbindung lief über den Kurzwellensender Prangins und wurde in ganz Amerika empfangen. Es handelte sich um die erste Radioübertragung vom höchsten Punkt Europas, die dort je gehört wurde. Das Programm zeigte Schweizer Volksmusik in verschiedenen Formen. Fred Vieri kommentierte auf Englisch und führte ein Gespräch mit dem Bergführer Gottfried Steuri. Auch die Polarhunde des Jungfraujochs waren zeitweise zu hören.

In den 1930er-Jahren trat Wenger mehrfach mit dem William Tell Swiss Yodel Choir (Tell-Jodlerchor der SBB Bern) in London auf. Konzerte in der Royal Albert Hall sind für die Jahre 1935, 1936 und 1937 belegt.

Die Zürcher Illustrierte berichtete 1936 über einen Auftritt vor rund 10'000 Zuhörern. Auch der Swiss Observer schilderte den Auftritt in der Royal Albert Hall ausführlich.

Am 9. März 1937 trat sie als Solojodlerin mit dem William Tell Swiss Yodel Choir im Pagani’s Restaurant in London auf. Die Veranstaltung wurde vom City Swiss Club organisiert und fand in Anwesenheit des Schweizer Gesandten J. R. Paravicini statt. Zeitgenössische Berichte beschrieben Wenger als prägende Bühnenfigur des Abends. Ihr Vortrag wurde als abwechslungsreich, humorvoll und zugleich musikalisch überzeugend charakterisiert.

Neben ihren Londoner Gastspielen trat Wenger unter anderem in Frankfurt am Main auf. Zeitgenössische Berichte erwähnen ferner Auftritte in Prag, Wien und Barcelona. Sie nahm regelmässig an Eidgenössischen Jodlerfesten teil. Während des Zweiten Weltkriegs trat sie auch vor Schweizer Soldaten auf.

1938 oder 1939 heiratete sie den Viehzüchter und Solothurner Kantonsrat Theodor Frei aus Wil bei Olten. Danach lebte sie auf dem Bauernhof ihres Mannes. Aus der Ehe gingen eine Tochter und vier Söhne hervor; der älteste Sohn starb kurz nach der Geburt. Das öffentliche Auftreten trat in den Hintergrund, während sie sich vor allem ihrer Familie und der Landwirtschaft widmete.

Anfang 1971 erkrankte Wenger schwer. Sie starb am 10. Juni 1971 im Alter von 65 Jahren im Kantonsspital Olten. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Waldfriedhof Meisenhard.

Stil und Rezeption Wenger galt als Vertreterin eines urtümlichen Jodelstils. Zeitgenössische und spätere Quellen hoben ihre ausdrucksstarke Naturstimme hervor. Charakteristisch für ihren Vortrag war die Verwendung von Schleiftönen (Portamento).

Durch zahlreiche Radioauftritte wurde sie einem breiten Publikum bekannt. Das Schweizer Radio und Fernsehen bezeichnete sie 2021 rückblickend als Symbol für «echtes» volkstümliches Singen.

Eine ihrer bekannten Archivaufnahmen ist S’Hummelinäscht, aufgenommen im Radio-Studio Bern mit Begleitung des Trios Gebrüder von Arx (Jean-Pierre und Bill von Arx) sowie Werner Rufener.

In der Literatur In Friedrich Glausers Roman Wachtmeister Studer wird Gritli Wenger als Bestandteil der schweizerischen Alltagskultur erwähnt. Dort heisst es:

Weblinks Diskografie Gritli Wenger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Gritli Wenger bei Discogs S’Hummelinäscht aus Volksmusik Archivperlen (SRF, 12. Januar 2024)

Einzelnachweise

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