mini|Foto-Revers: Lutze & Witte, Hof-Photographen. Berlin, Stettin, Magdeburg mini|Werbeanzeige der königlichen Photographen Lutze & Witte aus Berlin, in Magdeburg im Hotel »Stadt Braunschweig«, Anfang Juli 1863 mini|Lutze & Witte, Photographen: Oel-Retouchen von Photographien zu Weihnachts-Geschenken, November 1858
Lutze & Witte war ein bekanntes Fotoatelier des 19. Jahrhunderts mit Hauptsitz zunächst in Berlin, später in Magdeburg, und mit Filialen in Erfurt, Stettin und Görlitz. Gegründet wurde es 1851So: Friedrich Wilde, Belichtung, Stimmung und Daheimphotographie. In: Photographische Chronik, Nr. 99, 6. Dezember 1908, S. 605–609, S. 609, Digitalisat: „…Lutze und Witte, die schon im Jahre 1851 in Berlin, Neue Friedrich- und Burgstrassenecke, ein Atelier nur für Photographie eröffneten,…“. Abweichend: Wilhelm Dost und Erich Stenger, Die Daguerreotypie in Berlin 1839–1860. Ein Beitrag zur Geschichte der photographischen Kunst, R. Bredow-Verlag, Berlin, 1922, S. 97, Digitalisat: „Lutz [sic!] und Witte, Neue Friedrichstr. 50, gegr. 1853.“. Dass das Fotoatelier Lutze & Witte, wie Dost und Stenger schreiben, erst 1853 gegründet worden wäre, erscheint vor dem Hintergrund unplausibel, dass dieses Atelier bereits im Juni 1852 in der Presse erwähnt wurde, siehe: Preußische Wehr-Zeitung : militairische Zeitschrift, So., 20. Juni 1852, S. 4, Digitalisat und Oesterreichischer Soldatenfreund : Zeitschrift für militärische Interessen, Do., 24. Juni 1852, S. 4, Digitalisat in Berlin von dem vormaligen Amateur-Fotografen Gustav LutzeFriedrich Wilde, Haben es die alten Photographen so gut gehabt, wie die jungen glauben? (Mitteilungen aus dem Leben eines alten Photographen.). In: Photographische Chronik, Nr. 18, 25. Februar 1912, ab S. 105, S. 106, Digitalisat: „Hier [d.h.: in Berlin] beschäftigte sich schon Gustav Schauer, Oehme & Jamrath, Halfter und ein Amateur Lutze (später Mitinhaber der Firma Lutze & Witte) mit der Photographie.“ (1816–1877) und von dem Apotheker Carlos Witte (1825–1871). Die Firma Lutze & Witte erlosch im Dezember 1925,Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Fr., 04. Dezember 1925, S. 18, Digitalisat: „Magdeburg [97349] In unser Handelsregister ist heute eingetragen worden: […] 6. In Abt. 1 unter Nr. 1281 bei der Firma Lutze & Witte in Magdeburg: Die Firma ist erloschen. […] Magdeburg, den 27. November 1925, Amtsgericht A. Abt. 8.“ etwa 74 Jahre nach ihrer Gründung.
Werdegang der Firma Lutze & Witte Das Atelier Lutze & Witte wandte Neuerungen auf dem Gebiet der Fotografie und Fototechnik vielfach schon relativ früh praktisch an.Friedrich Wilde, Belichtung, Stimmung und Daheimphotographie. In: Photographische Chronik, Nr. 99, 6. Dezember 1908, S. 605–609, S. 609, Digitalisat: „Sie [= Lutze & Witte] haben zur rapiden Entwicklung der Photographie in Deutschland anerkennenswert beigetragen.“
Das Daguerreotypie-Verfahren wurde im Jahr 1839 veröffentlicht, das Kalotypie-Verfahren nur ungefähr ein Jahr später. Während im Daguerreotypie-Verfahren seitenverkehrte Unikate (ohne Negativ) erzeugt wurden, ergab das Kalotypie-Verfahren ein (Papier-)Negativ, von dem nahezu beliebig viele seitenrichtige Abzüge hergestellt werden konnten. Gleichwohl war die Daguerreotypie in den Jahren von 1839 bis um die Mitte der 1850er Jahre viel weiter verbreitet als die Kalotypie;August Beer, Zur Geschichte der Berliner Photographie. Von A. Beer, Nachfolger von Ph. Graff. In: Photographische Mitteilungen, III. Halbjahr, Nr. 16, Juli 1865, S. 52/53, Digitalisat: „Mit der Photographie auf Papier wurden vielleicht auch hier und da (in Berlin) Experimente gemacht, jedoch ist vor dem Jahre 1848 mir nichts davon bekannt geworden, ausser mehrfachen Versuchen, welche Philipp Graff im Jahre 1847 und 48 nicht ohne Erfolg machte; aber gegenüber dem so vollständig angegrenzten Geschäftsbetrieb der Daguerreotypie nur als Versuche gelten liess. […] Im genannten J. [=Jahr] 1851 machte auch ich [= August Beer] einzelne Photographien, deren Negativ Papier.“ erst gegen Ende der 1850er Jahre setze sich in Deutschland die Vervielfältigungsphotographie allmählich durch, wurde also die Daguerreotypie allmählich durch solche fotografischen Verfahren verdrängt, die ein Negativ erzeugten und Abzüge ermöglichten.Brian Coe: Das erste Jahrhundert der Photographie. 1800–1900. Gondrom, Bindlach 1986, ISBN 3-8112-0484-X, S. 19/20: „Das Daguerreotypie-Verfahren blieb in Europa bis zur Mitte der 1850er Jahre allgemein in Gebrauch; in den Vereinigten Staaten noch länger.“ S. a.: Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.), Porträtfotografie in Deutschland 1850–1918, Ausstellungsserie Fotografie in Deutschland von 1850 bis heute, zusammengestellt von Claudia Gabriele Philipp, verantwortlich: Hermann Pollig, Nora Friedrich, Ostfildern bei Stuttgart, 1991, S. 7: „Sämtliche […] Verfahren aus der Frühzeit der Fotografie erlaubten keine direkte Reproduktion durch Abzüge. Entwicklungsgeschichtlich führten sie in eine Sackgasse und verloren ihre Bedeutung für die Bildproduktion im großen und ganzen um 1860.“
Das Fotoatelier Lutze & Witte bot schon im Jahr 1852 auch Negativ-Fotografie an. Dass sich damit relativ leicht und kostengünstig zum Beispiel Lagepläne und Landkarten vervielfältigen ließen, machte Negativ-Verfahren auch für das Militär interessant.Preußische Wehr-Zeitung: militairische Zeitschrift, So., 20. Juni 1852, S. 4, Digitalisat: „Eine neue Art von Daguerreotypie, unter dem Namen Talbotypie (nach ihrem Erfinder genannt), wird gegenwärtig von den Herren Lutze und Witte hier (Neue Friedrichsstraße Nr. 50) mit großem Erfolge betrieben. Die dadurch erzeugten Portraits auf Papier sind in der That vorzüglich gelungen. Wichtig für militairische Zwecke ist, daß sich durch die Talbotypie auch Karten, Situationspläne und Croqui's mit wunderbarer Schärfe und Genauigkeit copiren lassen. Wie man hört, haben sich die Herren Witte und Lutze der Beachtung des Kriegs-Ministeriums zu erfreuen und es sollen Unterhandlungen wegen Vervielfältigung von Karten zu militairischen Zwecken mit ihnen statt finden.“
Nachdem in den Jahren 1850/51 die Kollodium-Nassplatte entwickelt worden war, waren Lutze & Witte wiederum unter den ersten deutschen Fotografen, die diese praktisch anwandten.Wolfgang Baier, Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie, Schirmer/Mosel, München, 1977, Lizenzausgabe im VEB Fotokinoverlag, Leipzig 1977, Lizenz-Nr. 110-210/327/77, S. 166, Digitalisat: „Zu den ersten Fotografen, die das Kollodiumverfahren in Deutschland benutzten, gehörte neben Hermann Krone der Berliner Apotheker Witte.“ Carlos Witte hatte als Apotheker chemische Kenntnisse, die es ihm erleichterten, das Kollodiumverfahren für Glas-Negative schon bald sicher anzuwenden.Friedrich Wilde, Belichtung, Stimmung und Daheimphotographie. In: Photographische Chronik, Nr. 99, 6. Dezember 1908, S. 605–S. 609, S. 609, Digitalisat Gustav Lutze hatte fotografische Erfahrungen als Amateur gesammelt, bevor er Berufsfotograf wurde.Friedrich Wilde, Haben es die alten Photographen so gut gehabt, wie die jungen glauben? (Mitteilungen aus dem Leben eines alten Photographen.). In: Photographische Chronik, Nr. 18, 25. Februar 1912, ab S. 105, S. 106, Digitalisat: „Hier [d.h.: in Berlin] beschäftigte sich schon Gustav Schauer, Oehme & Jamrath, Halfter und ein Amateur Lutze (später Mitinhaber der Firma Lutze & Witte) mit der Photographie.“ Lutze & Witte unterrichteten Daguerreotypisten, die das neue Kollodium-Verfahren für Glas-Negative erlernen wollten, gegen ein mäßiges Honorar. Der Andrang zu diesen Kursen war eine Zeit lang hoch; Daguerreotypisten, die sich zunächst noch abwartend verhalten hatten, hatten es nun eilig, sich durch Erlernen der neuen Fototechnik konkurrenzfähig zu machen.Friedrich Wilde, Belichtung, Stimmung und Daheimphotographie. In: Photographische Chronik, Nr. 99, 6. Dezember 1908, S. 605–S. 609, S. 609, Digitalisat
Bei dem in den Jahren 1850/1851 entwickelten Kollodium-Nassplatten-Verfahren konnten die Glasplatten für die Aufnahmen erst unmittelbar vor der Belichtung angefertigt werden; sie mussten zudem unmittelbar nach ihrer Belichtung entwickelt werden.Lazi Akademie, Wiki, Mediengeschichte, »Kollodium-Nassplatten-Verfahren – Frederick Scott Archers Glasnegativ-Revolution«, online; Peter Michels, »Was ist die Kollodium-Nassplatte?«, Angewandte Fotogeschichte(n) und analoge Fotografietechnik, online Bis im Jahr 1871 das Gelatine-Trockenverfahren veröffentlicht wurde, das die Vorbereitung der Platten lange vor der Aufnahme und ihre Entwicklung auch längere Zeit nach der Aufnahme ermöglichte, war Negativ-Fotografie nur in der Nähe eines geeigneten Fotolabors möglich. Für ortsfeste Bild-Sujets wie Landschaften, Architekturen oder Interieurs mussten mobile Fotolabore verwendet werden, die in Pferdewagen oder in Zelten untergebracht wurden. Im Jahr 1857 betrieben Lutze & Witte ein mobiles Fotolabor in einem Pferdewagen, um Berliner Bauwerke wie die Neue Wache, das Brandenburger Tor oder den Dom fotografieren zu können. Mit diesem fahrbaren Fotolabor erregten Lutze und Witte einiges Aufsehen.Deutschland. In: Beilage zur Bonner Zeitung No. 132 vom Do., den 11. Juni 1857, Bonner Zeitung, Do., 11. Juni 1857, S. 5, Digitalisat: „— Es ist schon erwähnt worden, daß die Hof-Photographen Lutze und Witte einen besonderen Wagen haben bauen lassen, um mit Hülfe desselben die merkwürdigsten Bauwerke Berlins photographisch aufzunehmen. Diese fahrende Lichtbildnerei ist nunmehr im Gange, und das mobile Atelier hat bereits an der Neuen Wache, dem Brandenburger Thor, der Domkirche u. s. w. sein Probestück gemacht. Wie von der Wißbegier namentlich des jüngeren Berlins nicht anders zu erwarten ist, geht und steht das pittoreske Fuhrwerk nirgends ohne ein Gefolge von Schaulustigen. —“. Ebenso: Vermischte Nachrichten. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Do., 11. Juni 1857, S. 3, Digitalisat
Bei der Ausstellung für Fotografie und Heliografie (Tentoonstelling van Photographie en Heliographie) in Amsterdam im Jahr 1855 stellten Lutze & Witte im Kollodium-Negativ-Verfahren aufgenommene Landschafts- und Porträtfotografien sowie Foto-Chemikalien ausTentoonstelling van Photographie en Heliographie. Amsterdam 1855. Catalogus van voorwerpen, ingezonden op de tentoonstelling van photographie … von Vereeniging voor Volksvlijt (Amsterdam), S. 15, Digitalisat: „Lutze & Witte, te Berlijn 26. Photographiën: a. 2 Stadsgezigten, van negatieven, op collodion. b. 5 Portretten, van negatieven, op collodion. c. 1 kistje met chemicaliën voor Photographie. d. 1 kistje met 7 negatieve collodions“ und gewannen eine silberne Medaille.Vermischte Nachrichten. In: Kölnische Zeitung, Di., 03. Juli 1855, S. 3, Digitalisat