mini|Mariano Pardo de Figueroa (1890)

Mariano Pardo de Figueroa y de la Serna (* 18. November 1828 in Medina Sidonia, Provinz Cádiz; † 11. Februar 1918 ebenda), bekannt unter dem Pseudonym Doctor Thebussem, war ein spanischer Schriftsteller, Gastronomieautor, Cervantes-Forscher, Philatelist und Autor zur spanischen Postgeschichte. Er gehörte zu den frühen Autoren der philatelistischen Literatur in Spanien und wurde 1921 postum als einer der „Fathers of Philately“ auf dem Roll of Distinguished Philatelists verzeichnet.

Leben

Pardo de Figueroa entstammte einer angesehenen andalusischen Familie. Er wurde am 18. November 1828 in Medina Sidonia geboren und starb dort am 11. Februar 1918. Nach Angaben der Biblioteca Nacional de España erhielt er eine umfassende Ausbildung, studierte Latein, Philosophie und Rechtswissenschaft, lernte unter anderem Englisch, Französisch und Italienisch und wurde 1854 in Madrid zum Doktor der Jurisprudenz promoviert.

Nach Reisen durch Europa und Afrika ließ er sich 1863 dauerhaft in seiner Heimatstadt Medina Sidonia nieder. Von dort aus führte er eine umfangreiche Korrespondenz mit Persönlichkeiten des literarischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit. Zu seinen Korrespondenzpartnern gehörten unter anderem Francisco Silvela, Juan Valera, Marcelino Menéndez Pelayo, Fernán Caballero und Benito Pérez Galdós.

Pardo de Figueroa blieb unverheiratet. In spanischen Darstellungen wird er als gelehrter, eigenwilliger und humorvoller Autor beschrieben, dessen Arbeitsgebiete von Gastronomie, Philologie, Cervantes-Forschung und Lokalgeschichte bis zu Philatelie und Postwesen reichten.

Name und Pseudonyme

Die autorisierte Namensform im Archiv der Real Academia Española lautet Pardo de Figueroa de la Serna, Mariano; daneben sind unter anderem die Formen Mariano Pardo de Figueroa, Mariano Pardo de Figueroa y de la Serna und Pardo de Figueroa de la Serna, Mariano nachgewiesen.

Sein bekanntestes Pseudonym Doctor Thebussem bildete er aus dem spanischen Wort embustes („Lügen“, „Schwindeleien“). In spanischen Quellen wird die Schreibweise mit Th als bewusst verfremdende, germanisierende Form des Anagramms erklärt. Unter diesem Namen entwickelte er eine literarische Kunstfigur, die in seinen Schriften als gelehrter, zugleich ironischer und spielerisch apokrypher Autor auftrat.

Daneben verwendete er das Pseudonym M. Droap, gebildet aus dem Anfangsbuchstaben seines Vornamens Mariano und einer Umstellung der Buchstaben seines Familiennamens Pardo. Unter diesem Namen veröffentlichte er unter anderem die Epístolas Droapianas über Miguel de Cervantes und den Don Quijote. Als weitere Namensformen beziehungsweise Pseudonyme sind in den Normdaten Thebussem, E. W. und Juan de Sacre nachgewiesen.

Schriftstellerisches Werk

Pardo de Figueroa veröffentlichte zu sehr unterschiedlichen Themen. Seine Schriften behandeln unter anderem Cervantes, den Don Quijote, spanische Esskultur, Postgeschichte, Briefmarken, Genealogie, Bibliografie, Tauromachie, lokale Geschichte und sprachliche Fragen.

Als Cervantes-Forscher trat er vor allem mit den Epístolas Droapianas hervor, einer Reihe von Briefen über Cervantes und den Quijote. In der Gastronomiegeschichte wurde er besonders durch La mesa moderna bekannt, ein 1888 erschienenes Werk über Speisetafel, Küche und Esskultur. Das Buch geht auf einen Briefwechsel zurück, der zunächst in La Ilustración Española y Americana erschien. In der Forschung wird es als Beitrag zur Diskussion über spanische Küche, französischen Einfluss und kulinarische Selbstvergewisserung im Spanien des späten 19. Jahrhunderts eingeordnet.

Postwesen und Philatelie

Pardo de Figueroa befasste sich nicht nur mit Briefmarken, sondern besonders mit dem spanischen Postwesen, frühen Postkarten, Poststempeln, Matasello und postalischen Sonderrechten. In seinen Schriften verband er postalhistorische Detailstudien mit satirischer Kritik an der spanischen Verwaltungspraxis.

Eine besondere Rolle spielte er bei der frühen Geschichte der Postkarte in Spanien. Bereits 1871 setzte er sich öffentlich mit der angekündigten Einführung spanischer Postkarten auseinander. Da die amtlichen Karten zunächst nicht erschienen, ließ er 1873 eigene Karten drucken und verschicken. Diese gelten als frühe private Postkarten Spaniens, die mit der für Postkarten vorgesehenen ermäßigten Gebühr liefen. Ricardo Monner Sans bezeichnete ihn 1918 als den ersten Herausgeber privater Postkarten in Spanien und nennt für Januar 1873 eine Auflage von etwa 50 bis 60 zirkulierenden Karten.

Auch die Erforschung spanischer Poststempel und Entwertungen gehörte zu seinen Arbeitsfeldern. Am 6. März 1871 hielt er nach Darstellung der Real Academia Hispánica de Filatelia e Historia Postal vor der Philatelic Society, London einen Vortrag über spanische Entwertungsstempel. Die Gesellschaft veröffentlichte den Beitrag 1873 unter dem Titel Obliteration Marks, Matasellos, on Spanish Stamps. Die Royal Philatelic Society London führt diese Veröffentlichung in ihrer Publikationsliste für das Jahr 1873.

Für die philatelistische Literatur Spaniens war außerdem seine bibliografische Arbeit bedeutsam. 1876 veröffentlichte er mit Literatura philatélica en España. Apuntes para la redacción de un catálogo eine frühe Übersicht zur philatelistischen Literatur in Spanien. Die Real Academia Hispánica de Filatelia e Historia Postal ordnet diese Schrift als eine der frühen internationalen philatelistischen Bibliografien ein.

1880 wurde Pardo de Figueroa zum Ehrenpostboten ernannt. Mit dieser Auszeichnung war das Recht verbunden, eigene postalische Franquicia-Stempel zu verwenden. Eine Zusammenstellung der Real Academia Hispánica de Filatelia e Historia Postal beschreibt vier solcher Stempel des Doctor Thebussem: einen Stempel als Ehrenpostbote von Madrid, einen Stempel als Ehrenpostbote von Havanna sowie zwei Stempel als Ehrenpostbote Spaniens beziehungsweise Spaniens und seiner Besitzungen.

Mitgliedschaften und Ehrungen

Pardo de Figueroa war korrespondierendes Mitglied der Real Academia de la Historia und der Real Academia Española. Außerdem gehörte er unter anderem der Real Academia Sevillana de Buenas Letras, dem Archäologischen Institut in Rom, der Historischen Gesellschaft in Utrecht sowie dem Orden von Santiago an. 1904 erhielt er die Gran Cruz der Orden Civil de Alfonso XII.

Für seine Verdienste um Postwesen und Philatelie wurde Pardo de Figueroa 1880 zum ersten Ehrenpostboten Spaniens ernannt. Die spanische Post ehrte ihn später mit Briefmarkenausgaben in den Jahren 1944 und 1981; im Museo Postal y Telegráfico in Madrid wurde 1980 eine Büste von ihm aufgestellt.

Die Royal Philatelic Society London führt Pardo de Figueroa als einen der 43 Philatelisten, die bei der Einrichtung des Roll of Distinguished Philatelists als „Fathers of Philately“ geehrt wurden.

Werke (Auswahl)

Influencia del renacimiento del Derecho en los pueblos de Europa. Madrid 1854. Epístolas Droapianas: siete cartas sobre Cervantes y el Quixote. Cádiz 1868. Droapiana del año 1869: octava carta sobre Cervantes y el Quijote. Madrid 1869. Kpankla: carta dirigida al Sr. D. Eduardo de Mariátegui por su amigo el Doctor Thebussem. Madrid 1870. Kpankla y primera de Klentrron: cartas philatélicas del Doctor Thebussem y de Don Eduardo de Mariátegui. Madrid 1871. Literatura philatélica en España. Apuntes para la redacción de un catálogo. Sevilla 1876. Yantares y conduchos de los reyes de España. Madrid 1877. Los jefes del correo en España. Madrid 1881. Los alfajores de Medina Sidonia. Madrid 1882. El correo y la pintura. Madrid 1883. Ristra de ajos formada con 6 cabezas. Medina Sidonia 1884. Fábulas fabulosas. Madrid 1885. La mesa moderna: cartas sobre el comedor y la cocina cambiadas entre el Doctor Thebussem y un cocinero de S. M. Madrid 1888. Un pliego de cartas. Madrid 1891. Fruslerías postales. Madrid 1895. Algo de Philatelia. Madrid 1899.

Literatur

Lara Anderson: Cooking Up the Nation. Spanish Culinary Texts and Culinary Nationalization in the Late Nineteenth and Early Twentieth Century. Boydell & Brewer, Woodbridge 2013. Ricardo Monner Sans: El Doctor Thebussem (D. Mariano Pardo de Figueroa). Notas biográficas y apuntes críticos. Imprenta Mercatali, Buenos Aires 1918. (Digitalisat) Juan Antonio Yeves Andrés: Pardo de Figueroa y de la Serna, Mariano. Doctor Thebussem. In: Diccionario biográfico español. Band 40. Real Academia de la Historia, Madrid 2009–2013, S. 56–58.

Weblinks

Eintrag zu Doctor Thebussem bei der Biblioteca Nacional de España Autorenseite zu Doctor Thebussem bei der Biblioteca Nacional de España Archivischer Normdatensatz zu Mariano Pardo de Figueroa im Archiv der Real Academia Española Digitalisat von Ricardo Monner Sans: El Doctor Thebussem bei Wikimedia Commons

Einzelnachweise

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