mini|Freimaurertempel in Spokane, Washington

Die Freimaurerei in den Vereinigten Staaten unterscheidet sich aufgrund ihrer Geschichte von der in Europa vorherrschenden. Bereits 1733 wurde die erste eigene Freimaurerloge in Boston von der Ersten Großloge von England anerkannt. In der Folgezeit wurden zahlreiche Amerikaner Mitglieder von Logen, darunter auch 15 US-Präsidenten und die Freimaurerei hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Geschichte der Vereinigten Staaten. Nordamerika gilt heute weiterhin als wichtiges Zentrum der Freimaurerei. Seit dem Höhepunkt 1959 mit über 4,1 Millionen Freimaurern sind die Mitgliedszahlen in den letzten Jahrzehnten allerdings deutlich zurückgegangen. 2023 gab es in den USA noch knapp 870.000 Freimaurer, verteilt auf tausende Logen in allen 50 US-Bundesstaaten.

Geschichte Frühzeit der Freimaurerei Die Präsenz von Mitgliedern von freimaurerischen Gruppen in Amerika lässt sich auf die Zeit vor der Gründung der Ersten Großloge von England 1717 zurückdatieren. Als erster dokumentierter Freimaurer in den Dreizehn Kolonien gilt John Skene, Mitglied der Scottish Old Aberdeen Lodge, der 1682 nach Burlington (New Jersey) auswanderte und Vizegouverneur von West Jersey in der Province of New Jersey wurde. Als erster in den Kolonien geborener Freimaurer gilt Jonathan Belcher, britischer Gouverneur von Massachusetts, New Hampshire und New Jersey, der 1704 in eine Loge in London initiiert wurde. Die Formalisierung freimaurerischer Aktivitäten folgte allerdings erst 1733 als die St. John’s Lodge in Boston von der Grand Lodge of London offiziell anerkannt wurde. Zum „Gründungsvater“ der amerikanischen Freimaurerei wurde so Henry Price, ein nach Boston ausgewanderter englischer Schneider, der von London als „Provinzgroßmeister von Neuengland und den dazugehörigen Kolonien und Territorien“ anerkannt wurde. Wobei Pennsylvania nach wie vor behauptet, die älteste Loge zu besitzen, wie ein Artikel über eine ihrer Logen in einer Ausgabe der Pennsylvania Gazette von Benjamin Franklin aus dem Jahr 1730 belegt.

Die Freimaurerei in den Kolonien bildete zunächst keine einheitliche amerikanische Organisation. Die einzelnen Logen arbeiteten aufgrund von Patenten englischer oder schottischer Großlogen beziehungsweise unter der Aufsicht eines von diesen eingesetzten Provinzialgroßmeisters. Dadurch konnten in einer Kolonie mehrere, miteinander konkurrierende Zuständigkeiten bestehen. Neben der 1717 gegründeten ersten englischen Großloge erteilten später auch die 1751 entstandene rivalisierende Großloge der Ancients sowie die Großloge von Schottland Patente für nordamerikanische Logen. Eine übergeordnete amerikanische Großloge entstand während der Kolonialzeit nicht; die Logen und Provinzialgroßlogen blieben weitgehend autonom. 1775 entstand außerdem in Boston die Prince-Hall-Freimaurerei für Afroamerikaner.

Die Spaltung in Moderns und Ancients ging auf eine Gruppe überwiegend irischer Freimaurer in London zurück, die 1751 unter maßgeblicher Führung von Laurence Dermott eine konkurrierende Großloge gründeten. Die Bezeichnungen waren polemisch: Die neue Organisation nannte sich Ancients, weil sie der älteren Großloge vorwarf, überlieferte Rituale verändert und freimaurerische Traditionen vernachlässigt zu haben. Hinter dem Ritualstreit standen zugleich soziale Unterschiede. Die frühen Logen der Moderns wurden in den Kolonien vor allem von Kaufleuten, Juristen, Regierungsbeamten und anderen Angehörigen der städtischen Oberschicht getragen, während die Ancients verstärkt Handwerker, kleinere Kaufleute und Soldaten aufnahmen und ihre leitenden Ämter konsequenter durch Wahlen besetzten.

Religiös orientierten sich die Moderns an der in James Andersons Konstitutionen von 1723 formulierten „Religion, in der alle Menschen übereinstimmen“. Sie verlangten den Glauben an ein höchstes Wesen (Deismus), vermieden jedoch die Bindung an eine bestimmte Konfession und nahmen damit Elemente der Aufklärung und der natürlichen Religion auf. Die amerikanischen Ancients verwendeten demgegenüber häufiger ausdrücklich christliche Gebete, Bibelbezüge und Heiligenfeste. In den Kolonien zogen die Ancients mehr Mitglieder an, sodass sie die Moderns überflügelten, denen wichtige amerikanische Revolutionäre wie Benjamin Franklin oder George Washington angehörten. Die Spaltung der Freimaurer wurde schließlich erst 1813 aufgelöst, als die Moderns den vierten Grad der Ancients einführten, welche im Gegenzug die deistische Ausrichtung der Freimaurerei akzeptierten.

Die Ausbreitung der Freimaurerei beschleunigte sich seit den 1750er Jahren. Zwischen 1733 und dem Beginn der Amerikanischen Revolution erteilte die Londoner Großloge Patente für mehr als 100 Logen in den nordamerikanischen Kolonien; 1772 gehörten der Bruderschaft schätzungsweise rund 5000 Männer an.

Freimaurerei und die amerikanische Unabhängigkeit mini|264x264px|George Washington Masonic National Memorial in Washington, D.C. Die Freimaurerei trat während des Unabhängigkeitskampfes nicht als geschlossen handelnde politische Organisation auf. Die Logen untersagten grundsätzlich parteipolitische und konfessionelle Auseinandersetzungen während ihrer Zusammenkünfte, und Freimaurer befanden sich sowohl unter den Unterstützern der Revolution als auch unter den Loyalisten. Die Annahme einer von den Logen gelenkten Verschwörung zur Loslösung der Kolonien lässt sich daher nicht belegen. Gleichwohl waren einzelne Freimaurer in der revolutionären Bewegung, der Kontinentalarmee und den neuen staatlichen Institutionen überproportional vertreten.

Zu den prominenten Freimaurern der Revolutionszeit gehörten George Washington, Benjamin Franklin, John Hancock, Joseph Warren und Paul Revere. Die Amerikanische Verfassung entsprach freimaurerischen Idealen wie Gleichheit, Meinungsfreiheit und religiöser Toleranz. Franklin, der die deistischen und aufklärerischen Ideale der Moderns vertrat, war stark mit der Freimaurerei verbunden und initiierte den französischen Philosophen Voltaire in eine Pariser Loge, nachdem er sich an der Amerikanischen Revolution beteiligt hatte. Strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Andersons freimaurerischen Konstitutionen, Franklins Albany Plan of Union, den Konföderationsartikeln und der Bundesverfassung wurden beobachtet. Franklins Albany Plan übernahm die masonische Konstitution teilweise Wort für Wort. Von den 55 Delegierten, die am Verfassungskonvent der Vereinigten Staaten teilnahmen, waren 33 Freimaurer. Mit Haym Salomon war auch einer der wichtigsten Finanziers der Revolution ein Freimaurer.10,000 famous freemasons/Volume 4 Q to Z

Der freimaurerische Einfluss auf die Symbolsprache der jungen Republik zeigte sich am deutlichsten in öffentlichen Zeremonien. Am 18. September 1793 legte Washington den Grundstein des Kapitols im Rahmen eines freimaurerischen Rituals. Er trug dabei freimaurerische Insignien, während Vertreter der Großloge von Maryland und mehrerer Logen aus Maryland und Virginia den Grundstein mit Korn, Wein und Öl weihten. Die Feier übertrug die freimaurerische Metaphorik des Bauens, des Grundsteins und des „Großen Baumeisters der Welt“ auf die Errichtung der neuen staatlichen Ordnung. Freimaurerische Quellen sehen die Architektur der Hauptstadt, wie das Kapitol, das Washington Monument und das Weiße Haus, durch freimaurerische Architektur beeinflusst. Für die häufig behauptete absichtliche Einzeichnung von Winkelmaß, Zirkel oder anderen freimaurerischen Zeichen in Pierre Charles L’Enfants Straßenplan von Washington sehen Historiker dagegen keine belastbaren zeitgenössischen Belege.

Krise der Freimaurerei durch die Morgan-Affäre und Erholung mini|Die Entführung von William Morgan (1826) Die Zahl der Freimaurer wuchs im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts rasant an, insbesondere im Nordosten der Vereinigten Staaten. Im Jahr 1800 gab es in den Vereinigten Staaten 11 Großlogen, die 347 untergeordnete Logen und etwa 16.000 Mitglieder umfassten. Bis 1820 gab es allein in New York 300 Logen mit etwa 15.000 Mitgliedern, und bis 1825 kamen in diesem Bundesstaat weitere 150 Logen und 5.000 Mitglieder hinzu. Die öffentliche Stellung der amerikanischen Freimaurerei geriet jedoch 1826 durch die sogenannte Morgan-Affäre in eine schwere Krise. William Morgan aus Batavia im Bundesstaat New York arbeitete gemeinsam mit dem Drucker David C. Miller an einer Veröffentlichung, welche die Rituale und Erkennungszeichen der Freimaurer offenlegen sollte. Im September 1826 wurde Morgan zunächst aufgrund geringfügiger Anschuldigungen festgenommen und nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis von Canandaigua von mehreren Freimaurern entführt. Er wurde danach nicht mehr gesehen; seine Leiche wurde nie gefunden und die genauen Umstände seines mutmaßlichen Todes konnten nicht geklärt werden.

Zwischen 1826 und 1831 beschäftigten sich 20 Grand Jurys und 18 Gerichtsverfahren mit der Entführung und dem Verschwinden Morgans. Mehr als 44 Personen wurden angeklagt, aber lediglich neun wegen ihrer Beteiligung an der Entführung oder damit zusammenhängender Vergehen verurteilt; eine Verurteilung wegen Mordes oder wegen einer umfassenderen Verschwörung erfolgte nicht. Da Entführung im Bundesstaat New York zum Zeitpunkt der Tat lediglich als Vergehen galt, erhielt selbst der am härtesten bestrafte Beteiligte nur eine zweijährige Gefängnisstrafe. Die geringe Zahl der Verurteilungen und die Beteiligung von Freimaurern als Polizeibeamte, Zeugen und Geschworene erweckten in Teilen der Öffentlichkeit den Eindruck, die Bruderschaft behindere die Ermittlungen und stelle ihre internen Verpflichtungen über die staatliche Rechtsordnung. Ob tatsächlich diese eine zentral gesteuerte Vertuschung vorlag, blieb umstritten; entscheidend für die politische Wirkung war die verbreitete Wahrnehmung, dass ein einflussreiches geheimes Netzwerk die Aufklärung verhindere.

Aus lokalen Protestversammlungen in New York entwickelte sich eine breitere antifreimaurerische Bewegung, die sich gegen den vermeintlich übermäßigen Einfluss von Logenmitgliedern auf Gerichte und Behörden richtete. Daraus entstand die Anti-Masonic Party, die als erste einflussreiche dritte Partei der Vereinigten Staaten gilt. Sie führte 1831 den später allgemein übernommenen nationalen Parteitag zur Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten ein und stellte für die Präsidentschaftswahl von 1832 den früheren Freimaurer William Wirt auf. Nach dessen Niederlage gegen Andrew Jackson (ebenfalls Freimaurer) verlor die Partei an Bedeutung; zahlreiche ihrer Anhänger schlossen sich anschließend der Whig Party an. Die Kampagne führte zu einem erheblichen organisatorischen Einbruch der Freimaurerei. Ihre geschätzte Mitgliederzahl in den Vereinigten Staaten sank von ungefähr 100.000 im Jahr 1826 auf etwa 40.000 im Jahr 1835. Besonders stark war der Rückgang in New York. Zahlreiche Mitglieder traten öffentlich aus, Logen gaben ihre Patente zurück und freimaurerische Prozessionen sowie Grundsteinlegungen verschwanden weitgehend aus dem öffentlichen Raum.

Die Erholung setzte während der 1840er Jahre ein und wurde in den 1850er Jahren deutlich sichtbar. Um erneute Kritik zu vermeiden, zogen sich die Logen zunächst aus öffentlich-politischen Auseinandersetzungen zurück und betonten ihre Funktion als private brüderliche und wohltätige Vereinigung. Christliche und bürgerliche Elemente wurden nun stärker betont gegenüber esoterischen und mystischen Geheimritualen, was den Charakter der Freimaurerei deutlich veränderte. Die Mitgliedszahlen erholten sich in der Folgezeit.

Amerikanischer Bürgerkrieg