Christine Webb ist eine Primatologin und Autorin. Sie erforscht Sozialverhalten, Kultur, Kognition und Emotion bei Tieren und kritisiert menschlichen Exzeptionalismus.
Leben Webb schloss 2008 ein Psychologiestudium an der Emory University summa cum laude ab und promovierte 2015 in Psychologie an der Columbia University mit einer Dissertation über Fortbewegung und Versöhnung bei Menschen und Schimpansen. Von 2015 bis 2018 war sie Postdoktorandin am Living Links Center for the Advanced Study of Ape and Human Evolution der Emory University, von 2015 bis 2023 Gastwissenschaftlerin an der Universität Utrecht und von 2016 bis 2017 Postdoktorandin an der Universität Montpellier. Ab 2019 war sie Dozentin und Forscherin an der Abteilung für menschliche Evolutionsbiologie der Harvard-Universität. Sie forscht seit September 2025 in der Abteilung für Umweltstudien der New York University.
Wirken Webb arbeitet mit nichtmenschlichen Primaten in unterschiedlichen Umgebungen und arbeitet mit Forschenden aus Sozial- und Geisteswissenschaften zur Frage zusammen, wie Wissenschaft am moralischen Status anderer Tiere beteiligt ist. Zu ihren Forschungsthemen zählen Empathie, Trost- und Versöhnungsverhalten sowie soziale Beziehungen bei Menschen und anderen Tieren. In ihrer öffentlichen Arbeit kritisiert Webb menschlichen Exzeptionalismus, also die Annahme, Menschen seien anderen Spezies grundsätzlich überlegen. Sie argumentiert, dass vergleichende Intelligenztests oft menschliche Maßstäbe voraussetzen und Tiere unter künstlichen Bedingungen untersuchen, wodurch Ergebnisse zugunsten menschlicher Überlegenheit verzerrt werden können. Ihr Sachbuch The Arrogant Ape: The Myth of Human Exceptionalism and Why It Matters (2025) ging aus einem Harvard-Seminar hervor. Die deutsche Ausgabe erschien 2026 unter dem Titel Der arrogante Affe: Der Mythos der menschlichen Überlegenheit und was wir von anderen Spezies lernen können bei Ullstein in der Übersetzung von Stephanie Singh. In der New York Times wurde das Buch als Auseinandersetzung mit dem menschlichen Überlegenheitskomplex und mit der wissenschaftlichen Untersuchung tierischer Geistigkeit besprochen. Der Rezensent lobte Webbs Kritik am Umgang mit der Tierwelt, stellte aber ihre weitergehende Kausalbehauptung zur Rolle des menschlichen Exzeptionalismus in der ökologischen Krise als weniger gesichert dar. In Science wurde The Arrogant Ape als Buch über die Schäden anthropozentrischer Weltbilder besprochen. Cass R. Sunstein charakterisierte das Buch als moralisches Argument für den Schutz des Wohlergehens nichtmenschlicher Tiere, das von wissenschaftlichen Befunden getragen, aber nicht auf sie reduzierbar sei.
Weblinks
Q&A: Christine Webb. In: Current Biology. Band 36, Nr. 14, 2026, S. R782–R783, doi:10.1016/j.cub.2026.06.005 .
Einzelnachweise
Kategorie:Primatologe Kategorie:Autor Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau