Tigerkönig und Kuhkönig ist ein nepalesisches Tiermärchen.Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 138–141, 223.

Handlung Eine arme Mutter bringt Reis nach Hause zu ihrem Sohn, der ihn trocknen und darauf aufpassen soll, jedoch geht er spielen, sodass Kücken die Körner auffressen, woraufhin sie Hunger leiden müssen. Später fängt der Junge mit einer Haarlocke seiner Mutter einen Sperling, der der König der Vögel ist, und dafür, dass er ihn verschont, bekommt der Junge eine goldkackende Kuh. Als der Junge und seine Mutter dann reich geworden sind, wünscht die Kuh im Wald ausgesetzt zu werden, was der Junge ihr erfüllt.

Da die Kuh bei den Menschen mit Stieren zusammengekommen war, ist sie nun trächtig, ebenso wie eine Tigerin, mit der gemeinsam sie im Wald an einer Tränke trinkt, sodass die beiden Freundinnen werden. Die Tigerin bekommt zwei Junge, die Kuh eines und die drei Kinder werden ebenfalls Freunde. Als die Kuh eines Tages jedoch zuerst an der Tränke trinkt, gerät etwas Speichel von ihr in das Wasser, den die Tigerin danach trinkt und da er ihr so köstlich erscheint, reißt sie die Kuh und frisst sie auf. Die Tigerjungen versorgen daraufhin das Kalb mit der Milch ihrer Mutter und eines Tages beschließen die drei Kinder die Tigermutter in eine Grube zu locken, um sie anschließend mit Steinen und Stöcken zu erschlagen.

Die drei Waisen trennen sich in der Folge immer wieder, wobei die Tigerjungen jagen gehen und das Kalb derweil grast. Aus Versehen töten jedoch Jäger das Kalb, da sie es für eine Hirschkuh halten, woraufhin die hinzugekommenen Tigerjungen ihnen raten es, ob der begangenen Sünde, durch einen Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. Als das Feuer dann lodert, springen die Tigerjungen zum Kalb hinein, sodass sie gemeinsam verbrennen, wodurch an diesem Ort drei Bambusstengel entstehen, die jedem eins auswischen, der an ihnen vorbeigeht.

Später hört ein kinderloser König, dass aus den Bambusstengeln drei Knaben geboren worden seien, also nimmt er sie zu sich, als seine Söhne und sie erben das Königreich – als zwei Tigerkönige und ein Kuhkönig.

Hintergrund Das Märchen wurde von dem Brahmanen, Bauern und Pferdehändler Kawiwaktra Upadhyaya erzählt und 1983 in Lurku im Distrikt Dschumla aufgenommen. In Günter Unbescheids Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal (Köln 1987) erhielt es den Titel Tigerkönig und Kuhkönig. Zugeordnet wurde es AaTh 131: Tigerin als falsche Freundin der Kuh + Mot. E 631: Grabpflanzen nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958).

Literatur Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 123–127, 221–222.

Einzelnachweise

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