Nain Singh, der Kämpfer ist ein nepalesisches Liedermärchen.Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 123–127, 221–222.

Handlung Dem Kämpfer Nain Singh wird vom König befohlen in den Kampf zu ziehen, wofür er vorher noch den Rat eines Astrologen suchen will. Da seine Mutter um das Leben ihres einzigen Sohnes bangt, sucht sie zuerst den Astrologen auf, damit er Nain Singh empfehle nicht in den Kampf zu ziehen. Jedoch beschließen auch die Brahmanen und Tschetri, dass Nain Singh kämpfen müsse, also zieht dieser in den Krieg.

Bei Kangra angekommen beginnt Nain Singh mit seinen Männern die Festung zu belagern. Er wird dabei jedoch schwer am Kopf verletzt und gerät, nachdem er seine Männer heimschickt, um seiner Familie seine letzten Anweisungen auszurichten, in Gefangenschaft. Sein ältester Sohn spricht daraufhin im Palast vor und bekommt ein Regiment von fünfzehntausend Gewehren unterstellt, womit die Waise die Festung stürmt und den Sieg erringt.

Hintergrund Das Märchen wurde von dem Brahmanen und Bauern Harikrischna Dschaisi erzählt und 1983 in Dschumla aufgenommen. In Günter Unbescheids Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal (Köln 1987) erhielt es den Titel Nain Singh, der Kämpfer. Die Geschichte zählt zu den sāitar oder hāitar, was sich von dem Wort sāhitya ableitet, das Literatur bedeutet. In West-Nepal ist diese Form der Geschichten beliebt, wobei ihr meist sagenhafter Inhalt in einem Singsang vorgetragen wird. Tschetri sind Angehörige einer ehemaligen, gleichnamigen Kriegerkaste, die, nach den Brahmanen, die zweite Stelle in der Kastenhierarchie einnehmen.

Nach Unbescheid beziehe sich die Geschichte auf einen Feldzug von Girwana Yuddha Bikram Schah, der von 1799 bis 1816 regierte und Krieg gegen Garhwal und Kumaun (Indien) führte, wobei auch die Festung Kangra belagert wurde. Diese wurde vier Jahre lang erfolglos belagert und gegen Ende fiel im Jahr 1808 Nayan Singh Thapa (Nain Singh), der der Bruder des damaligen Premierministers Bhimsen Thapa war.Ludwig F. Schiller: The Rise of the House of Gorkha. Kathmandu 1973, S. 235.

Literatur Günter Unbescheid (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Nepal. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1987, S. 123–127, 221–222.

Einzelnachweise

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