Kalnik (deutsch Kahlau) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Morąg im Powiat Ostródzki der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. mini|Vorlaubenhaus in Kahlau (Foto vor 1927)
Geographie Kalnik liegt im nördlichen Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, elf Kilometer nordwestlich der Stadt Morąg und 25 Kilometer nordwestlich von Ostróda.
Geschichte Ortsgeschichte Das alte Kirchdorf Kahlau (auch: Calaw) bestand schon zur Zeit des Deutschen Ordens.Dietrich Lange: Kahlau, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Zwischen 1327 und 1331 verlieh der Komtur von Elbing, Hermann von Open, dem Dorf die Handfeste.Geschichtliches Orts-Verzeichnis: Kahlau
Im Jahre 1400 erneuert der Komtur Konrad Graf von Kyburg die Handfeste. 1406 und 1437 verzeichnete das Zinsbuch des Ordens Land in Calaw.
Als ein königliches und köllmisches Dorf mit 76 Feuerstllen wurde Kahlau im Jahre 1785 bezeichnet, im Jahre 1820 als köllmisches Bauerndorf mit 93 Feuerstellen bei 575 Einwohnern.
Am 30. Juli 1874 wurde Kahlau Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Mohrungen.Rolf Jehke: Amtsbezirk Hagenau/Kahlau
Im Jahre 1929 wurde Wilhelmsthal nach Kahlau eingemeindet. Die Einwohnerzahl des Dorfes stieg bis 1933 auf 859 und belief sich 1939 auf 821.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Mohrungen
In Kriegsfolge wurde 1945 das gesamte südliche Ostpreußen an Polen abgetreten. Kahlau erhielt die polnische Namensform „Kalnik“ und ist heute eine Ortschaft innerhalb der Gmina Morąg im Powiat Ostródzki, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Kalnik 468 Einwohnner. mini|Gefallenendenkmal (Erster Weltkrieg) in Kalnik (2008)
Amtsbezirk Kahlau (1874–1945) Zum Amtsbezirk Kahlau gehörten anfangs zwei Dörfer, nach strukturellen Änderungen waren es am Ende vier:
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Kahlau, mit Wilhelmsthal Kalnik, mitKępa Kalnicka 1929 nach Kahlau eingemeindet ab 1882: Hagenau Chojnik bis 1882 im Amtsbezirk Hagenau Königsdorf Królewo bis 1882 im Amtsbezirk Hagenau Rollnau Rolnowo bis 1882 im Amtsbezirk Hagenau Steinsdorf Kamionka bis 1882 im Amtsbezirk Hagenau, 1928 nach Rollnau eingemeindet ab 1883: Annenhof Anin 1928 nach Rollnau eingemeindet
Religion Kirchengebäude Die Kirche in Kalnik resp. Kahlau stammt von 1730.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 62–63 Im gleichen Jahr wurde eine Vorgängerkirche abgerissen. Wann diese errichtet wurde und ob es weitere Vorgängerkirchen gegeben hat, ist nicht belegt.
Bei der KircheAgathon Harnoch: Kahlau und Hagenau, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 171–172 handelt es sich um einen rechteckigen und turmlosen Backsteinbau und wurde mehrfach restauriert.
Im Kircheninnenraum erinnern die abgestumpften Ecken an den Seitenwänden noch an den ursprünglichen Plan, eine achteckige Kirche zu bauen. Die Emporen ruhen auf Holzpfeilern. Der Kanzelaltar – er stammt aus der Zeit um 1700 – befindet sich an der Ostwand. Er stammt wie auch die Reste eines gotischen Schnitzaltars in der Sakristei und sechs Apostelfiguren an der Empore aus der Vorgängerkirche. Eine Orgel erhielt die Kirche Anfang des 18. Jahrhunderts. Von den drei Glocken des Geläuts wurden zwei 1616 bzw. 1626 gegossen. Sie befinden sich in dem abseits stehenden Glockenturm, der 1764 errichtet wurde.
Bis 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Seither wird sie von der römisch-katholischen Kirche genutzt, die sie der „Mutter Gottes vom Berge Karmel“ (Skapulierfest) gewidmet hat.
Kirchengeschichte Die Kirche in Kahlau entstand zu unbekannter Gründungszeit, ist in jedem Falle vorreformatisch Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schloss sich die Gemeinde der lutherischen Konfession an.
Evangelische Kirche Kirchengemeinde: In den Jahren 1720/25 gehörte die Kirche Kahlau zum Amt Mohrungen, 1789 mit der Filialkirche zur Inspektion Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Oberland, 1854 und 1916 zur Inspektion Mohrungen, danach zum Superintendenturbezirk Mohrungen im gleichnamigen Kirchenkreis in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 413, 424, 428, 436, 441 und 466
War Kahlau 1579 noch eine Filialkirche von Mohrungen und gehörte danach zur Pfarrei Silberbach, so war sie dann Pfarrkirche auch in Bezug auf Hagenau, bis die beiden Kirchengemeinden zu vereinigten Kirchengemeinden zusammengelegt wurden.
Pfarrsitz war stets Kahlau. Zum Kirchspiel beider Kirchengemeinden gehörten im Jahre 1925 2.573 Gemeindeglieder, von denen 989 dem Sprengel Kahlau zugeordnet waren.
Sprengel Kahlau: Zum Sprengel Kahlau im Kirchspiel der vereinigten Kirchengemeinden Kahlau-Hagenau gehörten bis 1945: Deutscher Name Polnischer Name Kahlau Kalnik Friedrichsfelde Prętki Inrücken Dworek Wilhelmsthal Kępa Kalnicka
Pfarrer: An der Kirche zu Kahlau (mit Hagenau) amtierten als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 60
Christian Mylius, 1690–1709 Balthasar Friedrich Augar, 1709–1744 Christ. David Krüger, 1745–1749 Friedrich Ziegler, 1750–1783 Christian Gottlieb Ferlo, 1784–1794 Johann Georg von Borstini, 1794–1818 Carl Ernst Dittrich, 1819–1840 Otto Ferdinand Dittrich, 1840–1877 Heinrich Woserau, 1878–1891 Ernst Friedrich Benjamin Rohde, 1892–1911 Rudolf Richard Robert Salewski, 1911–1928 Eugen Bauer, 1929–1945
Römisch-katholische Kirche Bis 1945 waren die römisch-katholischen Einwohner in die Kirche St. Joseph in der Kreisstadt Mohrungen eingepfarrt. Sie gehörte zum Dekanat Pomesanien (Sitz in Osterode) im damaligen Bistum Ermland.
Seit 1945 wird die bisher evangelische Kirche in Kalnik von der dortigen katholischen Gemeinde genutzt. Aufgrund veränderter liturgischer Bräuche musste das Gotteshaus baulich angepasst werden. Am 5. April 1962 errichtete die Kirche hier wieder eine Pfarrei, die jetzt zum Dekanat Morąg im Bistum Elbląg gehört. Zugeordnet sind die Filialkirche in Kwitajny sowie die Kapelle in Królewo.
Verkehr Kalnik liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 527 (einstige deutsche Reichsstraße 133), die die Städte Dzierzgoń, Pasłęk, Morąg und Olsztyn miteinander verbindet. Aus der Nachbarregion enden die Straßen von Chojnik, Królewo, Strużyna und Zielonka Pasłęcka kommend in Kalnik.
Eine direkte Bahnanbindung besteht nicht.
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Kahlau
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Morąg