Die Obusier de 155 mm modèle 1950 ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus Frankreich. Weitere Bezeichnungen lauten OB 155 BF Mle 50, Model 50 155mm oder M-1950.

Entwicklung Die Obusier de 155 mm modèle 1950 wurde entwickelt, um die verschiedenen Artilleriegeschütze der Französischen Streitkräfte aus dem Zweiten Weltkrieg durch ein einheitliches Geschütz zu ersetzen. Das Geschütz wurde ab den späten 1940er-Jahren vom Arsenal de Bourges entwickelt. Ab 1950 wurden Feldtests und Truppenerprobungen durchgeführt. Im Jahr 1952 war die Obusier de 155 mm modèle 1950 beim Französischen Heer operationell. Dort wurde sie „OB 155-50 BF“ bezeichnet. Die Serienfertigung erfolgte im Arsenal de Tarbes. Weiter entstanden zwei Prototypen einer Selbstfahrlafette mit dem Geschütz. Diese wurden „BF-50“ (Lorraine automoteur 155 mm) bezeichnet, erreichten aber nicht die Serienreife. Von 1955 bis 1958 wurde die Obusier de 155 mm modèle 1950 bei Bofors in Lizenz für die Schwedischen Streitkräfte gefertigt. Dort wurde sie „15,5 cm haubits F“ bezeichnet. Insgesamt wurden 1080 Obusier de 155 mm modèle 1950 hergestellt.Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011-2012. 2011, S. 949–950.Shelford Bidwell: Brassey’s Artillery of the World. 1981, S. 50–51.

Technik Die Obusier de 155 mm modèle 1950 ist eine konventionelle Haubitze mit Kraftzugsystem und einer vierrädrigen Spreizlafette mit zwei Spreizholmen. Beim Straßentransport sind die Holme zusammengeklappt und ruhen mit einem Kupplungsauge auf der Anhängerkupplung vom Zugfahrzeug. Das Geschütz wiegt schussbereit 8500 kg und beim Straßentransport 8155 kg. Die Länge der Haubitze variiert zwischen 7,8 m in gezogener und 7,15 m in feuerbereiter Stellung. Die Höhe beträgt in der gezogenen Stellung 2,5 m und feuerbereit 1,65 m. Die Breite auf der Fahrbahn liegt bei 2,75 m und die Bodenfreiheit beträgt 250 mm. Mit gespreizten Holmen beträgt die Breite 6,8 m. Zum Straßentransport können schwere oder mittelschwere Lastkraftwagen verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit auf der Straße beträgt 65 km/h.Christopher Chant: A Compendium of Armaments and Military Hardware. 2014, S. 85.

Geschütz Das Geschützrohr mit Kaliber 155 mm hat 23 Kaliberlängen (L/23) und ist aus hochfestem Stahl gefertigt. Das Geschützrohr ist auf der Lafette mit zwei Spreizholmen verbaut. Vorne an den Holmen sind je Seite zwei gummibereifte Räder angebracht, die wenn die Holme gespreizt werden, mitdrehen. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen sowie zwei Rohrvorholer montiert. Am Rohrende befindet sich die Ladungskammer mit einem Schraubenverschluss. An der Rohrmündung ist eine Mehrkammer-Mündungsbremse montiert, welche die Rückstoßkraft mindert. Der Seitenrichtbereich beträgt ±40° und der Höhenrichtbereich liegt bei −4° bis +69°. Neben der Rohrwiege sind auf der linken Seite die Visiereinrichtung für Indirektes Feuer sowie weitere Bedienelemente für den Kanonier montiert. Mit einem Zielfernrohr können Ziele auf eine Entfernung von rund 3 km im Direktschuss bekämpft werden.

Um das Geschütz feuerbereit zu machen, benötigt die 11-köpfige Bedienmannschaft 5 bis 8 Minuten. Dabei wird die auf der Unterlafette angebrachte Schießplattform abgesenkt und das Geschütz angehoben. Dies geschieht mit Muskelkraft mit einer an der Lafette montiertem hydraulischen Handpumpe. Danach werden hinten die beiden Holme auf den Boden abgesenkt und die zwei großen Erdsporne mit einem Vorschlaghammer ins Erdreich geschlagen. Ist das Geschütz feuerbereit kann es zur Not von 5 Mann bedient werden. Nach dem Schießen werden zwischen 5 und 8 Minuten benötigt, um das Geschütz wieder fahrbereit zu machen.

Das Geschütz wird von den Kanonieren manuell geladen. Kurzzeitig ist mit der Obusier de 155 mm modèle 1950 eine Schussfolge von 4 Schuss pro Minute möglich. Bei anhaltendem Schießen ist die Schussfolge infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres und der Arbeitsbelastung auf 3 Schuss pro Minute begrenzt.

Munition Die Obusier de 155 mm modèle 1950 verwendet getrennt geladene Munition mit bis zu 8 Treibladungsbeuteln. Das heißt, das Geschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Von Luchaire und aktuell von KNDS France wird die folgende Munition für das Geschütz angeboten:Terry Gander & Ian Hogg: Jane’s Ammunition Handbook 1994–1995, Third Edition. 1994, S. 268–273.

Name Geschosstyp Gewicht Mündungsgeschwindigkeit Schussdistanz M107/LU107 Sprenggranate 43,1 kg 570 m/s 14,8 km M56 / Mle 56 Sprenggranate mit Hohlboden 43,7 kg 725 m/s 20,4 km LU111 BB Sprenggranate mit Base-Bleed 42,5 kg 760 m/s 25,3 km F1A OFUM Rauch/-Brandgranate 44,3 kg unbekannt 17,8 km F1 OECL Leuchtgranate 43,5 kg unbekannt 17,8 km

Nutzerstaaten Die Obusier de 155 mm modèle 1950 wurde Ende der 1990er-Jahre größtenteils ausgesondert. Aktuell (2026) steht das Geschütz nur noch in Senegal im Dienst.Trade Register auf sipri.org, abgerufen am 4. Juni 2026The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2026. Routledge Revivals, Vereinigtes Königreich, 2026, ISBN 978-1-003-77897-4. – ~700 (lokale Bezeichnung „OB 155-50 BF“) – 170 – 20 – 40 (z. T. aus französischen Beständen) – 30 – 170 (lokale Bezeichnung „15,5 cm haubits F“) – 20 – 6 (aus französischen Beständen) – 30

Galerie

Literatur Christopher Chant: A Compendium of Armaments and Military Hardware. Routledge Revivals, Vereinigtes Königreich, 2014, ISBN 0-415-71072-3. Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9. Terry Gander & Ian Hogg: Jane’s Ammunition Handbook 1994–1995, Third Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1994, ISBN 0-7106-1207-9. Shelford Bidwell: Brassey’s Artillery of the World. Brassey’s, Vereinigtes Königreich 1981, ISBN 978-0080270357.

Weblinks

Modèle 50 obusier de 155 mm bei armyrecognition.com L’Obusier de 155 mm, modèle 1950/1963 bei artillerie.asso.fr Dokumentation über die OB 155 BF Mle 50 – Film bei youtube.com

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütz Kaliber 155 mm Kategorie:Feldkanone (Frankreich)