Der Lingener Volksbote war eine katholisch geprägte Lokalzeitunghttps://emslandmuseum.de/2023/05/26/volksbote-und-katechismus/, die von 1869 bis 1967 in Lingen (Ems) erschien.https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b12421 Herausgegeben wurde sie vom Verlag und der Druckerei van Acken, die über Jahrzehnte zu den bedeutendsten Medienunternehmen des südlichen Emslandes gehörten.https://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/-20806738
Geschichte Gründung Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf das Jahr 1868 zurück. Der vom Niederrhein stammende Buchdrucker Rüdiger van Ackenhttps://www.emslandgeschichte.de/images/PDF/Bio_vanAcken.pdf erwarb für 600 Taler eine kleine Druckerei von dem Lingener Amtsgerichtsassessor Friedrich Oosthuys. Im folgenden Jahr erhielt van Acken die Konzession zum Betrieb einer Buchhandlung in Lingen.
Am 3. Juli 1869 erschien erstmals der Lingener Volksbote. Die Zeitung wurde zunächst von Rüdiger van Acken im Einmannbetrieb verfasst, gesetzt, gedruckt und verlegt. Sie richtete sich vor allem an die katholische Bevölkerung der Stadt Lingen und des damaligen Kreises Lingen. Aufgrund einzelner publizistischer Beiträge geriet van Acken wiederholt in Konflikt mit Behörden und wurde zeitweise angezeigt und bestraft.https://emslandmuseum.de/2023/05/26/volksbote-und-katechismus/
Ausbau des Verlags 1876 erwarb van Acken ein Gebäude an der Burgstraße in Lingen, das fortan als Sitz von Druckerei, Verlag und Buchhandlung diente. Neben der Zeitung wurden dort Bücher, Broschüren und andere Druckerzeugnisse hergestellt.
Der Verlag entwickelte sich zu einem bedeutenden regionalen Buchverlag. Zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen gehörte das Kochbuch Die Führung der bürgerlichen und feinen Küche, das eine Auflage von nahezu 100.000 Exemplaren erreichte. Große Verbreitung fanden außerdem die Werke des katholischen Theologen Franz Spirago, darunter der Katholische Volkskatechismus sowie mehrere Predigtsammlungen. Daneben veröffentlichte der Verlag Gebets- und Erbauungsbücher sowie zahlreiche heimatgeschichtliche Schriften. Insgesamt erschienen im Verlag van Acken nach späteren Angaben 168 Buchtitel.
Übernahme durch die nächste Generation Nach dem Tod des Firmengründers übernahm 1899 dessen Sohn August van Acken seniorhttps://explore.gnd.network/gnd/1033723592 die Leitung des Unternehmens. Unterstützt wurde er dabei von seinem Schwager Johann Hoffmann, der ebenfalls in die Geschäftsführung eintrat.
Vor dem Ersten Weltkrieg investierte die Druckerei in moderne Druck-, Falz- und Heftmaschinen. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und der Inflation verzögerten jedoch die weitere Entwicklung des Betriebs.https://emslandmuseum.de/2023/05/26/volksbote-und-katechismus/
Blütezeit in der Weimarer Republik In den 1920er Jahren entwickelte sich der Lingener Volksbote zu einer Tageszeitung mit steigenden Auflagenzahlen. Die technische Ausstattung wurde durch eine Setzmaschine und eine Schnelldruckpresse erweitert. 1936 folgten eine zweite Setzmaschine sowie eine automatische Druckmaschine des Herstellers Heidelberger Druckmaschinen.
Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus Wegen seiner katholischen Ausrichtung und der politischen Nähe der Verlegerfamilie zur Deutschen Zentrumspartei geriet der Lingener Volksbote unter Druck des NS-Staates.https://www.lingen.de/tourismus-freizeit-kultur/stadtarchiv/lingener-stadtgeschichte-erleben/von-der-demokratie-zur-diktatur-lingen-1932-1933.html 1936 wurde das weitere Erscheinen der Zeitung verboten.https://www.lingen.de/nl/toerisme-recreatie-cultuur/stadsarchief/lingener-stadtgeschichte-erleben/lingen-im-nationalsozialismus.html In den folgenden Jahren beschlagnahmte die Gestapo Teile des Verlagsbestandes. Im Herbst 1944 musste auch die Buchhandlung ihren Betrieb einstellen.https://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/suche-nach-alten-beitraegen-ueber-500-zeitungsbaende-lagern-im-lingener-archiv-22578826
Nachkriegszeit und Einstellung Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen Aloys Hoffmann und Agnes van Acken, die Witwe von August van Acken senior, die Geschäftsführung. Später trat August van Acken junior an die Spitze des Unternehmens. Obwohl die Druckerei den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte, erhielt der Lingener Volksbote erst 1949 wieder eine Veröffentlichungslizenz.https://zdb-katalog.de/title.xhtml?idn=019708882&view=full
In der veränderten Presselandschaft der Nachkriegszeit konnte die Zeitung jedoch nicht mehr an ihre frühere Bedeutung anknüpfen. 1967 wurde ihr Erscheinen eingestellt.
Nachgeschichte Nach der Einstellung der Zeitung wurden Buchhandlung und Druckerei als eigenständige Unternehmen weitergeführt. Die Druckerei wurde 1981 an die Josefstraße verlegt und später vom Heise-Verlag übernommen. Sowohl die Druckerei als auch die Buchhandlung van Acken existieren heute nicht mehr.https://emslandmuseum.de/2023/05/26/volksbote-und-katechismus/
Weblinks Volksbote und Katechismus. Die Druckerei und Buchhandlung van Acken. Emslandmuseum Lingen. Eintrag vom 26. Mai 2023, abgerufen am 1. Juli 2026.
Einzelnachweise
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