Jammu und Kashmir, historisch auch Kashmir und Jammu, war ein Fürstenstaat in Britisch-Indien. Er entstand 1846 nach dem Ersten Sikh-Krieg, als die Britische Ostindien-Kompanie Gebiete des früheren Sikh-Reiches an Gulab Singh, den Raja von Jammu, übertrug. Der Staat stand zunächst in einem Vertragsverhältnis zur Ostindien-Kompanie und nach 1858 unter der Oberhoheit der britischen Krone.
Der Fürstenstaat umfasste neben dem Kaschmirtal auch Jammu, Ladakh, Baltistan, Gilgit und weitere Gebiete im westlichen Himalaya. Nach der Teilung Indiens 1947 erklärte der letzte Maharaja Hari Singh den Anschluss an das Dominion Indien. Der anschließende Erste Indisch-Pakistanische Krieg führte zur faktischen Teilung des früheren Fürstenstaates zwischen Indien und Pakistan; spätere Grenz- und Hoheitsfragen wurden ein Kern des Kaschmir-Konflikts. Vom Fürstenstaat sind die geographische Region Kaschmir sowie die späteren Verwaltungseinheiten Jammu und Kashmir (Bundesstaat), Jammu und Kashmir (Unionsterritorium), Asad Jammu und Kaschmir und Gilgit-Baltistan zu unterscheiden.
Geschichte
Der Fürstenstaat wurde am 16. März 1846 durch den Vertrag von Amritsar begründet. Die britische Seite übertrug Gulab Singh und seinen männlichen Erben die im Vertrag bezeichneten Gebiete gegen eine Zahlung von 75 Lakh Rupien. Der Vertrag bestimmte außerdem, dass die Grenzen des Territoriums nicht ohne Zustimmung der britischen Regierung verändert werden durften und dass Gulab Singh die Oberhoheit der britischen Regierung anerkannte.
Gulab Singh wurde erster Maharaja des Staates. Ihm folgten weitere Herrscher aus dem Haus der Dogra, darunter Ranbir Singh, Pratap Singh und zuletzt Hari Singh. Der Staat blieb bis zum Ende der britischen Oberhoheit über Indien 1947 formal ein Fürstenstaat und war nicht unmittelbar Teil Britisch-Indiens.
Im Zuge der Teilung Britisch-Indiens in Indien und Pakistan zögerte Hari Singh zunächst mit einer Entscheidung über den Anschluss seines Staates. Nach Kämpfen und dem Eindringen bewaffneter Gruppen aus Richtung Pakistan unterzeichnete er am 26. Oktober 1947 das Instrument of Accession zugunsten Indiens. Der Anschluss wurde am folgenden Tag durch den Generalgouverneur Louis Mountbatten angenommen.
Gebiet, Verwaltung und Bevölkerung
mini|Karte der Kaschmir-Region mit dem Gebiet des früheren Fürstenstaates
Der Fürstenstaat war geographisch und kulturell sehr unterschiedlich geprägt. Nach dem Imperial Gazetteer of India zählten zum Gebiet unter anderem die Regionen Jammu, Kashmir, Ladakh und Gilgit. Die Hauptorte waren Srinagar und Jammu. Srinagar diente insbesondere im Sommer als politisches und administratives Zentrum, Jammu spielte eine zentrale Rolle im südlichen Teil des Staates.
Nach dem Zensus von 1941 hatte Jammu und Kashmir 4.021.616 Einwohner. Die Bevölkerung war religiös und sprachlich heterogen. Muslime stellten im Gesamtstaat die Mehrheit; daneben lebten dort Hindus, Buddhisten, Sikhs und kleinere religiöse Gruppen.
Postwesen und Briefmarken
mini|Marke von Jammu und Kashmir aus dem Jahr 1878
Jammu und Kashmir gehörte zu den indischen Fürstenstaaten mit eigener Staatspost und eigenen Briefmarken. Die organisierten staatlichen Briefmarkenausgaben begannen in den 1860er Jahren. Philatelistische Darstellungen unterscheiden frühe Rundmarken, getrennte Ausgaben für Jammu und Kashmir sowie ab 1878 rechteckige Ausgaben für beide Provinzen.
Die Marken des Staates sind ein eigenes Spezialgebiet der Indien- und Kaschmir-Philatelie. In der Forschung und im Handel gelten sie wegen der verschiedenen Druckarten, regionalen Ausgaben, handwerklichen Herstellung sowie wegen späterer Neudrucke und Fälschungen als besonders schwieriges Sammelgebiet. Nach einer Zusammenstellung zu indischen Fürstenstaaten wurde die Staatspost von Jammu und Kashmir am 1. November 1894 geschlossen; die Marken wurden danach ungültig.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Fürstenstaat in Indien Kategorie:Britisch-Indien Kategorie:Kaschmir-Konflikt Kategorie:Gegründet 1846 Kategorie:Aufgelöst 1947