thumb|Josef Graf von Ezdorf mit Kaiser Karl Josef Graf von Ezdorf (* 14. Februar 1879 in Wien; † 12. Dezember 1950 ebenda) war ein österreichischer Verwaltungsjurist und Beamter. Er war der letzte k.k. Landespräsident des Herzogtums Bukowina und leitete die Landesregierung in der Schlussphase der österreichischen Herrschaft über das Kronland.
Leben Ezdorf trat noch vor seiner Promotion sub auspiciis imperatoris als Konzeptspraktikant bei der niederösterreichischen Statthalterei in den österreichischen Staatsdienst ein. 1905 wurde er nach Czernowitz versetzt, wo er in der dortigen Landesregierung verschiedene Verwaltungsfunktionen durchlief. Nach der russischen Eroberung von Czernowitz und weiteren Teilen der Bukowina im August 1916 wich er zeitweise ins Exil nach Prag aus. 1917 wurde Ezdorf mit der Leitung der Bukowiner Landesregierung betraut. Nach den Friedensschlüssen mit Sowjetrussland, der Ukraine und Rumänien im Frühjahr 1918 und der Rückkehr der österreichischen Behörden wurde Ezdorf am 24. April 1918 formell zum k.k. Landespräsidenten der Bukowina ernannt.
Die letzten Wochen der österreichischen Herrschaft in der Bukowina standen im Zeichen der Auflösung Österreich-Ungarns und konkurrierender nationaler Ansprüche. Nach dem Völkermanifest Kaiser Karls I. vom 16. Oktober 1918 formierten sich in der Bukowina rumänische und ukrainische Nationalvertretungen, die unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Landes vertraten. Ezdorf schilderte diese Vorgänge später in seinem Bericht Die letzten Tage Oesterreichs in der Bukowina.
Am 6. November 1918 übergab Ezdorf die Verfügungsgewalt an Omeljan Popowycz als Vertreter der ukrainischen Seite und an Aurel Onciul als Vertreter der rumänischen Seite.
Nach dem Ende des Krieges trat Ezdorf auf eigenes Ansuchen in den Ruhestand und arbeitete anschließend in einer Rechtsanwaltskanzlei. Zwischen 1934 und 1938 gehörte er zu den prominenten Mitgliedern der monarchistisch-legitimistischen Bewegung in Österreich.
Schrift Josef Graf von Ezdorf: Die letzten Tage Oesterreichs in der Bukowina. Bericht, Linz, 27. Dezember 1918. Transkription im Österreichischen Staatsarchiv.
Literatur Mariana Hausleitner: Konfliktfelder zwischen Rumänen und Ukrainern in der Bukowina zwischen 1910 und 1920. In: Florian Kührer-Wielach, Markus Winkler (Hrsg.): Mutter: Land – Vater: Staat. Loyalitätskonflikte, politische Neuorientierung und der Erste Weltkrieg im österreichisch-russländischen Grenzraum. Friedrich Pustet, Regensburg 2017, ISBN 978-3-7917-2927-5, S. 97–118. Erich Prokopowitsch: Das Ende der österreichischen Herrschaft in der Bukowina. Oldenbourg, München 1959.
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