mini|Ivan da Silva Bruhns, Teppich, 1925. Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris Ivan da Silva Bruhns (* 5. Januar 1881 in Paris; † 17. Oktober 1980 in Antibes) war ein brasilianisch-französischer Maler, Entwerfer von Tapisseriekartons und Bildwirker sowie Arzt.

Leben Ivan da Silva Bruhns entstammte derselben brasilianischen Familie deutscher Herkunft wie Julia Mann, die Mutter von Thomas Mann und Heinrich Mann. Bereits während seines Studiums der Biologie und Medizin verkehrte er in Pariser Künstlerkreisen, war mit Jacques Villon, Maurice Denis und Paul Signac befreundet und malte nebenbei. Zunächst praktizierte er als Arzt, unter anderem im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 in der französischen Armee. Er entdeckte Südfrankreich für sich und hielt sich fortan häufig am Cap d’Antibes auf.

Um 1920 reifte unter dem Eindruck der Exposition coloniale de Marseille von 1922 in Marseille die Entscheidung für eine künstlerische Laufbahn. Dort war er von Orientteppichen so begeistert, dass er sich das Weben von Teppichen autodidaktisch beibrachte. 1925 eröffnete er im Département Aisne eine eigene Weberei, die er bald nach Savigny-sur-Orge verlegte, sowie eine Verkaufsgalerie in Paris. Ab 1939 war er im Zweiten Weltkrieg aktiv, geriet in deutsche Gefangenschaft und wurde im Sammellager Drancy interniert; der Deportation entkam er nur dank seiner deutschen Wurzeln. Nach seiner Befreiung im Jahr 1945 wandte er sich wieder der Malerei zu. Ab 1952 lebte er zurückgezogen in Südfrankreich.

Werk

Malerei Anfänglich malte da Silva Bruhns formal am Kubismus orientierte, expressive, kleinformatige Allegorien in hellen, dennoch lebhaften Farben. Später orientierte er sich am Magischen Realismus lateinamerikanischer Prägung und schuf stilisierte Ölbilder, die meist in leuchtenden, kontrastreichen Farben gehalten sind. Seine Motive waren vorwiegend Porträts, Tierdarstellungen und figürliche Kompositionen, oftmals mit Personen indigener Physiognomie, sowie nahezu abstrakte Kompositionen in düsteren Farben.

Tapisseriekunst Als Bildwirker griff er die traditionelle Knüpfmethode der Pariser Manufacture de la Savonnerie mit türkischem Knoten auf und entwickelte auf Basis des Point noué eine persönliche Technik. Die Tapisseriekartons malte er zumeist minutiös in Gouachetechnik auf Papier, nach Art von Berberteppichen, in gedämpften Farben, vorwiegend in Rosa-, Grün-, Indigo-, Braun-, Grau- und Aprikottönen sowie Schwarz. Nach ersten traditionellen Motiven mit Früchten und Blumengirlanden führte er avantgardistische Stilelemente ein und zeigte dabei eine deutliche Präferenz für geometrische Motive aus verschieden großen, ineinandergreifenden Rechtecken. Im Sinne des Art déco erweiterte er sein Formenrepertoire und bezog traditionelle Muster aus Nordafrika, vorwiegend aus Marokko, sowie aus Asien und Lateinamerika ein. Besonders originell sind seine Kompositionen mit stark stilisierten präkolumbischen Motiven, zu denen er dank seiner brasilianischen Herkunft eine besondere Affinität besaß. Daneben finden sich kleinteilige, arabeskenartige Ornamente, flächendeckende, filigrane Muster sowie dynamische Kreis- und Rechteckkombinationen.

Ivan da Silva Bruhns stimmte jeden Teppich sorgfältig auf das jeweilige Interieur ab. Dies brachte ihm die Wertschätzung bedeutender Möbeldesigner und Innenarchitekten wie Jules Leleu, Louis Majorelle, Jacques-Émile Ruhlmann und René Prou ein. Mit diesen realisierte er Großaufträge für Luxushotels und -dampfer (Normandie, Île-de-France, Atlantique, Marseillaise), Geschäftsräume, öffentliche Einrichtungen und elegante Villen. Zu seinen Werken zählen der Palast von Yashwant Rao Holkar II., Maharadscha von Indore, die französischen Botschaften in Berlin, Warschau und Washington, D.C., der Palais des Nations in Genf sowie das Palais du Luxembourg und das Außenministerium in Paris.

Bereits 1925 erhielt da Silva Bruhns auf der Exposition internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris einen Grand Prix in der Kategorie Textilkunst. Auf der Weltausstellung in Paris 1937 wurde er erneut mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Die 1930er Jahre gelten als seine kreativste, produktivste und erfolgreichste Schaffensphase. Er zählt zu den bedeutendsten Designern des Art déco in Frankreich und erneuerte die Tapisseriekunst grundlegend.

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Werke von da Silva Bruhns befinden sich unter anderem im Bröhan-Museum in Berlin, im Kirkland Museum of Fine and Decorative Art in Denver, Colorado, im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris sowie im Virginia Museum of Fine Arts in Richmond.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen: Galerie Camard, Paris (1977, Retrospektive). Gruppenausstellungen: Salon d’Automne, Paris (1907–1952, häufig), Salon des Indépendants, Paris (1911–1923), Salon des Artistes Décorateurs, Paris (1920–1935), Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, Decorum (2013/14).

Literatur

Martin Battersby: The Decorative Thirties. Academy Editions, London 1988. Patricia Bayer: Intérieurs Art déco. Éditions Gründ, Paris 2000. Yvonne Brunhammer: Le Style 1925. Baschet, Paris 1975. Susan Day: Ivan da Silva Bruhns. In: Hali. Nr. 105, 1999, S. 78–81. Ivan da Silva Bruhns: Ensemble de projets de tapis, gouaches et aquarelles. Auktionskatalog, Hôtel Drouot, Paris 1998. Susan Berry Sherrill: Tapis d'Occident du Moyen Âge à nos jours. Abbeville Press, New York / Paris 1995. Le Palais du Maharadjah d'Indore. Ausstellungskatalog, Galerie Doria, Paris 2006. Paul Atterbury: Art Deco Patterns. Viking Studio Books, London / New York 1990. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

Avant-Garde Gallery Galerie Marcilhac Christie’s New York

Einzelnachweise

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