mini|Bildnis Rossis (um 1738) Bonaventura Rossi (auch Ventura Rossi; † 18. Oktober 1766 in Venedig) war ein italienischer Maler und Kunsthändler für das Kurfürstentum Sachsen.
Leben Über sein Geburtsdatum, sein Vorleben und seine Ausbildung ist nichts bekannt. Rossi wurde wahrscheinlich in der Region um Ragusa auf Sizilien geboren. Am 3. Mai 1731 ist er als Hofkünstler und Restaurator in Dresden angestellt worden. Danach wurde er, ebenso wie vorher sein Bruder Lorenzo Rossi (um 1690–1731), sächsischer Agent für Gemäldeankäufe in Italien, wofür er von Kurfürst Friedrich August II. mit Kreditbriefen ausgestattet wurde.
Im Jahr 1742 wurde in Dresden sein Sohn Cristiano († 1814) geboren, der ebenfalls malte und als Kupferstecher unter Lorenzo Zucchi wirkte.Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder, Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, etc. Dreizehnter Band, Fleischmann, München 1843, S. 428.
Bonaventura Rossi überbot öfters den ebenfalls am Dresdener Hof angestellten Kunstagenten Francesco Algarotti. Algorotti klagte, Rossi habe sich (in Venedig) mit Maske
Im Jahr 1745 ist er nochmals aktenkundig, als am 25. Juli der sächsische Premierminister Graf Heinrich von Brühl an seinen Privatsekretär Carl Heinrich von Heineken schrieb:
Im Dresdner Hofkalender wird Rossi 1764 noch als „Hofmaler und Pensionär“ genannt.Johann Rudolf Füssli: Allgemeines Künstlerlexikon, oder, kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider... Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1779–1824 S. 1352. Sein weiterer Lebensweg ist nicht dokumentiert; irgendwann kehrte er nach Italien zurück, da er 1766 in Venedig verstarb.
Ankäufe für den sächsischen Hof 1723 hatte sein Bruder Lorenzo Andrea Vaccaros Erscheinung Christi (Bestandsverzeichnis der Gemäldegalerie Alte Meister: Nr. 464) und 1728 Jacopo Palma il Vecchios Ruhende Venus (Nr. 190) für den Sächsischen Hof erworben.
Nach dem Tod seines Bruders wurde Bonaventura ab 1738 selbst in Venedig tätig. In diesem Jahr sandte er 44 Gemälde nach Dresden, unter denen sich u. a. Jusepe de Riberas Heiliger Franciscus auf den Dornen (Nr. 685) und Befreiung Petri (Nr. 684) befanden. Im Jahre 1741 folgten ca. 70 Gemälde, die in Florenz, Rom, Bologna und Venedig erworben wurden, darunter die Heilung des Blinden von El Greco (Nr. 276), Paolo Veroneses Kleine Kreuzigung (Nr. 231) und Paolo Farinatis Die Darstellung im Tempel (Nr. 223).
Im Jahr 1744 kaufte er 65 Bilder an, darunter Sassoferratos Madonnen (Nr. 430 und 431), die beiden Bildnisse der Dogaressa Morosina Morosini und des Dogen Marino Grimani von Leandro Bassano (Nr. 282 und 281) und Paolo Veroneses Leda mit dem Schwan (Nr. 234). mini|Tizian: Der Zinsgroschen, Ölgemälde um 1516 Ab 1744 initiierte Bonaventura Rossi seinen größten Ankauf für August III. Unter Vermittlung des Kunstkenners Antonio Maria Zanetti (1716–1778), des Gesandten Sachsens in Venedig Ämilius Graf von Villio (vor 1712 – nach 1763) und des Galerieinspektors Pietro Guarienti (um 1690–1765) wurde am 17. Juli 1745https://www.stadtwikidd.de/wiki/17._Juli; abgerufen am 5. Juni 2026 der Vertrag über den Ankauf der hundert bedeutendsten Bilder der damals weltberühmten Sammlung des Herzogs von Modena Francesco III. d’Este, welcher hoch verschuldet war und dringend Geld benötigte, unterzeichnet. Die Este-Sammlungen in Modena verloren damit die besten Stücke für die damals enorme Summe von 100.000 venezianischen Zecchini (ca. 350 kg 986er Feingold). Der Dresdner Bankier Johann Thomas Rachel von Löwmannsegk erhielt den Auftrag, die Bezahlung und die Überführung der Bilder zu übernehmen, und bediente sich dazu der Unterstützung seines mittlerweile in Venedig ansässig gewordenen Bruders, des Handelsherrn Paul Moritz Rachel. Johann Thomas reiste auf Anweisung des Grafen Heinrich von Brühl mit einem vierten seiner Brüder im Juli 1745 nach Venedig, um die Zahlung der geforderten 100.000 Zecchinen zu ermöglichen. Der sächsische Hof wollte in Staatspapieren zahlen, die Italiener verlangten jedoch Barzahlung in Goldstücken. So verzögerte sich die Kaufabwicklung, da die Rachels erst das Gold auftreiben mussten. Mit Mühe wurde von den Unterhändlern die Erlaubnis erwirkt, die Schildereien nach Padua zu schaffen. Rossi nahm sie dort in Empfang. Über den Winter 1745/46 ruhte die Abwicklung. Johann Thomas Rachel machte sich im Frühjahr 1746 von Dresden aus wieder auf den Weg und reiste nach Padua und Venedig. Das Gemälde Die büßende Magdalena (Nr. 454; im II. Weltkrieg vernichtet) von Pompeo Batoni konnte vorab schon nach Dresden verbracht werden, weil August III. sich gerade danach sehnte. Nachdem das Geld aufgebracht worden war, setzte der Unterhändler von Francesco III. d’Este Giuseppe Maria Bondigli (1691–1763) noch durch, dass Rahmen der Bilder nicht mit ausgeliefert wurden, weil dies im Kaufvertrag nicht ausdrücklich festgelegt worden sei. Danach gingen am 6. Juli 1746 die Kunstwerke auf die Reise und kamen über Wien im August 1746 in Dresden an.
In dem angekauften Konvolut befanden sich mehrere Gemälde Correggios, u. a. die Die Heilige Nacht, viele Dosso Dossis und Garofalos sowie Bilder von Annibale Carracci und Guido Reni, Guercinos, Francesco Albanis, Tizians Zinsgroschen (Nr. 169), Paolo Veroneses vier Bilder aus dem Palast Cuccina Die Anbetung der Könige, Die Hochzeit zu Kana, Die Kreuztragung und Die Madonna der Familie Cuccina (Nr. 225 bis 228), Andrea del Sartos Opfer Abrahams (Nr. 77), Giulio Romanos Madonna della Catina (Nr. 103) und Parmigianinos Maria mit dem hl. Stephanus (Nr. 160). Aber auch einige bedeutende Werke nicht italienischer Meister gelangten 1746 mit der Modeneser Sammlung nach Dresden z. B. Holbeins Bildnis des Morette (Nr. 1890), das Männliche Bildnis von Diego Velázquez (Nr. 697) und Rubens’ Heiliger Hieronymus (Nr. 955). Sie sind heute noch zum Großteil in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zu besichtigen.
Literatur Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden – Geschichtliche Einleitung. Hoffmann, Dresden 1887, S. 9 ff. Julius Hübner: Verzeichniss der Königlichen Gemälde-Gallerie zu Dresden. 5. Auflage, Teubner, Dresden 1880 (Digitalisat). Paul Moritz Rachel: Altdresdner Familienleben in der Biedermeierzeit. Verein für Geschichte Dresdens, Dresden 1915, S. 4 ff. Barbara Marx (Hrsg.): Elbflorenz. Italienische Präsenz in Dresden. 16.–19. Jahrhundert. Verlag der Kunst, Dresden 2000. Barbara Marx; Andreas Henning: Venedig – Dresden Begegnung zweier Kulturstädte. Seemann Henschel, Leipzig 2010, S. 31. Nina Simone Schepkowski: Johann Ernst Gotzkowsky. Kunstagent und Gemäldesammler im friderizianischen Berlin. 2012, S. 148.
Weblinks Artikel bei lucascranach.org über das Gemälde Katharinenaltar: Hl. Christina und Hl. Ottilia von Lucas Cranach dem Älteren, das Rossi 1738 vom Schloss Hartenstein in Torgau nach Dresden überführte Bonaventura Rossi bei degruyter.com Bonaventura Rossi bei kalliope-verbund.info Artikel bei skd.museum über die Kriegsverlustrückgabe eines ehemals von Rossi erworbenen Gemäldes Filmdoku August und das Gold der Sachsen des MDR mit Nennung Rossis (ab Minute 7:20)
Einzelnachweise
Kategorie:Gemäldegalerie Alte Meister Kategorie:Kunsthändler Kategorie:Person (Kursachsen) Kategorie:Person (deutsch-italienische Beziehungen) Kategorie:Person (Republik Venedig) Kategorie:Geboren im 18. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1766 Kategorie:Mann