Die New Yorker Sklavenverschwörung oder New Yorker Negerverschwörung (engl. Great Negro Plot, oder New York Conspiracy of 1741), zählt zu den folgenreichsten Krisen der kolonialen Geschichte Nordamerikas. Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1741 geriet New York City in eine Atmosphäre tiefgreifender Panik: Mehrere Brände lösten den Verdacht auf eine großangelegte Verschwörung versklavter Neger und armer Weißer aus. Die zeitgenössischen Berichte sind jedoch widersprüchlich, und die spätere Forschung hat vor allem die Unsicherheit der Beweislage hervorgehoben.
Die Brandserie und das Entstehen des Verdachts Der Auslöser war eine Reihe von Bränden, die am 18. März 1741 einsetzte, darunter das Feuer im Haus des Lieutenant Governor George Clarke in Fort George. In einer Stadt mit rund 10.000 Einwohnern, von denen etwa 2.000 versklavt waren, trafen die Brände auf ein ohnehin angespanntes Klima aus sozialer Unsicherheit, wirtschaftlichen Belastungen, Kriegssorgen und antikatholischen Ängsten im Kontext des Konflikts mit Spanien. Man erinnerte sich an einen Fall dreißig Jahre zuvor, als einige Neger das Haus ihrer Besitzer angezündet und sie anschließend bei deren Flucht aus dem Gebäude erschlagen hatten. Aus der Furcht vor äußerer Bedrohung und innerer Unruhe entstand rasch der Verdacht, versklavte Schwarze, arme Weiße und Katholiken könnten einen großangelegten Aufstand planen. Besonders wichtig wurde die Aussage der jungen Dienerin Mary Burton, die unter Druck Namen nannte und so den Verdacht auf Caesar, Prince, Cuffee und weitere Personen lenkte.
Die Strafverfolgung Die Untersuchung leitete Daniel Horsmanden, zugleich Richter und zentrale Figur der Verfolgung. Damit verband sich Ermittlungsarbeit mit richterlicher Autorität in einer Weise, die die Fairness des Verfahrens von Beginn an belastete. Zwischen April und Juni 1741 weitete sich die Affäre lawinenartig aus: Immer neue Verhaftungen folgten auf neue Aussagen, oft unter dem Druck von Drohungen und Aussicht auf Begnadigung. Nach den Angaben des Historical Society of the New York Courts wurden in der Supreme Court of Judicature etwa 200 Personen angehört; über 30 Personen, darunter auch einige Weiße, wurden zum Tode verurteilt, 70 weitere Schwarze zur Verschickung in die Karibik bestimmt. Die Verfahren wurden später vielfach als Paradebeispiel für Rechtsunsicherheit, Denunziation und rassifizierte Strafjustiz beschrieben.
Deutung und historische Bedeutung In der Forschung steht die Affäre seit Langem im Spannungsfeld zwischen der Frage nach tatsächlichem Widerstand und der Deutung als kollektive Panik. Ferenc M. Szasz untersuchte das Ereignis bereits 1967 neu; Thomas J. Davis deutete die Prozesse 1985 als Ausdruck rassischer und ethnischer Spannungen; Peter Charles Hoffer ordnete sie 2003 als Problem von Sklaverei, Verbrechen und kolonialem Recht; Jill Lepore rückte 2005 die enge Verflechtung von Freiheit und Sklaverei in den Mittelpunkt. Die neuere Literatur betont weniger die Wahrscheinlichkeit eines ausgearbeiteten Komplotts als vielmehr die politische und soziale Funktion des Verdachts: Die Ereignisse von 1741 zeigen, wie schnell in einer Sklavenstadt Angst, Gewalt und Recht ineinandergreifen konnten. In dieser Hinsicht besitzt die New Yorker Negerverschwörung nicht nur Bedeutung für die Geschichte der Sklaverei, sondern auch für das Verständnis kolonialer Öffentlichkeit und kolonialer Herrschaft.
Quelleneditionen
Daniel Horsmanden: The New-York Conspiracy: Or, A History of the Negro Plot, with the Journal of the Proceedings Against the Conspirators at New-York in the Years 1741–2. New York 1969.
Literatur
Ferenc M. Szasz: The New York Slave Revolt of 1741: A Re-examination. In: New York History 48 (1967), S. 215–230. Thomas J. Davis: The New York Slave Conspiracy of 1741 as Black Protest. In: The Journal of Negro History 56 (1971), S. 17–30. Thomas J. Davis: A Rumor of Revolt: The “Great Negro Plot” in Colonial New York. New York 1985. Graham Russell Hodges: Root and Branch: African Americans in New York and East Jersey, 1613–1863. Chapel Hill 1999. Peter Linebaugh / Marcus Rediker: The Many-Headed Hydra: Sailors, Slaves, Commoners, and the Hidden History of the Revolutionary Atlantic. Boston 2000. Peter Charles Hoffer: The Great New York Conspiracy of 1741: Slavery, Crime, and Colonial Law. Lawrence, KS 2003. Serena R. Zabin (Hrsg.): The New York Conspiracy Trials of 1741: Daniel Horsmanden’s Journal of the Proceedings, with Related Documents. Boston / New York 2004. Andy Doolen: Reading and Writing Terror: The New York Conspiracy Trials of 1741. In: American Literary History 16 (2004), S. 377–406. Jill Lepore: New York Burning: Liberty, Slavery, and Conspiracy in Eighteenth-Century Manhattan. New York 2005. Eric W. Plaag: New York’s 1741 Slave Conspiracy in a Climate of Fear and Anxiety. In: New York History 84 (2003), S. 275–299. Richard E. Bond: Shaping a Conspiracy: Black Testimony in the 1741 New York Plot. In: Early American Studies 5 (2007), S. 63–94.
Kategorie:Geschichte von New York City Kategorie:Konflikt 1741 Kategorie:Geschichte der Dreizehn Kolonien Kategorie:Verschwörung Kategorie:Sklaverei in den Vereinigten Staaten