miniatur|hochkant|Jan Juhani Steinmann (2022) Jan Juhani Steinmann (* 18. Dezember 1988 in Bern) ist Philosoph, Dichter und Theologe.
Leben Jan Juhani Steinmann wurde in Bern geboren. Seine Mutter ist Finnin, sein Vater der Schweizer Künstler und Musiker George Steinmann. Er ist verwandt mit dem Berner Universalgelehrten Albrecht von Haller. An den Studienorten Zürich, St. Andrews, Berlin, Rom, Heidelberg und Cambridge hat Steinmann Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Politikwissenschaften und Theologie studiert. 2016 kam er nach Wien, wo er mit einem Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2021 in Philosophie promovierte. Betreut von Konrad Paul Liessmann beschäftigte er sich dabei mit der Hyperphänomenologie von Bernhard Waldenfels. Ein zweites Doktorat in Philosophie erfolgte 2026 am Institut catholique de Paris und an der Università di Roma LUMSA. Unter der Betreuung von Emmanuel Falque forschte Steinmann zum phänomenologischen Denken von Kierkegaard, Nietzsche und Heidegger.
Seit 2019 unterrichtet Steinmann an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Seit 2023 hat er einen Lehrauftrag an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Steinmann ist Mitbegründer des Kollektivs Omnibus Omnia. Nebst seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er auch einen philosophischen Roman verfasst (Corvus Albus, 2024), der die fiktive Begegnung von Kierkegaard und Nietzsche erzählt, sowie zwei Gedichtbände (Am Saum der Worte, 2021; Das Vorfaltenlicht, 2025) veröffentlicht. Die Poesie in Das Vorfaltenlicht wurde als „Donnerschlag eines Theotikers“ bezeichnet.
Technikphilosophische Positionen Steinmann hat verschiedentlich technikkritische Beiträge publiziert. Seine Kritik richtet sich dabei insbesondere gegen den technologischen Transhumanismus und ein technozentrisches Verständnis der Künstlichen Intelligenz.
In seinem Werk Kritik der künstlichen Vernunft (2025) unterscheidet Steinmann drei Paradigmen: Das Paradigma der Humanität, das Paradigma der Trans-Humanität und das Paradigma der Theo-Humanität. Ersteres bezeichnet den bisherigen "Welt- und Selbstbezug des Menschen", zweiteres "eine technologisch zu dominierende Welt über den Menschen hinaus oder nach dem Menschen", letzteres die "noch immer unverstandene Gottwerdung des Menschen". In Abgrenzung zur bloßen Humanität und zur technologischen Transhumanisierung des Menschen, die beide das Menschliche zu gering denken, plädiert Steinmann für ein Theohumanisierung, wie sie das Christentum lehrt. Diese Neubetonung der Theosis nennt Steinmann "existenzieller Absolutismus".
Staatstheologische Positionen Bei den Wiener Festwochen im Sommer 2026 vertrat Steinmann in dem von Milo Rau inszenierten Glaubenstribunal die Staatsform der "Theokratie... die Herrschaft des Göttlichen." Basierend auf Liebe sei diese "eine Politik in Demut, auf die Gnade ausgerichtet." Es gehe dabei nicht um eine Ausübung der Macht, sondern demütige Offenhaltung für den Heiligen Geist: "Ich plädiere für eine Politik der Gnade," fasste Steinmann zusammen.
Steinmann verortet sich politisch weder links noch rechts, sondern sucht bewusst jene Schräglage, die eine „positionslose Position“ offenhalte.
Werke Sei, der du wirst. Poetische Phänomenologie nach Kierkegaard, Nietzsche und Heidgger (Karl Alber/Nomos, 2026). Kritik der künstlichen Vernunft. Vorspiel eines Anathemas (Lepanto, 2025). Das Vorfaltenlicht. Die Alpen und das Valley (Wieser Verlag, 2025). Omnibus Omnia. Fragmente zum Omnismus. Zusammen mit Robert König (Brot und Spiele Verlag, 2025). Corvus Albus. Roman. (Édition Acephale, 2024). Ästhetik des Ungehorsams. Interventionen im digitalen Zeitalter. Zusammen mit Albert C. Eibl (Wieser Verlag, 2024). Exzess und Selbst. Hyperphänomenologische Bewegungen nach Waldenfels (Cuvillier Verlag, 2021). Am Saum der Worte. Eine Wiener Musikpoesie (Castrum Verlag, 2021).
Einzelnachweise
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