mini|Florencio Pla Meseguer mini|Foto aus der polizeilichen Akte von Florencio Pla Meseguer
Florencio Pla Meseguer (Vallibona, 1. Februar 1917 – Olocau, 1. Januar 2004),Elena Solanas Roig, Florencio Pla «la Pastora», la dignitat robada, Ed. Sembra Llibres, València 2023, ISBN 978-84-16698-85-1Esperança Camps Barber, Elena Solanas: "Florencio Pla està deixant de ser La Pastora, el monstre, el maqui sanguinari", in: «VilaWeb», 5. März 2023, abgerufen am 2. Juni 2026 auch bekannt unter seinem Geburtsnamen Teresa Pla Meseguer und mit den Spitznamen la pastora (die Hirtin), Teresot und Durruti, war ein valencianischer Bauer und Guerillakämpfer (Maquis). Vom Franco-Regime verfolgt, war er zeitlebens von Verleumdungen betroffen. Sein Kampf, binären Geschlechterrollen zu entkommen, sowie sein Widerstand gegen das Franco-Regime haben «la pastora» zu einem Symbol des Widerstands gemacht.Raül Gonzàlez Devís: El maqui 'La Pastora', una vida de resistència, in: «La Directa», 1. Februar 2022, abgerufen am 2. Juni 2026
Biografie Florencio Pla kam im Mas de la Pallissa, einem Hirtenhaus in Vallibona, in der Nähe von Morella, zur Welt. Geboren mit einer Genitalfehlbildung, die heute als Intersexualität diagnostiziert wird, beschlossen seine Eltern, ihn als Mädchen unter dem Namen Teresa registrieren zu lassen, um ihn den Militärdienst zu ersparen – dies aufgrund der damals jüngsten und traumatischen Kriege in Kuba und im Rif, sowie der Tragischen Woche. Als Jüngster von sieben Geschwistern – von denen eines bereits gestorben war, als er geboren wurde – wuchs er ohne Vater auf; dieser starb, als er zwei Jahre alt war, nachdem eine Mauer auf ihn gestürzt war. Fleiß, Sparsamkeit und Zurückhaltung prägten sein Leben und seine persönlichen Beziehungen. In seiner Pubertät zeigten sich sekundäre Geschlechtsmerkmale männlicher Ausprägung, und er erhielt den spöttischen Spitznamen «Teresot» (augmentativ maskulin von ‚Teresa‘), obwohl er sich weiterhin als Frau kleidete.Oriol Gracià, La Pastora. El maqui hermafrodita, in: «Sàpiens» Nr, 103, Mai 2011, S. 52–57, ISSN 1695-2014
Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges versuchte er, sich auf der republikanischen Seite als Freiwilliger zu melden – mit der Absicht, sich auf diesem Wege seine Dokumente als Mann ausstellen zu lassen –, blieb dabei jedoch erfolglos.Miquel Alberola, «La Pastora», el maqui del Maestrat, in: «El Temps», 29. Februar 1988, abgerufen am 2. Juni 2026
Er arbeitete als Hirte in verschiedenen Bauernhöfen, bis er 1943 Arbeit in einem Bauernhof in La Pobla de Benifassà fand. Es war ein Gebiet mit der Präsenz von anti-franquistischen Guerillagruppen, die die AGLA (Agrupación Guerrillera de Levante y Aragón) bildeten. Francesc Gisbert, für den «la pastora» arbeitete, wurde regelmäßiger Lieferant des 23. Sektors der AGLA.
Am 4. Februar 1949 griff die Guardia Civil gewaltsam das Mas del Cabanil an, ebenfalls in La Pobla de Benifassà. Kurz danach erlitt «la pastora» eine schwere Demütigung durch eine Gruppe von guardias civiles unter der Führung von Leutnant Mangas: Unter Waffengewalt zwangen sie ihn, sich zu entkleiden, um seine fehlgebildeten Genitalien anzuschauen. Schließlich wurde der Eigentümer des Mas – der bereits erwähnte Francesc Gisbert – am 9. April verhaftet und kurz danach ohne Gerichtsverfahren getötet. Nach diesen Ereignissen fasste «la pastora» den Entschluss, sich der AGLA Guerrilla anzuschließen.
Der Beitritt zur AGLA bedeutete zugleich, mit der ihm seit Geburt zugewiesenen Geschlechtsidentität zu brechen und sich öffentlich als Mann zu identifizieren. In seiner ersten Zufluchtsstätte, dem Haus von Cinta Solà in La Sénia, beschloss er, Männerkleidung anzuziehen, sich die Haare zu schneiden und sich – ganz im Geiste des Guerillakampfes – den Decknamen «Durruti» zuzulegen. Er gehörte der Guerilla bis zum 7. Oktober 1950 an, als er gemeinsam mit seinem Kameraden Francisco Serrano «El Rubio» desertierte. Fortan widmeten sich beide im Wesentlichen dem Überleben, indem sie Überfälle und Entführungen aus finanziellen Motiven verübten, und wurden so zu den letzten Guerilleros in den Bergen von València.
Am 2. August 1954 wurde Francisco während der Plünderung des Ferienhauses einer reichen Familie tödlich verwundet. Florencio überlebte zwei Jahre lang versteckt in den Bergen – bis zum August 1956, als er beschloss, nach Andorra zu gehen, wo er sich als Florencio ausgab. Dort arbeitete er als Hirte und im Tabakhandel; eine Anzeige führte schließlich am 5. Mai 1960 zu seiner Festnahme durch die andorranische Polizei und seiner Übergabe an die Guardia Civil.Valentes: Florencio Pla Meseguer (Dokumentar), in: «À Punt», 14. Juli 2019, abgerufen am 3. Juni 2026
Er musste sich zwei Kriegsgerichtsverfahren unterziehen, die in Tarragona und València stattfanden. In Tarragona wurde er wegen Raubüberfällen zu zwei Haftstrafen von jeweils 25 Jahren verurteilt. In València wurde er zum Tode verurteilt – aufgrund schwerwiegender Anschuldigungen, die ihm ohne empirische Überprüfung oder Zeugenaussagen 29 in Castelló und Teruel begangene Morde zur Last legten; dies geschah trotz der Verteidigung durch seinen Anwalt (Oberstleutnant Ángel Aguilar), der darauf beharrte, dass er an keinem einzigen Mord beteiligt gewesen sei. Später wurde seine Todesstrafe in eine 30-jährige Haftstrafe umgewandelt.
Die Boulevardpresse jener Zeit veröffentlichte dämonisierende Berichte, die seinen Lebensweg verfälschten und verbreitete ein morbides, irriges und entmenschlichendes Bild von Florencio. Einer der führenden Köpfe dieser Kampagne war der Journalist Enrique Rubio, der «la pastora» als kriminell, grausam, monströs, „lesbisch“Violeta Tena: Desmuntar la Pastora per a recuperar Florencio Pla, in: «El Temps», 27. Februar 2023, abgerufen am 3. Juni 2026 und „mit Zügen einer Menschenfresserin“ beschrieb; man hielt ihn für eine Frau mit einem „pathologischen Drang zum Verbrechen“, und ohne jeglichen Beweis oder jede Grundlage wurden ihr vorsätzlich und fälschlicherweise zahlreiche Verbrechen zugeschrieben.«La Vanguardia», 7. Januar 2001, S. 26
Er verbrachte 17 Jahre in verschiedenen Gefängnissen. Mariano Vinuesa – ein Justizvollzugsbeamter, der sein Verhalten im Gefängnis beobachtet und seinen Fall genau studiert hatte – war überzeugt von seiner Unschuld und setzte sich dafür ein, dass die Straffe wegen gutes Verhalten ermäßigt wurde. Schließlich wurde Florencio im Juli 1977 begnadigt und freigelassen. Am 25. März 1980 gelang es ihm außerdem, seinen Namen im Register in ‚Florencio‘ ändern zu lassen. Er ließ sich in Olocau nieder und starb am 1. Januar 2004. Er wurde auf dem Allgemeinen Friedhof von València beigesetzt.
Verleumdungen und Instrumentalisierung Florencio war jahrzehntelang den Verleumdungen der franquistischen Boulevardpresse ausgesetzt, die eine düstere Legende um ihn bildete. So beschrieb ihn Enrique Rubio, in den Zeitungen El Caso und Por qué als „grausame Frau, die sechs Jahre lang an der Spitze einer Bande von Gesetzlosen von der Sierra de Caro aus Verbrechen und Terror säte“. Julio Camarero, ebenfalls von Por qué, beschrieb ihn als „eine monströse Frau, die [...] das ideale Leben gefunden hatte, um ihren pathologischen Durst nach Verbrechen zu stillen.“ Bei einem „spektakulären Raubüberfall“ – so sollte er schreiben – „ermordete sie eigenhändig ein Ehepaar und dessen zwei Kinder und ließ ein drittes Kind verletzt zurück.“ Aguado Sánchez bezeichnete sie al „eine lesbische Frau mit kriminellen Instinkten“.Nuevas adquisiciones en la biblioteca del GEMA, in: «Grupo de Estudios Masinos», abgerufen am 4. Juni 2026La Pastora: del monte al mito in: «Instituto Superior Tecnológico Portoviejo: Colección de literatura», abgerufen am 4. Juni 2026
Das Franco-Regime instrumentalisierte die Verhaftung von der als «monströsen Mörderin» stilisierten «pastora» und verbreitete unter den Kindern folgendes Loblied auf die Guardia civil: «Viva la Guardia Civil que ha atrapado a La Pastora, mujer de bajos instintos, fea, mala y pecadora.» («Es lebe die Guardia Civil, die ‹la pastora› gefasst hat – eine Frau niederer Instinkte: hässlich, bösartig und sündhaft.») Anna Abella: Alicia Giménez Bartlett: «Al maquis le daba igual si Teresa era hombre o mujer», in «El Periódico», 8. Januar 2011, abgerufen am 4. Juni 2026
Außerdem veröffentlichte Manuel Villar Raso 1978 das Buch «La Pastora», das ebenfalls zahlreiche Verleumdungen enthält. Dafür hatte er den guten Willen von Mariano Vinuesa - dem Justizvollzugsbeamten, der geholfen hatte, dass Florencio freigelassen wurde: Mariano Vinuesa hatte den Fall lange erforscht und in einem Manuskript dokumentiert, und Manuel Villar Raso, der das Manuskript las – im Prinzip um es zu veröffentlichen –, plagierte es und verfälschte die Geschichte, um daraus einen Roman zu machen. Mariano Vinuesa klagte ihn zwar an, aber er wurde mit der Begründung freigesprochen, dass am Anfang des Buches klein das Wort «novela» (Roman) stand.Indignación de la familia de la pastora in: «Siglo XXI», 26. April 2011, abgerufen am 4. Juni 2026
Wiederherstellung von Florencios Würde Erst im 21. Jahrhundert fanden gründlichere Untersuchungen zum Leben von Florencio statt, die zur Wiederherstellung ihrer Würde und Ehre beitrugen, insbesondere durch die Bücher «La Pastora. Del monte al mito.» von José Calvo (2009)La Pastora, del Monte al Mito. Presentació del llibre a Vallibona 10 d'Octubre de 2009, in: Webseite des «Col·lectiu Avinsilona» von Vallibona, abgerufen am 4. Juni 2026 und Florencio Pla «la Pastora», la dignitat robadavon Elena Solanas, Uhrgroßnichte von Florencio (2023).
Außerdem erschien 2011 der gut dokumentierte Roman Donde nadie te encuentre von Alicia Giménez Bartlett, der den prestigeträchtigen Nadal-Literaturpreis 2011 erhielt.Alicia Giménez Bartlett gana el LXVII Premio Nadal, in: «Europa Press Cultura», 7. Januar 2011, abgerufen am 4. Juni 2026
Heute ist Florencio Pla Meseguer ein Symbol für den Widerstand gegen den Faschismus und gegen die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität. Musiker wie Ebri Knight, Palmer und Xavi Sarrià haben ihn Lieder gewidmet.Siehe den Artikel zu Florencio Pla Meseguer in der katalanischsprachigen Wikipedia Das Theaterstück Instruccions per a no tenir por si ve La Pastora (Anleitung, keine Angst zu haben, falls La Pastora kommt) von «Ravalera Teatre» wurde 2018 uraufgeführt und war 2019 Finalist von den Premios Max.«Instruccions per a no tenir por si ve la pastora» Finalista del premio a Mejor espectáculo revelación de la XXII edición 2019, in: «Webseite der Premios Max», abgerufen am 4. Juni 2026
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Opfer des Faschismus (Spanien) Kategorie:Spanischer Bürgerkrieg Kategorie:Guerilla (Person) Kategorie:Intergeschlechtlichkeit Kategorie:Person (Valencianische Gemeinschaft)