Gabriele Schleuning (geb. Beier; * 1952) ist eine deutsche Psychiaterin und war von 1994 bis 2018 Chefärztin der kbo-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haar (Atriumhaus)kbo-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haar | Atriumhaus, abgerufen am 2. Juni 2026., ein psychiatrisches Krisenzentrum nach dem Konzept der offenen Psychiatrie in München.Karl Forster: Ein Lächeln für die kranke Seele auf SZ vom 2. April 2019, abgerufen am 31. Mai 2026.

Leben Ihr Vater war Masseur und ihre Mutter Fußpflegerin in der familiären Praxis. Sie wuchs mit ihrer jüngeren Schwester, der Kabarettistin Angelika Beier, auf und verbrachte ihre Gymnasialzeit in Prien am Chiemsee. Bereits während ihrer Gymnasialzeit, aber auch während ihres Studiums engagierte sie sich bei dem Kommunistischen Studierendenverband (KSV), einem studentischen Kommunisten-Ableger der KPD. Die Studentenbewegung der 1960er/70er prägte ihr Interesse an Machtstrukturen, Ausgrenzung und gesellschaftlichem Wandel.

Sie studierte ab 1972 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Medizin. Während des Studiums hospitierte sie in Kliniken in Arezzo, Paris und New York City, die beim Wandel der Psychiatrie eine Vorreiterrolle spielten. Nach der Promotion zum Dr. med. begann sie ihre Facharztausbildung für Neurologie und Psychiatrie 1979 in dem Bezirkskrankenhaus Haar. Sie stand in Kontakt mit Michael von Cranach, dem späteren Chefarzt des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren. 1985 wurde sie Oberärztin in Haar und konnte dort eine Ambulanz aufbauen, zudem hatte sie auch die Leitung der zentralen Patientenaufnahme inne. 1992/93 entwickelte sie das Konzept für das Krisenzentrum München-Süd, das heutige Atriumhaus, eine Modelleinrichtung des Bezirks Oberbayern. 1994 begann dort ihre Arbeit als Chefärztin; 2018 ging sie in den Ruhestand. Sie war auch langjährig im Vorstand des Krisendienstes Psychiatrie München tätig.

Werk Sie wird als eine Pionierin der „offenen Psychiatrie“ und als Gründerin eines modernen Kriseninterventionskonzepts in München angesehen. Zielgruppe für sie waren Menschen mit schwer und chronisch verlaufenden schizophrenen Erkrankungen; daneben beschäftigte sie sich mit psychiatrischer Krisen- und Notfallhilfe, Prävention, Antistigma, Salutogenese, aber auch mit psychischer Gesundheitsförderung und psychischer Gesundheit in Unternehmen.Gabriele Schleuning auf Psychiatrie Verlag, abgerufen am 1. Juni 2026. Sie verfolgte dabei einen Casemanagement-Ansatz mit der Koordination aller Hilfen im außerstationären Bereich, um Versorgungslücken nach einer Enthospitalisierung zu schließen. Damit sollte eine Verbesserung der Kontinuität, Koordination und Wirksamkeit der ambulanten psychiatrischen Versorgung gewährleistet werden; dies wurde auch in ihren wissenschaftlichen Studien über das Versorgungsgeschehen und ihre Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung der Psychiatrie bestätigt.

Ehrungen/Positionen 2015: Trägerin des Bayerischen Verdienstordens

Privates Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Töchtern und eines Sohnes und lebt in Prien und München.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Michael Welschehold: Münchener Krisenstudie: Psychiatrische Notfallversorgung: Strukturen und ihre Nutzung. Psychiatrie-Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-88414-346-9. Mit Susanne Menzel: Ins Leben verrückt: Das Atriumhaus als Pionier einer offenen Psychiatrie. Psychiatrie Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-88414-696-5. Mit Michael Welschehold; Bundesministeriums für Gesundheit: Modellprojekt Psychiatrisches Casemanagement. Sektorbezogene Untersuchung einer Gruppe von psychisch schwer und chronisch Kranken unter den Bedingungen einer koordinierten Betreuung und Behandlung im außerstationären Bereich. Nomos-Verl.-Gesellschaft, Baden-Baden 2000, ISBN 978-3-7890-7119-5.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Susanne Menzel: Peter Brieger: Der für sich und Andere ausweglose Mensch (Krisen und Krisenintervention). In: Klaus Dörner; Ursula Plog; Thomas Bock; Peter Brieger; Andreas Heinz; Frank Wendt (Hrsg.): Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie (S. 493–520) (24., vollständig überarbeitete Auflage). Psychiatrie Verlag, Köln 2017, ISBN 978-3-88414-610-1. Soforthilfe bei seelischen Krisen – psychiatrische Versorgung neu aufstellen! In: Aktion Psychisch Kranke; Peter Weiß; Andreas Heinz (Hrsg.): Ambulante Hilfe bei psychischen Krisen. Psychiatrie Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-88414-583-8. Mit R. Künstler: Krisen und Krisenhilfe. In: W. Rössler (Hrsg.): Psychiatrische Rehabilitation. Springer, Berlin 2004, ISBN 978-3-642-62308-0. Mit Michael Welschehold: Ich kann nicht mehr! Akute seelische Notlagen in und mit der Arbeitswelt. In: Erfolgsgesellschaft außer Dienst? Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt. kbo – Kliniken des Bezirks Oberbayern, München o. J.

Weblinks

Anne Malburg: Weg mit den großen Anstalten auf Welt vom 5. Februar 2001, abgerufen am 2. Juni 2026. Gabriele Schleuning auf Eigenleben, abgerufen am 1. Juni 2026. Florian J. Haamann: Krise statt Krankheit auf SZ vom 3. Januar 2020, abgerufen am 1. Juni 2026. “Hilfe für Menschen in seelischer Not”: Interview mit Dr. Gabriele Schleuning auf Radio Bayern 2 vom 9. August 2019, abgerufen am 1. Juni 2026. ZEIT - Es wechseln die Zeiten - Teil 1 auf YouTube, abgerufen am 1. Juni 2026. MENSCH - Es wechseln die Zeiten - Teil 2 auf YouTube, abgerufen am 1. Juni 2026. 30 Jahre ApK Augsburg e.V. Feier Dr. Gabriele Schleuning auf YouTube, abgerufen am 1. Juni 2026.

Einzelnachweise

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