mini|Julie von Rothschild Caroline Julie Anselme Freifrau von Rothschild (geboren 2. September 1830 in Frankfurt am Main; gestorben 18. November 1907 in Pregny) war ein Mitglied der Familie Rothschild. Sie gehörte dem Wiener Zweig der Familie an.
Leben Julie von Rothschild wurde am 2. September 1830 in Frankfurt am Main geboren; sie war die Tochter von Charlotte von Rothschild und Anselm Salomon von Rothschild, der die Leitung des Wiener Bankhauses der Familie übernommen hatte. Am 16. Oktober 1850 heiratete Julie von Rothschild ihren Cousin Adolph Carl von Rothschild, der von der Familie für die Leitung des Neapolitanischen Bankhauses eingeteilt worden war.
Julie von Rothschild war sehr interessiert an Kunst – vor allem interessierte sie sich für französische Kunstobjekte des 18. Jahrhunderts –, ihr Mann teilte ihr Interesse und war ein großer Kunstsammler. Das Paar besaß eine Wohnung in Paris und baute ein Schloss in Pregny am Genfer See, welches es 1858 bezog. Der Bankenstandort Neapel des Hauses Rothschild musste 1863 aufgegeben werden, nachdem sich die politischen Verhältnisse in Italien geändert hatten. Im Jahr 1860 nahm Giuseppe Garibaldi Neapel ein, und die Rothschilds zogen sich nach Gaeta zurück. Als erster Rothschild wurde Adolph Carl von Rothschild 1865 aus der Familienpartnerschaft ausgezahlt.
Fotografin und gesellschaftliches Leben In Paris lebten sie an der Rue de Monceau, dort ließ Julie von Rothschild einen Seitenflügel an ihr Stadtpalais anbauen. In ihm richtete sie ein zweistöckiges Fotostudio ein. Auch in Pregny wurde ein Fotostudio eingerichtet.
In Paris wie auch in Pregny führte Julie von Rothschild ein glanzvolles gesellschaftliches Leben. Dabei zeigte sie eine Vorliebe für das Rauchen großer Zigarren, was bei ihren jüngeren Nichten für Erstaunen und Belustigung sorgte. Ihr Schloss stattete sie mit gesammelten Kunstwerken aus. Sie empfing prominente Freunde wie die Kaiserin Elisabeth von Österreich, die den letzten Abend vor ihrer Ermordung in Gesellschaft mit Julie von Rothschild verbrachte und in Pregny auch deren Orchideen-Zucht bewunderte.
Adolph Carl von Rothschild starb 1900 und danach zog sich Julie von Rothschild nach Pregny zurück. Sie kümmerte sich jedoch weiter um die Kliniken für Augenheilkunde, die Adolph Carl von Rothschild in Genf und Paris gegründet und finanziert hatte, nachdem er nach einem Unfall in der Eisenbahn zuvor selbst am Auge operiert worden war. Für die Kliniken wurde eine ophthalmologische Stiftung eingerichtet, die Julie von Rothschild mit Kapital ausstattete und um die sie sich weiterhin kümmerte.Far-Sighted Charity: Adolphe and Julie de Rothschild and their eye clinics in Paris and Geneva, Rothschild Archive (PDF), abgerufen am 7. Juni 2026
Als Julie von Rothschild am 18. November 1907 in Pregny starb, vererbte sie ihr Vermögen an Maurice de Rothschild.
La Gitana mini|La Gitana 1877 Julie von Rothschild ließ 1875 die Yacht La Gitana bauen, welche am 21. September 1876 auf dem Genfer See zu Wasser gelassen wurde. Die Gitana wurde von der englischen Werft Thornycroft gebaut und war 24,45 m lang. Es ist nicht geklärt, worauf der Name zurückging. Einer Hypothese zufolge soll Julie von Rothschild in der Familie „La Gitane“ (die Zigeunerin) genannt worden sein und ihr Dampfschiff danach benannt haben; nach einer anderen Version wurde sie zu der Namensgebung durch ihre Liebe zur Musik inspiriert. So soll ihr die Rolle der Zigeunerin Azucena in Il Trovatore von Verdi sehr gefallen haben. Es handelte sich bei La Gitana um ein Dampfboot mit einem Rumpf aus Stahl. Mit der La Gitana wurde auf dem Genfer See eine Geschwindigkeit von 20,5 Knoten erreicht. Dabei handelte es sich um einen Weltrekord, der Julie von Rothschild den Beinamen „schnellste Yachting Lady der Welt“ einbrachte.
Eine zweite Yacht ließ sie bei der – für ihre sehr schnellen Schiffe bekannten wie renommierten – französischen Werft Augustin Normand in Le Havre bauen. Diese erreichte eine Länge von 37 m. Im Jahr 1898 legte die Gitana II auf dem Genfer See die Strecke von Coppet nach Saint-Prex mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,34 Knoten in 34 Minuten und 12 Sekunden zurück und stellte damit eine neue Bestzeit auf. Die Gitana II besaß einen Decksalon, einen Ruheraum nur für Damen, zwei Toiletten, eine Küche und ein Büro. Durch diese Schiffe legte Rothschild den Grundstein für die Segelleidenschaft in ihrer Familie.
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