Die Chevauchée des Schwarzen Prinzen, auch bekannt als Grande Chevauchée, war ein groß angelegter Feldzug, unter dem Kommando von Edward, dem Schwarzen Prinzen, zwischen dem 5. Oktober und dem 2. Dezember 1355 durchgeführt wurde. Die Chevauchée war Teil des Hundertjährigen Krieges und hatte zum Ziel die politischen Loyalitäten in der Gascogne durch kalkulierten Terror und Verwüstung zu sichern. Außerdem sollte die wirtschaftliche Macht Frankreichs geschwächt werden. Der Feldzug endete mit einer gefestigten englischen Herrschaft in der Gascogne aber ohne territoriale Gewinne. Gleichzeitig legte der Feldzug aber den Grundstein für eine weitere Chevauchée im folgenden Jahr.
Hintergrund
Seit der normannischen Eroberung im Jahr 1066 besaßen englische Monarchen Titel und Ländereien in Frankreich, deren Besitz sie zu Vasallen der französischen Könige machte. Nach einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten zwischen Philipp VI. von Frankreich und Eduard III. von England beschloss Philipp am 24. Mai 1337, dass die von Edward III. in Frankreich gehaltenen Ländereien wieder in Philipps Besitz übergehen sollten, mit der Begründung, Edward III. habe seine Pflichten als Vasall verletzt. Dies markierte den Beginn des Hundertjährigen Krieges.
Vor Kriegsbeginn verließen jährlich mindestens 1.000 Schiffe die Gascogne. Zu ihrer Ladung gehörten mehr als 80.000 Fässer Wein. Die von der englischen Krone auf Wein aus Bordeaux erhobene Abgabe stellte die größte Einnahmequelle des Staates dar. Zu diesem Zeitpunkt war die englische Gascogne jedoch durch französische Übergriffe so stark geschwächt, dass sie auf Lebensmittelimporte, vor allem aus England, angewiesen war. Jede Unterbrechung des regulären Schiffsverkehrs drohte die Gascogne auszuhungern und England finanziell zu ruinieren was den Franzosen sehr wohl bewusst war.
Obwohl die Gascogne der Auslöser des Krieges war, konnte Edward III. nur wenige Ressourcen für ihre Verteidigung aufbringen, da die vorherigen Feldzüge der Engländer in Nordfrankreich stattgefunden hatten. Daher mussten sich die Gascogner auf ihre eigenen Ressourcen verlassen, wobei sie von den Franzosen stark bedrängt wurden. 1339 belagerten die Franzosen Bordeaux und drangen mit einer starken Streitmacht sogar in die Stadt ein, bevor sie zurückgeschlagen wurden. In der Regel konnten die Gascaner 3.000 bis 6.000 Mann aufbieten, die große Mehrheit davon Infanterie, wobei jedoch bis zu zwei Drittel von ihnen in Garnisonen gebunden waren. Im Juli 1346 landete Edward III. mit der englischen Hauptarmee in der Normandie. Philipp mobilisierte die französischen Streitkräfte gegen diese Bedrohung, aber im Laufe des folgenden Jahres gelang es Edward III., den Schwerpunkt der Kämpfe von der Gascogne in die Picardie und Flandern zu verlagern.
Der französische Hafen Calais fiel am 3. August 1347 nach einer elfmonatigen Belagerung an die Engländer, kurz nachdem der Waffenstillstand von Calais unterzeichnet worden war. Dies war zum Teil darauf zurückzuführen, dass beide Länder finanziell am Ende waren. Im selben Jahr erreichte die Pest Nordfrankreich und Südengland, was zum Tod von etwa 45 Prozent der Bevölkerung führte. Die Kämpfe in der Picardie und der Bretagne hielten an, besonders heftig waren sie im Südwesten Frankreichs, wo die Engländer tief in französisches Gebiet vordrangen, ohne das es zu einer größeren Schlacht kam. Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden begannen 1353 in Avignon unter der Schirmherrschaft von Papst Innozenz VI., sodass sich der Krieg auf Scharmützel und kleinere Überfälle abschwächte. Anfang 1355 kamen die Friedensgespräche zum Erliegen. Der französische Adel lehnte die Abtretung großer Gebiete in voller Souveränität an England. Zudem schloss Frankreichs innerer Rivale, Karl der Böse, Frieden mit der französischen Krone, wodurch König Johann II. seine Position gestärkt sah und die englischen Forderungen zurückwies. Im April 1355 beschloss Edward III. aufgrund einer ungewöhnlich günstigen finanziellen Lage, noch im selben Jahr Offensiven sowohl in Nordfrankreich als auch in der Gascogne zu starten. Johann II. versuchte, die Verteidigung des Landes gegen den erwarteten Einfall Edwards III. auszubauen und gleichzeitig eine Feldarmee aufzustellen, was ihm vor allem aufgrund fehlender Geldmittel nicht gelang.
Auftakt Bei ihren Feldzügen in der Gascogne in den Jahren 1345 und 1346 hatten die Engländer die Franzosen weit über die Grenzen der Gascogne nach Norden und Westen zurückgedrängt. Zahlreiche von den Franzosen gehaltene Burgen und Kleinstädte blieben innerhalb des nominell englischen Territoriums, ebenso wie die Engländer Vorposten tief im französischen Gebiet unterhielten. Unmittelbar südlich davon lag die Grafschaft Armagnac, die vom Krieg weitgehend verschont geblieben war. Sie war das Kernland von Jean I. Graf von Armagnac, dem persönlichen Vertreter des französischen Königs im Südwesten und dem mächtigsten französischen Adligen in der Region. Jean befürwortete seit langem eine Fortsetzung des Krieges gegen die Gascogne. Er hatte die Anordnung zur Einhaltung des Waffenstillstands im Jahr 1354 ignoriert, war wiederholt in das Agenais eingefallen und hatte mehrere wichtige Städte belagert, wenn auch erfolglos. Im Frühjahr 1355 unternahm er erneut erfolglose Versuche, von den Engländern gehaltene Städte einzunehmen. Frustriert und nachdem die Friedensgespräche gescheitert waren, startete er den ganzen Sommer über wiederholt erfolgreiche Überfälle in die Gascogne.
Im Sommer 1355 wurde Eduard III. ältester Sohn, Edward of Woodstock, der Schwarze Prinz zum Stellvertreter des Königs (King’s Lieutenant) in der Gascogne ernannt. Die logistischen Vorbereitungen für die Expedition das Zusammenziehen von Truppen, das Requirieren von Schiffen sowie das Beschaffen von Vorräten und Geldern begannen bereits im Frühjahr 1355 und zogen sich über die folgenden Monate hinweg. Am 9. September stach die englische Flotte mit 2.000 Soldaten von Plymouth aus in See und erreichte am 20. September Bordeaux. Von Jean III. de Grailly Sprecher und Anführer des pro-englischen gaskonischen Adels wurde er bedrängt einen Angriff auf die Grafschaft Armagnac zu starten, was Edward letztlich akzeptierte. Verstärkt durch weitere Truppen aus der Gascogne erhöhte sich die Größe der Armee auf 6.000 bis 8.000 Mann.
Chevauchée Osten Am 5. Oktober 1355 brach die englisch-gaskonische Streitmacht des Schwarzen Prinzen von Bordeaux auf. Über Saint-Macaire und Bazas erreichte die Armee am 12. Oktober die Grenze zum Armagnac. Vor dem Überqueren der Grenze kam es zu Massenritterschlägen. Mit dem Aufrollen der königlichen Banner begann der offizielle Feldzug. Edward teilte seine Streitmacht in drei Kolonnen auf, die parallel zueinander marschierten, um die Zerstörung zu maximieren. Die Kolonnen standen jeweils unter dem Kommando von Thomas de Beauchamp, 11. Earl of Warwick Vorhut, Prinz Edward Zentrum und William de Ufford, 2. Earl of Suffolk und William de Montagu, 2. Earl of Salisbury Nachhut.
Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit Jean I. erhielt Verstärkung durch Jacques de Bourbon, und Jean de Clermont, vermied bewusst Jean I. die offene Feldschlacht. Stattdessen zog er sich hinter die Mauern von Toulouse zurück, wo er sich auf eine Belagerung vorbereitete. Jean I. ließ die Zugänge zur Stadt zerstörten und rechnete damit, dass sich der Schwarze Prinz in die Gascogne zurückziehen würde, sobald er die Stärke der Befestigungsanlagen sah. Stattdessen zogen die Engländer an der Stadt vorbei und setzten ihren Weg nach Osten fort, wobei sie die Garonne und Ariège unbehelligt durch die Franzosen überqueren konnten.
Das Ziel der Engländer, das Lauragais galt als Kornkammer Südfrankreichs. Die Engländer setzen auch dort ihren Vernichtungszug fort, brannten alles nieder, was ihnen in die Hände fiel, wobei sie insbesondere Windmühlen ins Visier nahmen. Damit sollte nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit Brot verhindert werden, sondern auch Überschüsse zur Versorgung des französischen Heeres. Bei den Plünderungen von Städten und Burgen kam es oft zu Ausbrüchen von Gewalt und Massakern an der Zivilbevölkerung. Zwischen 2. November und 8 November plünderten die Engländer Carcassonne und Narbonne, wobei den Engländern große Geldsummen angeboten wurden, falls sie die Stadt verschonen würden.Die Bürger boten dem Schwarzen Prinzen eine enorme Summe von 250.000 Gold-Écus an, was dieser aber ablehnte. vgl. Cole: 1976, S. 94. Daneben konnten Steuerunterlagen der Region erbeutet werden was es den Engländern ermöglichte, sich ein genaues Bild von dem Schaden zu machen, den sie der französischen Wirtschaft und den Kriegsanstrengungen zufügten.
Eine Großoffensive zu dieser Jahreszeit war nicht erwartet worden. Die Bereitschaft des Schwarzen Prinzen, 480 km von seinem Stützpunkt aus zu marschieren, Flüsse zu überqueren, die für große Truppenverbände als unpassierbar galten, und vom Land zu leben, überraschte die Franzosen. Von Narbonne aus hatten kleinere Gruppen der Engländer das Umland geplündert und gebrandschatzt. Vertreter des Papstes die um einen Waffenstillstand ersuchten wurden abgewiesen und weitere französische Städte begannen sich auf mögliche Angriffe der Engländer vorzubereiten.
Westen Um den Engländern den Rückzugsweg abzuschneiden und sie so zur Schlacht zu stellen, hatten die Franzosen ihre Truppen 24 km westlich von Narbonne bei Homps aufgestellt. Da der Schwarze Prinz wusste, dass seine Vorräte, insbesondere für die 15.000 Pferde knapp wurden, umging er die blockierte Position bei Homps. Stattdessen zogen die Engländer am 10. November aus Narbonne ab, wobei es zu vereinzelten Rückzugsgefechten mit der Stadtmiliz kam. Die Engländer überquerten die Aude nördlich von Narbonne und zogen dann nordöstlich in Richtung Béziers. Ihre Späher berichteten, dass die Stadt stark verteidigt sei, worauf der Schwarze Prinz nach einem Kriegsrat beschloss nach Westen umzudrehen in der Erwartung, gegen Armagnacs Truppen kämpfen zu müssen. Die Franzosen zogen sich jedoch nach Toulouse und von dort weiter nach Carcassonne zurück. Der Schwarze Prinz verfolgte sie bis nach Carcassonne, wandte sich, da er in dem bereits weitgehend ausgebeuteten Gebiet Schwierigkeiten hatte, Proviant zu beschaffen, nach Süden, wo die Städte Fanjeaux, Limoux, Lasserre sowie Villasavary verwüstet wurden. Der Marsch Richtung Süden hatte die Engländer an die Grenzen der Grafschaft Foix gebracht. Nach einem Treffen am 17. November zwischen dem Grafen von Foix Gaston III., einem entschiedenen Gegner von Jean I. und dem Schwarzen Prinzen gewährte Gaston den Engländern freie Passage. Der Rückzug vom Mittelmeer zum Atlantik war ein strapaziöser Marsch bei starkem Regen ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung und sauberem Wasser. Die Englische Armee überquerte erneut die angestiegenen Flüsse Garonne und Ariège, sehr zum Erstaunen der Einheimischen.