mini|alt=Blick über eine zweispurige Stadtstraße mit Parkstreifen auf zwei mehrstöckige Wohnhäuser, die um 1890 errichtete wurden. Der Straßenrand ist von Bäumen gesäumt, die zum Teil die Dachtraufen der Häuser erreichen. Hinter den Häusern liegt ein Bahndamm, der die Straße auf einer gemauerten Brücke aus dunkelroten Ziegeln überquert, die die Straße überwölbt. Die Brücke wird von einem ICE passiert. Vor der Brücke führt ein provisorisches Rohrgerüst Leitungen über die Straße und weist auf die Bauarbeiten zum neuen Stadtteil Altona Mitte hin, die zum Aufnahmezeitpunkt im Juni 2025 noch nicht völlig abgeschlossen waren.|Das Nordende der Harkortstraße mit der Eisenbahnbrücke von 1891 während der Bauarbeiten zum neuen Quartier Mitte Altona, 2025 Die Harkortstraße ist eine Straße im Hamburger Stadtteil Altona-Nord. Sie führt von der Stresemannstraße im Norden über eine Länge von etwa 900 Metern zur Julius-Leber-Straße im Süden. Die Straße wurde 1950 nach dem märkischen Industriellen Friedrich Harkort benannt; zuvor hieß sie Rainweg. Die Harkortstraße war über 130 Jahre stark vom angrenzenden Güterzugbetrieb des Bahnhofs Altona geprägt, zugleich aber auch als Wohnstraße und Industrieviertel genutzt worden. Seit 2014 wird auf ihrer Westseite die Brachfläche des 1996 stillgelegten Güterbahnhofs durch ein neues Wohnviertel, die Mitte Altona, genutzt. Auf ihrer Ostseite entsteht auf der Fläche einer ehemaligen Brauerei ebenfalls ein neues Wohnviertel, das Holsten-Areal.
Geschichte Die spätere Harkortstraße begann als einer von mehreren unbenannten Feldwegen zwischen den selbstständigen dänischen Ortschaften Altona und Ottensen, die nur am Elbufer durch eine schmale Bebauung verbunden waren. Zwischen ihnen lag eine breite Grünfläche, die für Wiesen und Äcker genutzt wurde. Auf Karten ab 1789 ist die spätere Straße bereits erkennbar,; Verkoppelungskarte von 1789 doch erst mit dem Bau der Bahnstrecke Altona–Kiel (damals König-Christian-VIII.-Ostseebahn) festigte sich ihr Verlauf. Sie wird spätestens ab 1860 mit dem Namen „Rainweg“ – gelegentlich auch in der Schreibweise „Reinweg“ – als Verlängerung des westlich der Bahnunterführung (heutiger Lessingtunnel) liegenden Straßenzuges „Große Rainstraße“ in den Karten geführt. Der Weg führte von Ottensen zwischen den Hügeln Eschberg und Steinberg hindurch bis zur heutigen Kreuzung mit der Stresemannstraße und damit in die Richtung des Diebsteiches mit seiner Wassermühle. Der Rainweg lief parallel zur Zollgrenze zwischen Ottensen im Westen und Altona im Osten zwischen den Strecken nach Kiel und der 1866 fertiggestellten Verbindungsbahn zu den anderen Hamburger Bahnhöfen. Seine östliche Straßenseite gehörte bereits zur Stadt Altona, die westliche Seite mit der Fahrbahn gehörte zu Ottensen. Er diente im südlichen Bereich als Zufahrt zur Güterverladung des Bahnhofs; die nördlichen Bereiche waren zunächst mit einigen Katen, später mit Weichensteller-Wohnungen und Betriebsgebäuden bebaut. Die Altonaer Straßenseite wurde im nördlichen Teil für Wohnhäuser genutzt, während gegenüber der Güterverladung am Südende der Straße die „Holzbearbeitungs-Fabrik und Eisenbau-Anstalt“ entstand. Bis 1888 bestand am Südende des Rainwegs in Höhe des heutigen Lessingtunnels auf der Altonaer Seite auch eine Zollstation zwischen den Orten, die durch die Aufhebung der Zollgrenze 1888 und die Eingemeindung Ottensens nach Altona im Jahr darauf obsolet wurde.
mini|alt=Eine schmale Grünfläche mit wenigen Bäumen und Büschen und Wildblumen wird von Bürgersteigen umfasst. Parallel zum linken Bürgersteig zieht eine Mauer mit eingefügten, stabilen Gittern und kleinen Graffitis. Sie schneidet den Bürgersteig auf dem rechten Bildrand ab, der den Verlauf der aufgelösten Marggrafstaße markiert. Hinter der Mauer erheben sich Schuttflächen und hohe Halden von Abrisstrümmern. Zwei höhere Gebäude ragen aus ihnen hervor. Ein helles, mehrstöckiges Gebäude am linken Bildrand in erheblicher Entfernung weist auf das gegenüberliegende Ende der Trümmerfläche hin.|Abrissfläche der ehemaligen Holstenbrauerei. Die Wohnhäuser im Hintergrund markieren die Einmündung der ehemaligen Viehhofstraße, der Bürgersteig im Vordergrund zeigt die Lage der aufgelösten Marggrafstraße an. Sommer 2025 Auf der Altonaer Seite zweigten auf Höhe der Kleiderkasse die Hauff-Straße (später in Marggrafstraße umbenannt) zur Herder-Straße (seit 1947: Haubachstraße) und weiter nördlich die Viehhofstraße Richtung Osten zum dortigen Schlachthof ab. Beide Straßen wurden 1983 bei der Erweiterung des Geländes der Holstenbrauerei überbaut. Entlang des Bahndamms der Verbindungsbahn am nördlichen Ende führte eine Wohnstraße, der Alte Kreuzweg (seit 1950: Holtenaustraße), zur Holstenstraße. Sie ist heute eine Sackgasse. Noch heute existieren die Gerichtstraße, die 1872 als Verbindung zwischen Rainweg und Herder-Straße angelegt worden war, sowie der Harkortstieg, eine kurze Stichstraße zwischen Harkortstraße und Gerichtstraße, durch die Fahrzeuge die spitzwinklige Einmündung der Gerichtstraße vermeiden können. Auf der westlichen Seite wurden keine Straßen angelegt, hier war die Harkortstraße auf ganzer Länge mit Bahnanlagen, Fabriken und Lagerhäusern bebaut. Nahe des Lessingtunnels ist eine große Ladefläche zwischen den beiden Güterschuppen an die Harkortstraße angebunden. Alle Straßen, die seit der Stilllegung des Güterbahnhofs in Richtung Westen abzweigen, wurden im Rahmen des Projektes „Neue Mitte Altona“ ab 2014 angelegt. Damit war die Harkortstraße die einzige Straßenverbindung zu den Betriebsanlagen des Bahnhofs, denn auf der Westseite der Bahnanlagen wurden keine Zufahrten angelegt.
Bis 1891 war der Rainweg ein unbefestigter Sandweg. Aufgrund des zusätzlichen Verkehrsaufkommens, das in Folge der Verlegung und Erweiterung des Bahnhofs Altona nach Norden entstanden war, wurde zunächst die nördliche Hälfte der Straße bis zur Hauffstraße auf 20 Metern Breite mit Pflastersteinen befestigt. Nach der Eröffnung des erweiterten Lessingtunnels im Jahr 1893 wurde ab 1894 auch die südliche Hälfte der Straße mit der Zufahrt zur Güterverladung, dem Ottensener Güterbahnhof, gepflastert. Das Steinpflaster wurde 1958 durch Asphalt ersetzt und der südliche Abschnitt ab der Marggrafstraße zur Einbahnstraße erklärt; diese Regelung wurde Ende der 1980er Jahre mit dem Rückgang des Güterverkehrs wieder aufgehoben.
Die Brücke der Verbindungsbahn Mit der Verlegung und Höherlegung der Verbindungsbahn zwischen Altona und den damaligen Hamburger Bahnhöfen wurde 1891/1892 das nördliche Ende des Rainwegs durch eine gemauerte Bogenbrücke überspannt, auf der auch die Strecken nach Altona und nach Eidelstedt getrennt wurden. Hier entstand das Abzweigwerk Rainweg, das bis heute seinen Namen beibehalten hat. Auf dieser Brücke ereigneten sich in den Jahren 1923, 1954 und 1956 drei schwere Unfälle, alles Flankenfahrten. Bei dem Unfall am 4. November 1954 wurde die Dampflok 01 108 vom Gleis gestoßen und stürzte den Bahndamm hinab in die Holtenaustraße; Lokführer und Heizer wurden schwer verletzt, aber überlebten den Unfall. Die Lok wurde geborgen, indem ein provisorisches Gleis vom Güterbahnhof über die Harkortstraße in die Holtenaustraße gelegt wurde. Die Brücke, die auf der Nordseite 1963 durch Brücken für die S-Bahn Richtung Pinneberg ergänzt wurde, steht als einzig verbliebene ursprüngliche Brücke der Verbindungsbahn unter Denkmalschutz.
Der AKN-Bahnhof Ab 1912 lag am Nordende der Harkortstraße am Kaltenkirchener Platz, Ecke Stresemannstraße / Kaltenkirchener Straße, die Station Altona AKN der Altona-Kaltenkirchen-Neumünster Eisenbahn (kurz: AKN). Der Verkehr zwischen dem Bahnhof Altona und der AKN-Station führte vorrangig durch die Harkortstraße. Die Station wurde 1962 aufgegeben und nach Eidelstedt verlegt, wo die Verlängerung der S-Bahn in Richtung Pinneberg eine direkte Anbindung an den Hamburger Nahverkehr ermöglichte. Das Gelände wurde danach mit einem Verteil- und Verwaltungszentrum der Post und einem Großmarkt überbaut.
Güterbahnhof Altona, 1868 bis 1997
mini|alt=Blick in den Bereich der Stückgutverladung von der Straßenseite der Güterschuppen, Zustand im Jahr 2012. In der Bildmitte führt eine gepflasterte, stark unebene Freifläche in die Tiefe des Bildes und wird durch einen quer stehenden, zweistöckigen Zweckbau mit Ladetoren begrenzt, der die beiden links und rechts stehenden, einstöckigen Güterhallen aus dunkelroten Ziegeln und breiten Satteldächern mit davor liegenden, überdachten Rampen verbindet. Auf der Freifläche parken mehrere Autos. Ein Schuttcontainer und mehrere Mülltonnen sind ebenfalls zu erkennen.|Blick auf die Straßenseite der Stückgutschuppen: links der Versandschuppen, rechts der Schuppen für ankommendes Stückgut. Zwischen den Schuppen steht der 1959 errichtete, inzwischen abgerissene Flügelbau mit Ladeluken im Erdgeschoss und Büros, Sozialräumen und Duschen im ersten Stockwerk. Stand 2012 mini|alt=Ein großes, zweistöckiges, weiß gestrichenes Gebäude mit ausgebautem Walmdach dominiert die rechte Bildhälfte. Sonnenschirme, Tische und Stühle weisen auf eine Restauration im Erdgeschoss hin. Der gepflasterte Vorhof führt in eine große, ebenfalls gepflasterte Freifläche, die sich auf der linken Bildhälfte in die Tiefe erstreckt. Auf dieser Freifläche parken Autos entlang einem langgestreckten, einstöckigen Gebäude, das durch eine Rampe als ehemalige Güterhalle erkennbar ist. Parallel zur Rückwand erheben sich gelb geklinkerte, mehrstöckige Wohnhäuser.|Die Zufahrt zur ehemaligen Stückguthalle und Büro der Güterabfertigung, Sommer 2025
Schon vor der Verlegung des Altonaer Bahnhofs nach Norden im Jahr 1898, die den Startpunkt der Entwicklungen an der Harkortstraße markiert, entstand 1868 ein erster Güterschuppen als „Güterbahnhof Ottensen“ auf Höhe des heutigen Stellwerks und der westlichen Lagergebäude nördlich der damaligen Bahnunterführung, des späteren Lessingtunnels. Altona war 1864 aus dem dänischen, 1866 aus dem österreichischen Besitz an Preußen gegangen, was die wirtschaftliche Entwicklung Altonas deutlich steigerte. Zusammen mit der Stadtentwicklung Altonas und Ottensens war die Verlegung und Vergrößerung des Bahnhofs notwendig geworden, die ab 1890 zu einer Neuerrichtung der Ortsgüteranlage entlang der heutigen Harkortstraße führte. Die Verlegung war 1898 abgeschlossen und machte den damaligen Rainweg zum einzigen Straßenzugang zu den Güteranlagen und den Bahnbetriebswerken der Anlage.
Zwischen den Bahnanlagen Altonas, dem Schlachthof an der Hauff-Straße und der Holstenbrauerei an der Holstenstraße siedelten sich mehrere große Firmen an, die eigene Gleisanschlüsse bekamen, sowie die Viktoria-Kaserne. Für 1910 sind Anschlüsse auf Höhe der Straßenecke Gericht-Straße/Hauff-Straße bekannt, die die Holstenbrauerei, die Appel Fischkonservenfabrik in der Viehhofstraße, den Stadtbauhof und den Viehhof (=Schlachthof) anschlossen. Das Anschlussgleis zur Brauerei wurde bis 1983 bedient, als das Gelände der Holstenbrauerei erweitert wurde. Alle anderen Gleisanschlüsse waren bereits spätestens 1958 stillgelegt worden. 1911 wurde zudem der Güterschuppen am Lessingtunnel erweitert.
Bei den Bombenangriffen von 1943 wurden auch die Bauten am Rainweg beschädigt und nur zum Teil wieder in Betrieb gesetzt. Die Erweiterung und Modernisierung der Güterschuppen am Lessingtunnel fanden zwischen 1959 und 1961 statt; zuvor war bereits die Technische Dienststelle am Stellwerk zwischen 1955 und 1957 neu errichtet worden. Zuletzt entstand 1960 etwas südlich der Kleiderkammer direkt an der Straße das Zollamtsgebäude an Stelle der alten Eilgutabfertigung, die durch die erneuerten Güterschuppen überflüssig geworden war. Auch dieses Gebäude wurde im Rahmen der Stilllegung der Güterabfertigung abgerissen.