mini|Reiterstandbild Ludwigs I. Regensburg
Das Reiterstandbild Ludwigs I. auf dem Domplatz in Regensburg erinnert an den König Ludwig I. von Bayern (1786–1868). Es wurde im Jahr 1902 im Auftrag der Stadt Regensburg nach Entwurf des Bildhauers Ferdinand von Miller d. J. im Stil des Klassizismus errichtet.Eintrag in der Kulturdatenbank der Stadt Regensburg – www.regensburg.de
Geschichte Das Reiterstandbild wurde nach einem Entwurf von Ferdinand von Miller jun. von der Münchener Firma Ludwig von Miller aus Bronze gegossen. Architekt des Sockels ist Gottfried Hirschmann. Das Reiterstandbild wurde 1902 am Dom aufgestellt, 1936 auf den Bahnhofsvorplatz versetzt und 2014 auf dem Domplatz wiedererrichtet.
Die Aufstellung des Reiterstandbildes 1902 war der logische Abschluss der Umgestaltung des Domplatzes, die 10 Jahre zuvor begonnen hatte. Ein von Domvikar Georg Dengler, Bürgermeister Oscar von Stobäus, dem fürstlichen Baurat Max Schultze und der Verlegerfamilie Pustet gegründetes Comité für die Freiheit des Regensburger Domes hatte eine systematische Lobbyarbeit betrieben, um die Freilegung des Domes als nationale Angelegenheit zu propagieren. Durch die erfolgten Abbruchmaßnahmen südlich des Doms war der Dom befreit worden von den vorher dicht an ihn herangebauten Gebäuden. Damit war es endlich möglich, die 1872 vollständig fertiggestellte gotische Kathedrale mit beiden hohen Türmen in freier Sicht zu betrachten und ihr damit einen repräsentativen Auftritt als Denkmal nationaler Größe zu ermöglichen. Weil König Ludwig I. alle Dombaumaßnahmen unterstützt hatte, obwohl er bereits 1848 abgedankt hatte, fasste das Comité den Entschluss: „Fortan gehöre der Domplatz der Schönheit des Doms und den Manen des Königs Ludwig“.
Den Auftrag zur Schaffung eines Reiterstandbildes als Denkmal für den bereits 1868 verstorbenen Initiator der Vollendung des Doms erhielt der Bildhauer Ferdinand von Miller der Jüngere, der auch schon die Marmor-Sitzstatue des Königs in der Walhalla geschaffen hatte. Miller schuf ein Denkmal, das König Ludwig mit erhobenem Zepter als aktiven Regenten zu Pferde zeigte, der am Mittelpunkt des öffentlichen, städtischen Lebens auftritt, um repräsentativ wahrgenommen zu werden. Das Standbild mitten auf dem Domplatz in ungewöhnlicher Querrichtung zur Achse des Platzes, mit der Blickrichtung des Königs zum Dom weist die Besucher auf das maßgebliche Bauwerk hin. Mit seiner geographischen Position zwischen Walhalla und Befreiungshalle kann das Standbild als Rückblick auf das Lebenswerk des Königs als Bauherr angesehen werden. Es steht auf einem Marmorsockel, der auf Vor- und Rückseite die Inschriften LVDWIG I. / KÖNIG / VON BAYERN. und ERRICHTET / VON DER / DANKBAREN / STADT / REGENSBVRG / IM JAHRE / MCMII. trägt.Hans Christoph Dittscheid: Fortan gehöre dieser Platz der Schönheit des Doms und den Mannen des Königs Ludwig. In: Hans Christoph Dittscheid, Peter Styra, Bernhard Lübbers (Hrsg.): Kataloge und Schriften der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Ludwig I. und Regensburg. Band 2. Universitätsverlag Regensburg, Regensburg 2010, ISBN 978-3-86845-050-7, S. 45–106.
mini|Rückansicht mit Dom mini|Seitenansicht
Die Enthüllungsfeier des Reiterstandbildes am 8. Mai 1902 erfolgte in Anwesenheit von Prinzregent Luitpold von Bayern, einem Sohn des dargestellten Königs, der im Sonderzug mit der ganzen Familie und mit seinem Hofstaat angereist war. Die Feier entwickelte sich zu größten öffentlichen Festveranstaltungen der damaligen Zeit in Regensburg. Es gab Salutböllerschüsse und das Infanterieregiment Von der Tann säumte den Domplatz in Paradeaufstellung. Alle Kirchenglocken läuteten zum Beginn des Pontifikalamts im Dom. In einem prunkvollen Festumzug wurden Modelle der Bauwerke des Königs, Dom, Walhalla und Befreiungshalle durch die Stadt getragen.
Nach der Entfernung des Fassadenschmucks der Postgebäude im Jahr 1936 galt das nun vor der purifizierten Hauptfassade der Erweiterten Dompost stehende Reiterdenkmal von König Ludwig I. als ein stilistischer Fremdkörper, der auch nicht mehr zur damals herrschenden NS-Ideologie passte. Der Abbau des Denkmals wurde im Geheimen vom Oberbürgermeister Schottenheim vorbereitet, am 20. August 1936 ohne große Berichterstattung in der Presse durchgeführt und mit Verkehrsbehinderungen begründet. Das Denkmal wurde noch im Oktober 1936 in den Grünanlagen beim Bahnhof wieder aufgestellt, um monarchistischen Kreisen keinen Vorwand für Beschwerden zu liefern. Als Ersatz sollte Arno Breker auf dem durch die Erweiterung gewonnenen Platz einen Brunnen schaffen, ein Vorhaben, das aber 1942 aus kriegswirtschaftlichen Gründen scheiterte.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nur vereinzelt Forderungen erhoben, das Reiterstandbild von König Ludwig I. wieder am ursprünglichen Standort auf dem Domplatz zu platzieren, zumal ab 1951 der neue Standort des Denkmals in der Fürst-Anselm-Allee am Bahnhof durch das Image der Fürstenallee als einer Promenade mit Denkmälern und auch durch das 1951 neu hinzugekommene Denkmal des von Ludwig I. verehrten Bischofs Sailer aufgewertet worden war. Selbst als im Jahr 1952 – 50 Jahre nach der Aufstellung des Denkmals – wurde das Denkmal in allenfalls als potentielles Verkehrshindernis auf dem Domplatz gesehen, das die damals geplante autogerechte Entwicklung der Altstadt behindern würde. Als 1978 diese Entwicklung gebremst worden war, wies ein Kunsthistoriker darauf hin, dass die Standorte der beiden Denkmäler von Sailer und Ludwig I. unpassend seien und dass es auch in Hinblick auf Verkehrsberuhigung besser geeignete Standorte gäbe. 1986 sprach sich der Kulturdezernent der Stadt für die Aufstellung des Königsdenkmals am ursprünglichen Standort Domplatz aus, jedoch drang er nicht durch. In dieser Zeit begannen Überlegungen, die Verbindung von Altstadt und Bahnhof zu verbessern, was eine Versetzung beider Denkmäler erforderlich machte. Damit war klar, dass die Standorte beider Denkmäler am Bahnhof disponibel sein mussten und 1993 zeigte ein Beschluss des Kulturausschusses auch den Willen, beide Denkmäler wieder an ihre ehemaligen Standorte mit den ursprünglichen architektonischen Zusammenhängen zu bringen.
2002 wurden erneut Forderungen erhoben, auch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung zu ergreifen und den Domplatz verkehrsfrei zu machen. Es kam zu Kontroversen mit wirtschafts- und umweltpolitischen Argumenten, die so heftig waren, dass denkmalfachliche Erwägungen keine Rolle spielten. 2003 scheiterte ein Bürgerentscheid „verkehrsberuhigter Domplatz“. Es vergingen einige Jahre, in denen sich die Gemüter beruhigten und in denen sich nach Initiativen der Altstadtfreunde, gestützt durch Gutachten von Kunsthistorikern viele Auffassungen änderten. Der Kulturausschuss des Stadtrats sprach sich für die Restaurierung und für die Aufstellung des Reiterdenkmals von Ludwig I. auf dem Domplatz aus. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stimmte der Rückholung des Denkmals nicht zu, weil sich der architektonische Rahmen seit der erstmaligen Aufstellung des Denkmals durch den Verlust der Renaissancefassaden der Nachbargebäude zu stark verändert hatte und weil auch ein Konzept für die zukünftige Gestaltung des Domplatzes fehlte. Am Ende setzte sich aber folgende denkmalfachliche Vorstellung durch: „Der Standort des Reiterdenkmals mit seiner Ausrichtung auf den Dom ist wesentlicher Teil der Idee für das Denkmal. Deshalb muss der 1936 herbeigeführte, denkmalwidrige Zustand durch die Wiederaufstellung des Denkmals auf dem Domplatz aufgehoben werden, auch wenn die stilistische Umgebung wegen der abgeschlagenen Renaissancefassaden der Dompostgebäude nicht mehr vorhanden ist.“
Der Stadtrat folgte der denkmalfachlichen Vorstellung und im Juni 2008 wurde das 4 m hohe und 1,8 Tonnen schwere Reiterstandbild zur Untersuchung, Reinigung, Restaurierung und Konservierung in die Metallrestaurierungswerkstatt Haber und Brandner transportiert. Das aus 18 mit Bronzeschrauben verbundenen Bronzegussteilen bestehende Standbild und die aus einem Gussteil bestehende Plinthe wurden endoskopisch untersucht und erwiesen sich auch nach 100-jähriger Standzeit als stabil und in einem guten Zustand befindlich. Am aufwändigsten war die Reinigung der Oberflächen, dort wo sie von den Absonderungen der Alleebäume verschmutzt waren. Die gereinigten Oberflächen wurden mit Wachs konserviert.
Anlässlich der Fundamentierung für das Reiterdenkmal von König Ludwig I. wurden 2010 am vorgesehenen alten und neuen Standort archäologische Grabungen durchgeführt. In nur 1 m Tiefe stieß man auf gut erhaltene Reste der Vorgängerbebauung. Erfasst wurden Mauerteile des ehemaligen Dompfarrhofes die zur Südflanke der ehemaligen Hauskapelle gehören. Dieser Befund führt zur Erkenntnis, dass das Reiterdenkmal von König Ludwig I. genau am Ort der mittelalterlichen Hauskapelle des ehemaligen Dompfarrhofes steht. Die Fortsetzung der Grabungen in östliche Richtung zum Alten Kornmarkt durchschnitten den gesamten Nordflügel des ehemaligen Salzburger Hofes und ergaben auch Beweise für einen ehemaligen romanischen Hausturm an der Nordostecke des Salzburger Hofes.
Beschreibung Zaumzeug und Sattel des Pferdes, das auf Kandare gezäumt ist, sind mit Ornamenten dekoriert. Der Reiter trägt einen weiten Reitermantel mit Schultercape, der über beide Schultern zurückgeschlagen ist und sich auf der Kruppe des Pferdes in reiche Falten legt. Er ist bekleidet mit einem geschlitzten Obergewand, einer Ordensschärpe, Kniebundhosen und kurzen leichten Stiefeln. Um den Hals trägt er eine Ordenskette. Die Zügel in der linken Hand, streckt er die Rechte nach oben und hält in der Hand den Marschallsstab.
Die Bronzeplastik steht auf einem mehrstufigen Steinsockel, der die Inschriften „LVDWIG I. / KÖNIG / VON BAYERN.“ auf der Vorderseite und „ERRICHTET / VON DER / DANKBAREN / STADT / REGENSBVRG / IM JAHRE / MCMII.“ auf der Rückseite trägt.
Literatur Angelika Mundorff und Eva von Seckendorff (Hrsg.): Die Millers. Aufbruch einer Familie. Allitera, München 2006, ISBN 978-3-86520-187-4.
Weblinks
Eintrag in der Kulturdatenbank der Stadt Regensburg – www.regensburg.de
Einzelnachweise
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