Der Djinn von Imzuwurt ist ein Zaubermärchen der Berber (AaTh 432: Prinz als Vogel).Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 79–81, 239.

Handlung Ein Vorfahr von Hadj Hassan Achanschi von Ait Tamläl bringt einen schwarzen Hund vom Markt in Tamanar mit heim und versorgt ihn gut. Von da an stellt er jedoch fest, dass sein Pferd morgens immer wieder weiß am Bauch ist, so als ob es von schwerer Arbeit geschwitzt hätte, also legt er sich auf die Lauer, um dieser seltsamen Begebenheit auf den Grund zu gehen. Des Nachts sieht er dann, wie der schwarze Hund das Pferd besteigt und in die Richtung des Kap Amikäjd reitet, wobei er im Morgengrauen stets wieder zurückkehrt.

Der Mann bedenkt daraufhin, dass das Kap Amikäjd ein großer Felsen ist, der an der Küste senkrecht ins Meer hinabstürzt und von Land aus für Kletterer nur schwer zugänglich ist. Einzig eingeweihte Leute können dort einen Eingang zu einer Höhle finden, durch den, hindurchkriechend, man in große Säle gelangt, an die sich wiederum ein Gewirr von Gängen anschließt. Einer dieser Gänge reicht weit in das Land hinein, bis zu dem Dorf Ait Tamläl, sodass bei hoher Flut das Brausen des Meeres gehört werden kann. Manchmal sei so auch Musik in Form von Flötenspiel und metallenen Trommelklängen zu hören, wobei man sich sagt, dass sie von Djinns gemacht werde.

Aischa, die Tochter des Mannes, freundet sich mit der Zeit mit dem schwarzen Hund an und es steigt in ihr das Verlangen, ihn heiraten zu dürfen. Ihr Vater belauscht sie in der Folge, wie sie sich mit dem Hund unterhält, hat aber Angst davor etwas zu sagen, da er sich sicher ist, es mit einem Djinn zu tun zu haben. Kurz darauf verschwinden Aischa und der schwarze Hund und erst nach vielen Jahren kehren sie mit zwei Söhnen zurück. In der Nacht schleicht sich der Vater dann in das Zimmer der beiden und findet einen schönen Jüngling neben seiner Tochter vor, der der schwarzen Hundehaut entschlüpft ist. Er nimmt die Haut an sich, woraufhin der Jüngling erwacht und in Richtung der Höhle von Imzuwurt am Kap Amikäjd verschwindet. Ihre Söhne an sich nehmend, folgt Aischa ihm nach und wird nie mehr gesehen.

Die Schwester von Hadj Hassan Achanschi erzählte einst, als sie gerufen wurde, dass jemand ihr am Ohr zerrte und ein kleines Stück Fleisch herausriss, woraufhin ein feiner Nebel zum Kap Amikäjd hin zog und verschwand. Seitdem wird einmal im Jahr in den verlassenen Hütten auf dem Felsen ein Fest veranstaltet, bei dem Speisen geopfert werden, um den Djinn von Imzuwurt versöhnlich zu stimmen.

Hintergrund Das Märchen hat Uwe Topper von verschiedenen Einwohnern von Ait Tamläl erzählt bekommen. In seinem Werk Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber (Köln 1986) erhielt es den Titel Der Djinn von Imzuwurt. Die Hütten auf dem Kap werden für Fruchtbarkeits-Bitten auch zu anderen Zeiten aufgesucht. Topper merkt an, dass sich nur wenige getrauen, die gesamte Geschichte zu erzählen.

Literatur Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 79–81, 239.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Märchen Kategorie:Dschinn