Das Konzept der Klimasensiblen Gesundheitsberatung (engl.: climate-sensitive health counselling) bezeichnet die Integration von Themen rund um Klimawandel und menschliche Gesundheit in die Kommunikation mit Patienten. Beispiele sind die Kommunikation zum Einfluss von Folgen der globalen Erwärmung für die Gesundheit wie vermehrter und stärkerer Hitzewellen oder auch einer verlängerten Pollensaison und der folgenden gesundheitlichen Belastung durch Allergien. Ziel des Konzepts ist es, die individuelle und öffentliche Gesundheit zu schützen und zu fördern. Das Konzept ist Teil des Ansatzes der planetaren Gesundheit und richtet sich vor allem an Personen, die in der medizinischen Primärversorgung tätig sind, etwa in hausärztlichen Praxen. In Deutschland wird ein ähnliches Konzept teilweise auch als Klimasprechstunde bezeichnet.

Begriff und Abgrenzung Der Begriff bezeichnet die Einbindung von Wissen über die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Klimawandel in die Beratung von Patientinnen und Patienten. Abzugrenzen ist die klimasensible Gesundheitsberatung von Maßnahmen, die auf die klimafreundliche Gestaltung von Praxisabläufen oder das Verschreibungsverhalten (etwa die Reduktion von Überversorgung oder die Umstellung auf weniger klimaschädliche inhalative Arzneimittel bei chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale) abzielen. Diese Bereiche stehen jedoch in engem Zusammenhang mit dem Konzept der klimasensiblen Gesundheitsberatung.

Die Forschung unterscheidet konzeptionell zwischen den Handlungsfeldern der Anpassung an die globale Erwärmung (Adaptation) und an die Klimawandelfolgen sowie der Minderung (Mitigation) derselben. Dabei wird Klimaschutz im Sinne des Konzepts als Gesundheitsschutz verstanden.

Hintergrund Der Klimawandel und die menschliche Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Zunehmende Hitzewellen belasten insbesondere ältere und vorerkrankte Menschen. Eine verlängerte Pollensaison wirkt sich auf Menschen mit Allergien aus und kann neue Allergien auslösen. Luft- und Umweltverschmutzung, wie sie mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen, beeinträchtigen auf vielfältige Weise die menschliche Gesundheit. Gleichzeitig wird im Klimaschutz ein Potenzial zur Gesundheitsförderung gesehen, etwa durch die Verringerung von Luftschadstoffen. Dies betrifft nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gesundheit, die von Luftverschmutzung und Hitze stark betroffen sein kann.

Die Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit ist unter Berufsgruppen des Gesundheitswesens deswegen stark gestiegen. Medizinische Fachgesellschaften sehen Gesundheitsfachkräfte zunehmend in der Verantwortung, über diese Zusammenhänge aufzuklären und die medizinische Versorgung darauf auszurichten. Begründet wird dies unter anderem damit, dass Ärztinnen und Ärzte mit vielen Menschen in Kontakt stehen, ein hohes Vertrauen genießen und daher als Multiplikatoren wirken können. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) regt ihre Mitglieder dazu an, den Klimawandel in die Kommunikation mit Patienten einzubeziehen. Die Bundesärztekammer benennt in ihrer Berufsordnung die Mitwirkung „an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen“ als ärztliche Aufgabe.

Ziele und Themen der Klimasensiblen Gesundheitsberatung Drei Ziele stehen konzeptuell im Vordergrund:

Schutz und Förderung der individuellen und öffentlichen Gesundheit, zum Beispiel, indem Patienten über Risiken durch Hitze und Schutzmaßnahmen aufgeklärt werden Stärkung von Wissen und Bewusstsein über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit Förderung gesundheitsförderlicher und zugleich klimafreundlicher Lebensstile sowie das Aufzeigen von Möglichkeiten, sich gesellschaftlich für den Schutz von Klima und Gesundheit zu engagieren

Die Inhalte der Beratung können sich unter anderem um die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels, etwa auf das Herz-Kreislauf-System oder Atemwegserkrankungen oder infolge verstärkter UV-Strahlung auftretende Erkrankungen, drehen. Auch damit verbundene Anpassungs- und Schutzmaßnahmen stehen im Vordergrund. Beratung zu gesunden Lebensstilen, beispielsweise zu aktiver Mobilität oder pflanzenbasierter Ernährung, spielt ebenfalls eine Rolle. Inwiefern diese gesundheitsrelevanten Aspekte in der Kommunikation mit Informationen zu Klimawandel verknüpft werden sollten, um gesundheitsförderliches Verhalten bei Patienten zu motivieren, wird in der Fachwelt weiter diskutiert und empirisch untersucht.

Kommunikationsstrategien Die klimasensible Gesundheitsberatung greift auf etablierte Strategien der Gesundheitskommunikation zurück. Dazu gehören beispielsweise die patientenzentrierte Kommunikation, die motivierende Gesprächsführung und die Partizipative Entscheidungsfindung (shared decision-making). Ergänzend werden Empfehlungen aus der Klimakommunikation herangezogen, etwa die Betonung gesundheitlicher Zusatznutzen (sog. Co-Benefits) von Klimaschutzmaßnahmen sowie ein differenzierter Umgang mit klimabezogenen Gefühlen, ohne diese zu instrumentalisieren. Es wird weiterhin zwischen einer expliziten Form (d. h. Klimawandel oder Klimaschutz werden ausdrücklich angesprochen) und einer impliziten Form (etwa Beratung zu pflanzenbasierter Ernährung ohne Nennung des Klimaaspekts) unterschieden.

Einzelnachweise

Kategorie:Gesundheit Kategorie:Klimawandel (globale Erwärmung)