mini|Clemens August Kardinal Graf von Galen Clemens Augustinus Joseph Emmanuel Pius Antonius Hubertus Marie Kardinal Graf von Galen (* 16. März 1878 in Dinklage,Kirchenbucheintrag Nr. 19/1878 der Pfarrgemeinde St. Catharina Dinklage, Faksimile bei Maria Anna Zumholz: Die Tradition meines Hauses. Zur Prägung Clemens August Graf von Galens in Elternhaus, Schule und Universität. In: Joachim Kuropka (Hrsg.): Neue Forschungen zum Leben und Wirken des Bischofs von Münster. Regensberg, Münster 1992, ISBN 3-7923-0636-0, S. 13. Digitalisat online Oldenburger Münsterland; † 22. März 1946 in Münster, Westfalen) war ein deutscher Bischof und Kardinal. Er war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. Bekannt wurde er vor allem durch sein öffentliches Auftreten gegen die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in der Zeit des Nationalsozialismus. 1946 wurde er zum Kardinal erhoben und 2005 seliggesprochen.
Leben Familie mini|Burg Dinklage mini|Gedenkwand bei der Burg Dinklage Clemens August wurde als elftes von 13 KindernClemens Heitmann: Clemens August Kardinal von Galen und seine geistlichen Verwandten. Dinklage 1983. des Reichstagsabgeordneten (Zentrum) Ferdinand Heribert Graf von Galen und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Gräfin von Spee in Dinklage geboren. Er entstammte dem alten westfälischen Adelsgeschlecht von Galen. Christoph Bernhard von Galen (* 1606, † 1678), Fürstbischof von Münster, war sein Ur-Ur-Ur-Ur-Großonkel, der Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (* 1811, † 1877) sein Großonkel. Die Erziehung im Elternhaus wird allgemein als streng, auf Glauben, Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß ausgerichtet, beschrieben.Günter Beaugrand: Kardinal von Galen – Weder Lob noch Tadel. Ardey, Münster 2005, ISBN 3-87023-312-5.Irmgard Klocke: Kardinal von Galen. Der Löwe von Münster. Zum 100. Geburtstag. Pattloch, Aschaffenburg 1978, ISBN 3-557-91154-3. Dabei wird insbesondere die asketische Grundhaltung der Mutter betont, die ihrem Sohn 1891 zum Namenstag schrieb:Maria Anna Zumholz: Die Tradition meines Hauses. Zur Prägung Clemens August Graf von Galens in Elternhaus, Schule und Universität. In Joachim Kuropka (Hrsg.): Neue Forschungen zum Leben und Wirken des Bischofs von Münster. Regensberg, Münster 1992, ISBN 3-7923-0636-0. „Das Leben ist so kurz, und eine so herrliche Ewigkeit sollen wir uns damit erkaufen; da darf kein Tag verloren werden, um uns dieses Zieles zu versichern und für Gott etwas zu leisten, sei es in welcher Stellung es sei.“
Schule Die schulische Ausbildung erhielt er zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Franz durch einen Hauslehrer auf dem elterlichen Stammsitz Burg Dinklage und seit 1890 auf dem von Jesuiten geführten Internat Stella Matutina in Feldkirch (Österreich), wohin ihm Franz und sein Cousin Emanuel von Galen folgten. Über seine Eingewöhnungsschwierigkeiten berichtet ein Brief des Generalpräfekten an die Mutter: „Die Hauptschwierigkeit … liegt in der vollständigen Unfehlbarkeit von Clemens. Um keinen Preis ist er dazu zu bringen zuzugestehen, daß er im Unrecht ist, es sind immer seine Professoren und Präfekten …“ Da in Preußen die Abschlussprüfung am Kolleg aufgrund des Jesuitengesetzes nicht anerkannt wurde, besuchte von Galen ab 1894 das Gymnasium Antonianum in Vechta, wo er 1896 mit dem Abitur abschloss.Peter Löffler: Clemens August Kardinal von Galen – Ausstellung in der Bürgerhalle des Rathauses zu Münster 21.3.76 – 19.4.76. Ausstellungskatalog, Münster 1976. Die Abiturzeitung seines Jahrgangs vermerkt über ihn: .Markus Trautmann: Clemens August von Galen. Ich erhebe meine Stimme. Topos, Kevelaer 2005, ISBN 3-7867-8566-X, S. 17.
Studium Von Galen begann im Mai 1897 mit dem Studium der Fächer Philosophie, Geschichte und Literatur an der Universität Freiburg in der Schweiz. 1898 reifte während einer dreimonatigen Italien- und Romreise, bei der er eine Privataudienz bei Papst Leo XIII. erhielt, sein Entschluss, Priester zu werden, und er trat 1899 in das Jesuiten-Konvikt Canisianum in Innsbruck ein. An der dortigen Universität setzte er sein Studium der Philosophie fort und begann mit dem Studium der Theologie. Ostern 1903 wechselte er in das Priesterseminar Münster und an die Universität Münster. Dort empfing er am 28. Mai 1904 durch Bischof Hermann Jakob Dingelstad die Priesterweihe.
Kaplan und Pfarrer mini|Berliner Gedenktafel an der St.-Matthias-Kirche, Winterfeldtplatz, in Berlin-Schöneberg Er war zunächst ab dem 16. Juni 1904 als Domvikar und als Kaplan seines Onkels Maximilian Gereon Graf von Galen, des Weihbischofs von Münster, tätig.Gottfried Hasenkamp: Der Kardinal – Taten und Tage des Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen. Aschendorff, Münster, 2. Aufl. 1985, ISBN 3-402-05126-5.Hans-Günter Hermanski, Bernhard Ossege: Kardinal von Galen Ein mutiger Christ in dunkler Zeit: Ein Vorbild für uns? – Materialien der religionspädagogischen Arbeitshilfe für die Sekundarstufen I und II. Dialogverlag, Münster 2006, ISBN 978-3-937961-35-4 bistummuenster.de Ab dem 23. April 1906 wirkte er als Kaplan in der Kirche St. Matthias am Winterfeldtplatz und Präses des Gesellenvereins in Berlin.Barbara Imbusch: „… nicht parteipolitische, sondern katholische Interessen“ – Clemens August Graf von Galen als Seelsorger in Berlin 1906 bis 1929. In: Joachim Kuropka (Hrsg.): Neue Forschungen zum Leben und Wirken des Bischofs von Münster. Regensberg, Münster 1992, ISBN 3-7923-0636-0. Am 24. März 1911 übernahm er das Amt des Seelsorgers (Kurat) in der neu errichteten Kirche und Gemeinde Sankt Clemens Maria Hofbauer, benannt nach dem Redemptoristen und Großstadtmissionar Klemens Maria Hofbauer, am Anhalter Bahnhof. Aus seinem Erbvermögen unterstützte er den Bau eines Handwerkergesellenhauses in der Nachbarschaft und die Stelle eines zweiten Kaplans. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs warb er dort für den freiwilligen Kriegsdienst. Seinem Antrag auf Verwendung in der Militärseelsorge wurde nicht entsprochen. Die Niederlage Deutschlands begriff er im Sinne der Dolchstoßlegende als revolutionären Verrat am unbesiegten Heer. Die Ablehnung des preußischen Staates bei weiten Teilen der Bevölkerung führte er auf dessen Idee vom Staatsgott zurück, der niemandem verpflichtet ist.Von Galen in dem Aufsatz Wo liegt die Schuld? In: Historische-politische Blätter 1919, zitiert nach Markus Trautmann: Clemens August von Galen. Ich erhebe meine Stimme. Topos, Kevelaer 2005, S. 21. Ab dem 21. Dezember 1919 war er Pfarrer der Pfarrei St. Matthias.
Dort lernte er Nuntius Eugenio Pacelli, den späteren Papst Pius XII., kennen, mit dem er sich oft traf, da sich beide gut verstanden. Pacelli brachte es dabei fertig, sich auf Kosten seines Freundes zu amüsieren: Sr. Pascalina Lehnert: Ich durfte ihm dienen. – Erinnerungen an Papst Pius XII. Wilhelm Naumann, Würzburg, 1990, S. 40–41.
Zeit der Weimarer Republik Er nahm 1923 am Treffen der westfälischen Aristokratie im Verein des katholischen Adels Rheinland und Westfalen teil, welches sein Bruder Franz von Galen leitete. Weitere Teilnehmer waren unter anderem Martin Spahn und Franz von Papen. Das Protokoll fasste die Ansichten der Teilnehmer zur Judenfrage zusammen. Danach wurden die Anschuldigungen der Protokolle der Weisen von Zion aufgrund ihrer „inneren Wahrheit“ als plausibel erachtet, die Assimilation von Judentum und Deutschtum wurde als unmöglich erachtet und der Kampf gegen das Judentum widersprach nicht den katholischen Prinzipien, denn „Seit Christi Tod sind die Juden das verworfene Volk, die Geißel Gottes, die Hauptvertreter des Materialismus, der Zersetzung, des Antichristentums.“Siehe Sachbücher: Larry Eugene Jones (Hrsg.), S. 226.
Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 unterstützte er nicht den Kandidaten der katholischen Zentrumspartei, Wilhelm Marx, sondern den Kandidaten der nationalen Rechten, Paul von Hindenburg. In seiner Schrift Vexilla regis prodeunt!, die er in Absprache mit dem Kölner Domkapitular Friedrich von Speesiehe Liste der Kölner Domherren 1926 für den Verein katholischer Edelleute Deutschlands verfasst hatte, verurteilte er die moderne Mode, welche die „unter heidnischer Leitung stehende öffentliche Meinung vorschreibt“, ebenso wie die „modernen“ Tänze.
Alois Klöcker gegenüber offenbarte Clemens August von Galen im Dezember 1927 in einem im Privatarchiv seines Bruders Franz erhaltenen, nicht zu dessen Lebzeiten veröffentlichten Brief seine generelle politische Haltung als Seelsorger: „Ich bin nicht Politiker, sondern einfacher Zentrumswähler [sic!], aber Pfarrer und als solcher immerhin interessiert an einer Ordnung der politischen Angelegenheiten nach den Grundsätzen der Vernunft, des Naturrechts und dem göttlichen Sittengesetz.“
Mit dieser Haltung und umfangreichen Erfahrungen mit einer säkularisierten Gesellschaft in der Berliner Diaspora kehrte er 1929 nach Münster zurück. Ab dem 24. April war er Pfarrer der Stadtgemeinde St. Lamberti am Prinzipalmarkt in Münster. Zu seinem Amtsnachfolger als Pfarrer von St. Matthias wurde Albert Coppenrath berufen, den er nach dessen Ausweisung aus Berlin im Jahr 1941 in Münster unterstützte.
Ein wichtiger Kontakt in die Politik war sein Bruder Franz von Galen, der am 24. April 1932 für die Zentrumspartei in den Preußischen Landtag gewählt worden war. Anonym veröffentlichte er als Pfarrer am 21. September im „Münsterischen Anzeiger“ einen Kommentar, in dem er die Zentrumsführung angriff, weil sie die Auflösung des Reichstages am 12. September ermöglicht und damit den Sturz Franz von Papens unterstützt hatte.„Der kurze Moment wurde nicht benutzt“. In: Münsterischer Anzeiger; abgedruckt in: Joachim Kuropka (Hrsg.): Streitfall Galen. Münster 2007, S. 461–464.
Bischofswahl 1933 mini|Bischofsweihe von Galens (28. Oktober 1933) mini|hochkant|Bodenplatte vor dem Denkmal von Galens auf dem Domplatz in Münster