Käthe Heinemann (* 8. Mai 1889 in Frankenberg (Eder); † 6. Mai 1972 in Kassel) war eine deutsche Lehrerin, Ärztin, Pathologin und Medizinhistorikerin.

Leben Käthe Heinemann war eine Tochter des Arztes Hermann Theodor Heinemann und seiner Frau Gesine Heinemann, geb. Vehling. Ihr Großvater väterlicherseits war der Arzt Marcus Heinemann, seit 1856 Kreisphysikus in Frankenberg.„Heinemann, Hermann Theodor*“, in: Hessische Biografie. (online)Horst Hecker: Jüdische Ärzte in Frankenberg. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte, Band 113 (2008), S. 245–256, hier S. 248. Wie ihre Schwester Margret Heinemann besuchte sie zunächst eine höhere Privatschule in Frankenberg und danach das humanistische Mädchengymnasium in Karlsruhe. Nach dem Schulabschluss 1908 studierte sie Naturwissenschaften. 1922 wurde sie an der Universität Göttingen mit der Arbeit Zur Kenntnis der Oberhaut am Maisstengel zum Dr. phil. promoviert. Daneben legte sie die Prüfung für das höhere Lehramt ab.Doris Gutsmiedl-Schümann: Margret (Margarethe) Heinemann (1883–1968) – Archäologin, Lehrerin, Ministerialrätin und Politikerin in Kassel, 27. Juni 2024, https://gutsmiedl-schuemann.net/blog/heinemann/.

Ab 1918 unterrichtete Heinemann am städtischen Lyzeum in Kassel. 1927 wurde sie als Oberschulrätin nach Breslau versetzt, 1932 war sie Oberschulrätin in Kassel. Im März 1933 wurde sie nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums beurlaubt und später wegen ihres nach nationalsozialistischer Einordnung jüdischen Großvaters aus dem Schuldienst entlassen. Anschließend studierte sie in Göttingen und Freiburg im Breisgau Medizin. Ihre medizinische Dissertation Zur Frage der allergisch-hyperergischen Appendicitis erschien 1937 in den Beiträgen zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie.

In Freiburg arbeitete Heinemann als Privatassistentin bei Ludwig Aschoff. Unter seiner Leitung entstanden ihre ersten medizinhistorischen Arbeiten.Walter Artelt, Werner Friedrich Kümmel: Vorbemerkungen. In: Käthe Heinemann: Die Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Ihre Wunderheilungen im Lichte alter und neuer Medizin. In: Medizinhistorisches Journal, Band 9, Heft 3/4, 1974, S. 255–257. Reinbolz nennt Veröffentlichungen Heinemanns in Sudhoffs Archiv und in der niederländischen Zeitschrift Janus sowie weitere Arbeiten nach Aschoffs Tod.Katharina Reinbolz: Ludwig Aschoffs medizinhistorische Arbeiten. Dissertation, Freiburg im Breisgau 2009, S. 75.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Heinemann Oberärztin an der Inneren Abteilung des Stadtkrankenhauses Kassel. Im Mai 1948 übernahm sie dort kommissarisch die Leitung des Pathologisch-Bakteriologischen Instituts. 1954 trat sie in den Ruhestand.Walter Artelt, Werner Friedrich Kümmel: Vorbemerkungen. In: Käthe Heinemann: Die Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Ihre Wunderheilungen im Lichte alter und neuer Medizin. In: Medizinhistorisches Journal, Band 9, Heft 3/4, 1974, S. 255–257.

Am 25. September 1949 hielt Heinemann auf der ersten Nachkriegstagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik in Frankfurt am Main einen Vortrag über die Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Grundlage war eine größere, während des Krieges in Freiburg entstandene Arbeit. Das Manuskript galt zunächst als Kriegsverlust. Nach ihrem Tod gelangte ihr wissenschaftlicher Nachlass über Ruth Silberberg von der Washington University in St. Louis an Walter Artelt. Zusammen mit Werner Friedrich Kümmel bereitete er das Manuskript zur Veröffentlichung vor. Es erschien 1974 im Medizinhistorischen Journal.Walter Artelt, Werner Friedrich Kümmel: Vorbemerkungen. In: Käthe Heinemann: Die Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Ihre Wunderheilungen im Lichte alter und neuer Medizin. In: Medizinhistorisches Journal, Band 9, Heft 3/4, 1974, S. 255–257.

Schriften (Auswahl) Zur Kenntnis der Oberhaut am Maisstengel. In: Beihefte zum Botanischen Zentralblatt, Band 42 (1925), S. 111–159. Leitfaden der Geometrie für die Klassen IV bis U II. Leipzig/Berlin 1926. mit Karl Heilig: Biologie. Handbuch des Unterrichts an höheren Schulen zur Einführung und Weiterbildung in Einzeldarstellungen. Frankfurt am Main 1929. Zur Frage der allergisch-hyperergischen Appendicitis. In: Beiträge zur pathologischen Anatomie und zur allgemeinen Pathologie, Band 100 (1937). Historisches zur Begriffsbestimmung von Schock und Kollaps. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, Band 85 (1938), Nr. 34, S. 1319–1322. Seit wann ist die Milz als Blutspeicher bekannt? In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Band 32 (1939), S. 274–277. () Zur Geschichte der Entdeckung der roten Blutkörperchen. In: Janus, Band 43 (1939), S. 1–42. Eine „Sektionstechnik“ aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. In: Sudhoffs Archiv, Band 37 (1953), S. 253. Das erste anatomische Institut in Deutschland. In: Sudhoffs Archiv, Band 41 (1957), S. 207–212. () Aus der Blütezeit der Medizin am Collegium illustre Carolinum zu Kassel. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 71 (1960), S. 85–96 (Digitalisat). Die Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Ihre Wunderheilungen im Lichte alter und neuer Medizin. Nach einem nachgelassenen Manuskript bearbeitet von Walter Artelt und Werner Friedrich Kümmel. In: Medizinhistorisches Journal, Band 9 (1974), Heft 3/4, S. 255–317. ()

Literatur Leopold Biermer: Käthe Heinemann †. In: Nachrichtenblatt der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik, 22. Jahrgang, Heft 2, Dezember 1972, S. 41–42. Karl Opitz: In Memoriam Käthe Heinemann (8. 5. 1889 bis 6. 5. 1972). In: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Band 56, 1972, S. 707–708. Horst Hecker: Jüdische Ärzte in Frankenberg. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte, Band 113, 2008, S. 245–256. Katharina Reinbolz: Ludwig Aschoffs medizinhistorische Arbeiten. Dissertation, Freiburg im Breisgau 2009.

Weblinks

Eintrag zu Hermann Theodor Heinemann in der Hessischen Biografie, mit Angaben zu Käthe Heinemann. Kathe Heinemann Papers in den Becker Archives der Washington University School of Medicine.

Einzelnachweise

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