mini|Das Oratorium S. Stefano, 2016 mini|Die nach Westen blickende Apsis des Oratoriums Santo Stefano war eine Kirche, die für die Glasmacher der Insel eine wichtige Rolle übernahm, und ist ein dazugehöriges Oratorium auf der venezianischen Insel Murano, genauer auf der südlichen Insel Santo Stefano. Heute gehört es zur Gemeinde San Pietro Martire, deren Kirche über die gleichnamige Brücke, den Ponte San Pietro Martire, Richtung Westen zu erreichen ist. Das Oratorium am Campo Santo Stefano reicht möglicherweise bis ins 11. Jahrhundert zurück.
Geschichte Ein Oratorium bestand wohl bereits im 11. Jahrhundert. Von 1294 bis 1325 errichteten Augustiner eine Kirche. Am 1. Mai 1374 wurde das stark vergrößerte Gebäude geweiht und es erhielt den heutigen Namen. 1315 und 1337 vermachten der Glasmacher Bartolomeo Tataro und seine Witwe einen Teil ihres Besitzes S. Stefano.Vincenzo Zanetti: Guida di Murano e delle celebri sue fornaci vetrarie, Venedig 1866, S. 75.
Zunächst Pfarrkirche wurde die Gemeinde bald zusätzlich zum Pfarrer mit zwei Priestern, einem Diakon und einem Subdiakon ausgestattet.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Band 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 453. Am 31. Dezember 1645 richtete der Bischof von Torcello, Marcantonio Martinengo, eine Congregazione della dottrina Christiana ein, die die Einhaltung der katholischen Lehre in den Kirchen überwachen sollte. Sie bestand mindestens bis 1690. Ab 1704 bestand dort eine Scuola di S. Lucia mit Genehmigung des Podestà von Murano. So entstand ein Zentrum der gegenreformatorischen Bemühungen und der Ausbildung des Klerus.
In der Kirche wurden in einem offiziellen Zeremoniell am Namenstag des Heiligen bis zum Ende der Republik jährlich die besten Glasmacher ausgezeichnet. 1532 wurde die Kirche umgebaut, im 16. Jahrhundert wurde ein Kloster von Hieronymiten errichtet. Die Fassade wurde 1722 erneuert.
1810 wurde die Kirche während der französischen Herrschaft geschlossen, 1835 weitgehend abgerissen. Das verbliebene Oratorium wurde von dem Pfarrer Giovanni Nichetti am 26. Dezember 1848 wieder für den Kult geöffnet.
Literatur Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Band 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 451–525 (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 620 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 59 f. („S. Stefano“). (Digitalisat)
Weblinks
La Chiesa di San Stefano di Murano, e le reliquie dei Santi Innocenti di Betlemme, Conoscere Venezia
Anmerkungen
Stefano Kategorie:Kirche auf Murano Kategorie:Murano Murano Kategorie:Klosterkirche in Italien Kategorie:Oktogon (Sakralbau) Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Ehemaliges Hieronymitenkloster Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Zerstört in den 1830er Jahren