Der Schuppenbrust-Laubdrossling (Illadopsis albipectus) ist eine Vogelart aus der Familie der Drosslinge (Pellorneidae). Er kommt in Afrika vor.
Merkmale Der Schuppenbrust-Laubdrossling erreicht eine Körpergröße von 4 cm und ein Körpergewicht von 25 bis 38 g. Die Kopfoberseite ist dunkel graubraun-olivfarben und weist eine dunklere Schuppung auf. Die Oberseite einschließlich der Flügeloberseiten ist dunkel rotbraun, der Schwanz dunkelbraun. Zügel und Wangen sind grau, letztere mit weißlicher Sprenkelung. Der schmale, undeutliche Überaugenstreif ist hellgrau; die Ohrdecken sind olivgrau und werden zum Hals hin heller. Kinn und Kehle sind grauweiß, die obere Brust hellgrau mit schwachem Olivton und gelegentlich undeutlicher dunkler Schuppung. Die untere Brust und der Bauch sind weißlich. Brustseiten, Flanken und Schenkel sind olivgrau. Die Iris ist braun bis rötlichbraun; der Oberschnabel schwärzlich, der Unterschnabel hellgrau. Die Beine sind hell rosagrau.
Vom ähnlichen Grauwangen-Laubdrossling (Illadopsis rufipennis) unterscheidet sich die Art durch die Brustschuppung (falls vorhanden), ein weniger deutliches Brustband, längere und hellere Beine, kürzere Schnabelborsten, vor allem jedoch durch die Stimme. Die Geschlechter ähneln sich. Die Jungvögel sind oberseits rötlicher als adulte Tiere; die Brust ist bräunlicher, mit rötlichen Federn oberhalb und um das Auge herum.
Systematik und Taxonomie Der Schuppenbrust-Laubdrossling wurde früher den Gattungen Malacocincla, Trichastoma und Turdinus zugeordnet. Er gilt heute als monotypisch. Zeitweise wurden die Unterarten Illadopsis albipectus albipectus, Illadopsis albipectus barakae und Illadopsis albipectus trensei unterschieden. Letztere wurde 1978 von Wilhelm Meise beschrieben und nach dem Jäger Werner Trense benannt.Wilhelm Meise: Afrikanische Arten der Gattung Trichastoma (Aves, Timaliidae). Revue Zoologique Africaine, 92, 1978: 789–804.
Verbreitung Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die nördliche Demokratische Republik Kongo, die südöstliche Zentralafrikanische Republik, den Sudan, Uganda, das westliche Kenia und das nordwestliche Tansania. Zudem sind Vorkommen aus dem nordwestlichen Angola bekannt.
Lebensraum Der Schuppenbrust-Laubdrossling bewohnt dichte Bodenvegetation und Bereiche mit reichlich Laubstreu in primären Tieflandregenwäldern, saisonalen Sumpfwäldern und Übergangswäldern, von Talböden bis zu Bergrücken. Die Art kommt in Höhenlagen von bis zu 1525 m im Sudan, bis zu 2000 m in Uganda und zwischen 1700 und 2100 m in Kenia vor.
Durch umgestürzte Bäume entstandene Lichtungen stellen wichtige Nahrungshabitate dar und sind entscheidend für die Häufigkeit der Art. Die Revierdichte steigt mit zunehmender Verfügbarkeit solcher Lichtungen und erreicht die höchsten Werte in stark forstwirtschaftlich genutzten Wäldern, obwohl die Vögel dort während der Trockenzeit Stress ausgesetzt sind, da die Bedingungen trockener sind als in unberührten Wäldern.
Nahrungsverhalten Die Nahrung des Schuppenbrust-Laubdrosslings besteht aus Wirbellosen, darunter Ameisen (Formicidae), kleinen Käfern (Coleoptera), Arbeiter- und Soldatentermiten (Isoptera), anderen Insekten und deren Eiern, Raupen, Tausendfüßern (Diplopoda) sowie kleinen Schnecken.
Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Boden, gelegentlich bis in 2 m Höhe. Dabei werden Blätter umgedreht und der Boden mit den Füßen aufgescharrt. Die Art tritt einzeln, paarweise oder in Familiengruppen auf. Mitunter hält sie sich in der Nähe gemischter Vogeltrupps auf, schließt sich diesen jedoch nicht an.
Lautäußerungen Der Gesang wird ganzjährig wiedergegeben und variiert offenbar geographisch. Im Kakamega Forest in Kenia und im Kibale-Wald in Uganda besteht er aus einleitenden tip- und tp-Lauten (manchmal begleitet von einem leisen wheet etwa zwei Sekunden zuvor) sowie zwei bis drei, meist drei, lebhaften, klingenden, hochfrequenten Pfeiftönen in ansteigenden Halbtonschritten: tip tp-weeee-weeee-weeee. Der Gesang dauert 2 bis 2,5 Sekunden, kann aber auch länger ausfallen, beispielsweise wheet… twir… wheet… twit… twittwee-tweee-tweeeee (7 bis 8 Sekunden; der letzte Ton ist am längsten und lautesten und bis zu 200 m weit hörbar). Die Gesänge werden gewöhnlich alle 5 bis 35 Sekunden, meist alle 6 bis 16 Sekunden, über mehr als eine Stunde hinweg wiederholt.
Weitere Lautäußerungen bestehen aus gedämpftem Schwatzen, das in zwei bis drei langsam vorgetragene ansteigende Töne übergeht (tiu teu tii). Nahrung suchende Vögel, möglicherweise Jungvögel, äußern laute, flüssige, hochfrequente und langgezogene peeeeep-peeeeep-Rufe, die etwa fünfmal im Abstand von ungefähr 30 Sekunden wiederholt werden. Durch Pishing reagierten Jungvögel mit tititititititititi… see-u see-u see-u (leises Zwitschern gefolgt von hohen Pfeiftönen).
Fortpflanzungsverhalten Vögel in Brutbereitschaft wurden im Juni in der Zentralafrikanischen Republik festgestellt; in der Demokratischen Republik Kongo brütet die Art ganzjährig, im Sudan von August bis November und in Uganda von März bis Juli sowie im September und November bis Dezember.
Es wurde bislang nur ein Nest beschrieben: eine lose, flache Mulde aus braunen, feuchten, verrottenden Blättern, ausgekleidet mit trockenen Blättern und einigen Wurzelfasern, an einer Seite von einem großen herabgefallenen Blatt geschützt und gut verborgen auf feuchtem Boden in einer kleinen Vertiefung unter einem kleinen Farn. Das Revier kann lediglich 0,8 bis 1,2 ha umfassen.
Das Gelege besteht aus zwei Eiern, weiß mit hell- bis dunkelbraunen Flecken. Über Brut- und Nestlingszeit liegen keine Informationen vor. Die dokumentierte maximale Lebensdauer in Kenia (Kakamega Forest) beträgt mindestens 8 Jahre und 3 Monate.
Gefährdung und Schutz In der Roten Liste von BirdLife International wird der Schuppenbrust-Laubdrossling als Least Concern („nicht gefährdet“) eingestuft.
Er ist häufig im südöstlichen Teil der Zentralafrikanischen Republik, zahlreich im Kongobecken der zentralen Demokratischen Republik Kongo und selten im Imatong-Gebirge im Südosten des Sudan. In West- und Süduganda ist er weit verbreitet und lokal häufig bis sehr häufig; im Kakamega Forest in Kenia ist er zahlreich vertreten. Der Schutzstatus der isolierten Population im nordwestlichen Angola ist unbekannt.
Literatur
Nigel Collar und Craig R. Robson: Scaly-breasted Illadopsis (Illadopsis albipectus), version 1.0. In Birds of the World (Josep del Hoyo, Andrew Elliott, Jordi Sargatal, D. A. Christie, und Eduardo de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. (Subscription erforderlich)
Weblinks
Macaulay Library
Einzelnachweise
Kategorie:Drosslinge