Die Medienunternehmen in Serbien umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Serbiens Medienlandschaft ist durch eine ausgeprägte strukturelle Spaltung zwischen regierungsnahen Medien – die den politischen Kurs von Präsident Aleksandar Vučić und der Partei SNS (Srpska napredna stranka) unterstützen – und einem finanziell fragilen, aber publizistisch relevanten unabhängigen Mediensegment geprägt.RSF – Reporters Without Borders: Länderprofil Serbien. Online: rsf.org
Im World Press Freedom Index von Reporters Without Borders belegt Serbien 2026 Platz 104 von 180 Ländern (2025: Platz 96) – den schlechtesten Wert des Landes seit 24 Jahren. RSF stufte Präsident Vučić als »Raubtier der Pressefreiheit« (»press freedom predator«) ein.
Überblick und Marktstruktur
Laut Reuters Institute Digital News Report 2025 ist das terrestrische Fernsehen die wichtigste Nachrichtenquelle; die durchschnittliche tägliche Fernsehsehdauer von 5,3 Stunden zählt zu den höchsten weltweit. Vier kommerzielle nationale Fernsehsender – RTV Pink, TV Happy, TV Prva und TV B92 – stehen alle im Eigentum von Unternehmern mit engen politischen oder familiären Verbindungen zur Regierungselite; das Mainstream-Fernsehen unterstützt und propagiert laut Einschätzung des Reuters Institute »weitgehend die politische Agenda von Präsident Vučić«.Reuters Institute (2025): Digital News Report 2025 – Serbia. University of Oxford. Online: reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
Seit November 2024 führten Studierendenproteste nach dem Tod von 16 Menschen beim Einsturz des Bahnhofsdachs in Novi Sad zu anhaltenden Demonstrationen. Im Zuge dieser Proteste wurde ein zweimonatiger Boykott des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTS organisiert; der Regierungschef trat zurück; und der Druck auf unabhängige Medien, insbesondere auf N1, eskalierte bis zu öffentlichen Beschimpfungen als »Terroristen« durch Staatsfunktionäre.Article 19 (2025): Serbia: Safeguard the independence of United Group media outlets. 4. September 2025. Online: article19.org
Geschichte
Das jugoslawische Fernsehen begann 1958; Radio sendete ab den 1920er-Jahren. Nach dem Zerfall Jugoslawiens und den Kriegen der 1990er-Jahre wurde das Mediensystem unter Slobodan Milošević als Instrument staatlicher Propaganda genutzt. Unabhängige Medien (Radio B92, Studio B) leisteten in dieser Zeit publizistischen Widerstand. Nach der demokratischen Wende 2000 verbesserten sich die Bedingungen vorübergehend; ab ca. 2012 unter Nikola Vučić und ab 2017 als Staatspräsident setzte eine schrittweise Gleichschaltung des Mediensystems ein. Telekom Srbija (staatlicher Telekomkonzern) baute seit ca. 2015 systematisch ein Medien- und Kabelkontrollimperium auf.
Öffentlich-rechtliche Medien
RTS – Radio-televizija Srbije
Die Radio-televizija Srbije (RTS) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk Serbiens und betreibt RTS1, RTS2 und RTS3 (Fernsehen) sowie mehrere Radioprogramme. RTS erzielt die höchsten Einschaltquoten unter allen serbischen Sendern; die Hauptnachrichtensendung erreicht durchschnittlich 2,5 Millionen Zuschauer. Dem Sender wird von Medienbeobachtern und RSF eine systemische Abhängigkeit von der Regierungsposition vorgeworfen. Im April 2025 blockierten Protestierende für zwei Wochen den RTS-Hauptsitz als Zeichen gegen regierungsnahe Berichterstattung.
RTV – Radio-televizija Vojvodine
Die Radio-televizija Vojvodine (RTV) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk der autonomen Provinz Vojvodina und sendet in zehn Sprachen, darunter Serbisch, Ungarisch, Slowakisch, Rumänisch, Ukrainisch, Romani, Kroatisch und Mazedonisch.
Private Medienlandschaft – Fernsehen
Pink International Company / RTV Pink
RTV Pink (Eigentümer: Pink International Company d.o.o.; Haupteigentümer: Željko Mitrović) ist nach RTS der zweitgrößte Fernsehsender Serbiens und gilt als wichtigster regierungsnaher kommerzieller Sender. Laut einer von Freedom House zitierten Recherche des Center for Investigative Journalism of Serbia (CINS) erhielt Pink International zwischen 2014 und 2016 staatliche Darlehen über 7 Millionen Euro, obwohl das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt als einer der größten Steuerschuldner des Landes gelistet war.Freedom House (2021): A Cry for Help from Serbia's Independent Media. Online: freedomhouse.org
TV Happy und Antena Group (TV Prva, B92)
TV Happy (Eigentümer: Dragan Šolak; hierbei handelt es sich um eine andere Person als den gleichnamigen Gründer von United Group) und die Antena Group (betreibt TV Prva und B92; Eigentümer: mit der Regierung verbundene Unternehmer) zählen zu den vier kommerziellen nationalen Fernsehsendern.SafeJournalists (2021/2025): Four Broadcasters Dominate Serbian Media. Online: safejournalists.net
N1 Serbien und Nova S (United Media)
N1 Serbien und Nova S gehören zur United Group (Mehrheitseigentümer: BC Partners). N1 gilt als wichtigster unabhängiger Fernsehnachrichtenkanal Serbiens; Nova S als unabhängiges Vollprogramm.SafeJournalists (2025): While EU criticizes Serbia, scarce independent media struggle. Online: safejournalists.net
Telekom Srbija als Medienakteur
Der staatseigene Telekom Srbija baute seit 2015 systematisch eine Doppelrolle als Kabel-/IPTV-Distributeur und Medieneigentümer auf. Laut RSF (2025) ist der wachsende Einfluss von Telekom Srbija als Kabelbetreiber und Medieneigentümer eine strukturelle Bedrohung für die Medienvielfalt.
Private Medienlandschaft – Printmedien
Im Printmarkt kontrollieren vier Akteure rund 63 Prozent der Reichweite: Ringier Axel Springer (zwei Boulevard-Tageszeitungen), Adria Media Group (Kurir), Insajder Tim (Informer) und Novosti a.d. (staatlicher Miteigentümer).
Private Medienlandschaft – Online-Medien und unabhängiger Journalismus
BIRN Serbia (Balkan Investigative Reporting Network) und KRIK (Kriminal, korupcija) gelten als führende investigative Medien Serbiens; sie kooperieren regelmäßig mit dem OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project, ein internationales Netzwerk investigativer Journalistinnen und Journalisten mit Sitz in Amsterdam). Beide Redaktionen sind wiederholt Opfer von SLAPP-Klagen und staatlich organisierten Diffamierungskampagnen. RT Balkan (Ableger des russischen Propagandasenders RT, dessen EU-Verbreitung sanktioniert ist) ist in Belgrad aktiv und verbreitet Kreml-Narrative in serbischen Medien.
Eigentumskonzentration und Medienfreiheit
Reporters without borders RSF und das Reuters Institute (2025) beschreiben Serbiens Mediensystem als eines der problematischsten in Europa außerhalb der EU. Strukturelle Risiken sind: undurchsichtige staatliche Werbeeinnahmen als Mittel indirekter Medienlenkung; die Doppelrolle von Telekom Srbija als Distributor und Eigentümer; die SLAPP-Nutzung gegen unabhängige Journalisten; die Präsenz von RT Balkan; sowie direkter physischer und verbaler Druck auf Medienschaffende durch Staatsfunktionäre.
Regulierung Zuständige Regulierungsbehörde ist REM (Regulatorno telo za elektronske medije, Regulierungsbehörde für elektronische Medien). REM wird von Medienbeobachtern und der EU-Kommission als nicht ausreichend unabhängig eingestuft.Regulatorno telo za elektronske medije. Online: rem.rsEuropean Commission (2025): Serbia 2025 Report. COM(2025). Online: commission.europa.eu
Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat
Literatur
Freedom House (2025): Freedom of the Press – Serbia. Link European Commission (2025): Serbia 2025 Report. Link
Weblinks
RSF – Länderprofil Serbien REM – nationaler Medienregulator Reuters Institute DNR 2025 – Serbien BIRN – Balkan Investigative Reporting Network
Einzelnachweise
Kategorie:Medienunternehmen (Serbien) Serbien