Liselotte Katscher (* 5. Dezember 1915 in Wiesbaden; † 19. Juli 2012 in Berlin) war eine deutsche Krankenschwester, Direktorin der Schwesternhochschule der Diakonie in Berlin-Grunewald, Pflegehistorikerin und Sachbuchautorin.
Leben Liselotte Katscher erwarb die Allgemeine Hochschulreife im Jahr 1935 in Koblenz. Dann trat sie in den Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf ein und besuchte das Diakonieseminar für Anstaltserziehung im Dorotheenheim in Düsseldorf. Sie beendete dieses Diakonieseminar erfolgreich als Erzieherin und arbeitete danach im evangelischen Mädchenheim in Bernburg.Birgit Trockel, Irmgard Notthoff, Margret Knauser (Hrsg.): Who is Who in der Pflege. Deutschland – Schweiz – Österreich. Hans Huber Verlag, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 1999, S. 251–252. Mit einem Vorwort von Ruth Schröck.
Am 1. Oktober 1939 begann Katscher eine Krankenpflegeausbildung am Diakonieseminar am Städtischen Krankenhaus in Cottbus. Nach erfolgtem Examen arbeitete sie daselbst als Stationsleiterin. In den Kriegsjahren 1943/1944 nahm sie am ersten Unterrichtsschwesternlehrgang des Evangelischen Diakonievereins in Zehlendorf teil und wurde 1944 Unterrichtsschwester in Cottbus. Am 15. Februar 1945, einen Tag nach dem Luftangriff auf Dresden, erlebte Katscher den verheerenden Luftangriff auf Cottbus, bei dem auch das Krankenhaus getroffen und vier Diakonieschwestern sowie fünf Diakonieschülerinnen ihr Leben verloren. Ungefähr 100 Sprengbomben trafen das Krankenhausgelände. Eine der toten Schülerinnen wurde erst drei Wochen später zufälligerweise von Straßenarbeitern entdeckt.
Nach dem Krieg half Katscher beim Aufbau einer behelfsmäßigen Internistischen Abteilung in der Jugendherberge Cottbus.Hubert Kolling: Liselotte Katscher. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band acht. hpsmedia, Hungen 2018, S. 118–121. Im Sommer 1947 wechselte sie als Unterrichtsschwester ins Evangelische Waldkrankenhaus Berlin-Spandau. Außerdem arbeitete sie als Honorardozentin an der Diakonieschule (Fortbildungsschule) in Berlin-Zehlendorf und als Redakteurin der Zeitschrift des Evang. Diakonievereins. 1956 bis 1961 übernahm sie die Leitung der Diakonieschule in Zehlendorf. Von 1961 bis 1983 war sie Direktorin der Schwesternhochschule der Diakonie in Berlin-Grunewald.Martin Zehntgraf (Hrsg.): Diakonisches Profil als Aufgabe. 100 Jahre Zehlendorfer Verband für Evangelische Diakonie. Zehlendorfer Verband für Evang. Diakonie, Darmstadt 2016.
Im Jahr 1983 beendete Katscher ihren aktiven Dienst. Mit 68 Jahren begann sie an der Freien Universität Berlin ein Studium der Geschichte und Amerikanistik, das sie 1990 mit einer Magisterarbeit zur Geschichte des Evang. Diakonievereins 1933–1939 erfolgreich abschloss. Schon 1957 hatte Katscher ein Buch mit dem Titel Geschichte der Krankenpflege. Ein Leitfaden für den Schwesternunterricht publiziert.Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, S. 24 f. Dieses Buch erschien bis 1989 in insgesamt 16 Auflagen. Katscher orientierte sich in diesem Buch an den Pflegehistorikerinnen Helene Blunck, Lavinia Lloyd Dock, Mary Adelaide Nutting und dem evang. Theologen Friedrich Zimmer.
Katschers Buch Krankenpflege und das Dritte Reich erschien 1990,Ulrike Gaida: Diakonieschwestern. Leben und Arbeit in der SBZ und DDR. Mabuse, Frankfurt am Main 2015, S. 34. zwei Jahre später folgten die Bücher Krankenpflege und der Zweite Weltkrieg und schließlich im Jahr 1997 Krankenpflege von 1945–1965. Sie nutzte hier größtenteils unveröffentlichte Archivalien und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur deutschen Pflegegeschichte. Katscher verstarb hochbetagt in Berlin und wurde dort auf dem Onkel-Tom-Friedhof beigesetzt.
Veröffentlichungen (Auswahl) in der Reihenfolge des Erscheinens Geschichte der Krankenpflege. Ein Leitfaden für den Schwesternunterricht. Christlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1957 (16. Auflage 1989). Diakonissenmutterhäuser Kaiserswerther Art in den USA und die amerikanische Krankenpflege 1848–1914. Maschinenschriftlich vervielfältigt, Berlin 1990 (51 Seiten). Krankenpflege und „Drittes Reich“. Der Weg der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins 1933–1939. Verlagswerk der Diakonie, Stuttgart 1990 (2. Auflage, Diakonieverlag, Reutlingen 1994). Krankenpflege 1945–1965. Einige ihrer damaligen Probleme, dargestellt an der überverbandlichen Zusammenarbeit jener Zeit insbesondere der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände (ADS). Diakonieverlag, Reutlingen 1997. Inhaltsverzeichnis Die Krankenpflege. In: Die Macht der Nächstenliebe. Einhundertfünfzig Jahre Innere Mission und Diakonie 1848–1998. Im Auftrag des Deutschen Historischen Museums und des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Jovis Verlagsbüro, Berlin 1998, S. 152–161. 150 Jahre Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf. Fast 100 Jahre Pflege durch Diakonissen aus Kaiserswerth. 50 Jahre Pflege durch Schwestern des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf. In: Die Diakonieschwester. 95. Jg., Heft 9, 1999, S. 218–227. Krankenpflege. In: Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie (TRE), Teil 2, Band 19. de Gruyter, Berlin/New York 2000, S. 659–664.
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens
Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, S. 24. Ulrike Gaida: Diakonieschwestern. Leben und Arbeit in der SBZ und DDR. Mabuse, Frankfurt am Main 2015, S. 34. Martin Zehntgraf (Hrsg.): Diakonisches Profil als Aufgabe. 100 Jahre Zehlendorfer Verband für Evangelische Diakonie. Zehlendorfer Verband für Evang. Diakonie, Darmstadt 2016.
Weblinks Foto: Internationale Diakonissenkonferenz Bethel Oberin Liselotte Katscher, Berlin
Einzelnachweise
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