Die Medienunternehmen in der Slowakei umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Die slowakische Medienlandschaft mit ca. 5,5 Millionen Einwohnern ist seit dem 1. Juli 2024 durch die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTVS und dessen Ersetzung durch die neue Anstalt STVR sowie durch zunehmende Konzentration im Eigentum tschechisch-slowakischer Wirtschaftsakteure geprägt.EurOMo (2025): Slovakia. Country report 2025. DOI:10.25598/EurOMo/2025/SK. Online: media-ownership.euCentre for Media Pluralism and Media Freedom (CMPF) (2025): Media Pluralism Monitor – Slovakia. European University Institute. Online: cmpf.eui.eu
Im World Press Freedom Index von Reporters Without Borders belegt die Slowakei 2026 Platz 37 von 180 Ländern.RSF – Reporters Without Borders: Länderprofil Slowakei. Online: rsf.org
Überblick und Marktstruktur
Trotz einer formal diversen Medienstruktur ist die Slowakei mit erheblichen Einschränkungen der Pressefreiheit konfrontiert. Nach dem gesetzlich erzwungenen Umbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (2024) mehren sich Berichte über Selbstzensur in Redaktionen.
Geschichte
Das slowakische Radio sendete ab 1926 (Radio Bratislava), das Fernsehen seit 1956 (Televízia Bratislava). Nach der Auflösung der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 entstanden eigenständige slowakische Medienstrukturen; TV Markíza erhielt 1996 als erster Sender eine private nationale Konzession. In den 1990er- und 2000er-Jahren dominierten deutsche und österreichische Verlage den Printmarkt; ab ca. 2008 setzte eine Verlagerung zu tschechisch-slowakischen Investoren (Penta Investments, Mafra) ein. Im Februar 2018 wurden der Investigativjournalist Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová ermordet – ein Ereignis, das die Fragen nach Medienfreiheit und dem Schutz investigativer Journalistinnen und Journalisten international in den Fokus rückte.
Öffentlich-rechtliche Medien
STVR – Slovenská televízia a rozhlas
Die Slovenská televízia a rozhlas (STVR) löste am 1. Juli 2024 gemäß dem umstrittenen Gesetz Nr. 157/2024 Coll. die frühere Rozhlas a televízia Slovenska (RTVS) ab. Mit der Neugründung wurden die Mandate des RTVS-Generaldirektors und des RTVS-Rats vorzeitig beendet. RSF, CMPF und die Europäische Kommission kritisierten den Umbau als Angriff auf die institutionelle Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. STVR ist Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und betreibt vier Fernsehkanäle (STVR 1, STVR 2, STVR :24, STVR Šport) sowie fünf Radioprogramme (Rádio Slovensko, Rádio Regina, Rádio Devín, Rádio FM, Rádio Patria in ungarischer Sprache). 2024 und 2025 wurden Bedenken über erhöhte Selbstzensur und den Abgang erfahrener Redakteurinnen und Redakteure dokumentiert.
TASR – Tlačová agentúra Slovenskej republiky
Die TASR ist seit dem 1. Januar 1992 die eigenständige slowakische Nachrichtenagentur, hervorgegangen aus der Aufteilung der tschechoslowakischen ČTK. Sie ist staatliche Aktiengesellschaft im Eigentum des Wirtschaftsministeriums und Mitglied der European Alliance of News Agencies (EANA).Tlačová agentúra Slovenskej republiky: O TASR. Online: tasr.sk
Private Medienlandschaft – Fernsehen
TV Markíza
TV Markíza (Betreiber: MARKÍZA-SLOVAKIA, spol. s r.o.) nahm am 31. August 1996 als erster privater Fernsehsender mit nationaler Konzession in der Slowakei seinen Betrieb auf und ist seitdem Marktführer. Der Sender gehört zur börsennotierten Medienholding CME, die sich seit 2020 vollständig im Eigentum der PPF-Gruppe befindet. Im Jahr 2024 löste der Sender seinen Chefredakteur nach öffentlicher Kritik von Ministerpräsident Fico ab; Medienbeobachter werteten dies als indirekten Beweis politischen Drucks auf einen formal ausländisch kontrollierten Sender. Die Streaming-Angebote Voyo.sk und O2 TV SK wurden 2025 unter der Marke Oneplay zusammengeführt.
TV JOJ
TV JOJ (Betreiber: MAC TV s.r.o.) nahm am 1. September 2002 als zweiter nationaler privater Fernsehsender seinen Betrieb auf und gehört der J&T Finance Group, einem der größten tschechisch-slowakischen Investmentkonzerne. JOJ gilt als politisch unabhängig und ist der zweitstärkste private Fernsehsender der Slowakei.
Private Medienlandschaft – Printmedien
News and Media Holding
Die News and Media Holding a.s. (NMH) ist der größte Printmedienverlag der Slowakei und gehört Penta Investments (Gründer und faktischer Kontrollinhaber: Jaroslav Haščák). Haščák war 2021 im Zusammenhang mit dem sog. Gorilla-Abhörskandal in ein Strafverfahren verwickelt, das seinen Ruf als Medieneigentümer beeinträchtigte. NMH verlegt u. a. Nový Čas (meistgelesene Boulevardzeitung der Slowakei), Hospodárske noviny (Wirtschaftszeitung) und Plus 7 dní (Wochenmagazin). Die Eigentümerschaft durch Penta – aktiv in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und Immobilien – gilt als strukturelles Interessenkonfliktrisiko.
Petit Press / SME
Die Petit Press a.s. verlegt SME (überregionale Qualitätszeitung, gegr. 1993) und Korzár (Regionalzeitung Ostslowakei) sowie das Onlineportal Sme.sk – das meistbesuchte unabhängige Nachrichtenportal der Slowakei. Petit Press gehört zum Mafra-Verbund (Karel Pražák / Pavel Tykač, Tschechien).
Private Medienlandschaft – Online-Medien und unabhängiger Journalismus
Denník N
Denník N (Betreiber: N Press s.r.o.) entstand am 5. Januar 2015, als ein Redakteurskollektiv ehemaliger SME-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter nach Konflikten mit dem Eigentümer ein eigenständiges, leserfinanziertes Onlinemedium gründete.The New York Times (2014): Oligarchs of Eastern Europe Scoop up Stakes in Media Companies. 27. November 2014. Online: nytimes.comČTK / Aktuálně.cz (2014): Penta se nedala odradit. Vstoupila do slovenského deníku Sme. 14. oktobra 2014. Online: aktualne.cz Denník N finanziert sich ausschließlich über digitale Abonnements und Leserspenden ohne Investoren oder Parteibindung und gilt europaweit als Referenzmodell für leserfinanzierten Qualitätsjournalismus. Seit 2020 gibt es eine tschechische Ausgabe (Denník N Čechy). Im Februar 2026 übernahm Denník N den Brüsseler Onlinedienst EUobserver – die erste internationale Expansion des Unternehmens.Funds for Media (2026): Denník N invests hundreds of thousands euros and takes over EUobserver. February 2026. Online: funds4media.org
Aktuality.sk
Aktuality.sk (Betreiber: RINGIER SLOVAKIA MEDIA s.r.o.) gehört zum Schweizer Ringier-Konzern und ist neben Sme.sk das meistgenutzte slowakische Nachrichtenportal. Ringier ist neben Penta/NMH der wichtigste ausländische Verleger in der Slowakei.
Eigentumskonzentration und Medienfreiheit
Der Euromedia Ownership Monitor EurOMo (2025) und das italienische Centre for Media Pluralism and Media Freedom (CMPF) benennen als Kernrisiken: die strukturelle Abhängigkeit wichtiger Medientitel von Eigentümern mit breiten Wirtschaftsinteressen (Penta, Mafra); den staatlichen Umbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als institutionellen Angriff auf die Unabhängigkeit; den indirekten politischen Druck auf TV Markíza (2024) als ersten dokumentierten Fall in der Slowakei; sowie intransparente staatliche Werbevergabe als Instrument indirekter Medienlenkung. Das Wachstum von Denník N wird in der Fachliteratur als positives Gegenmodell hervorgehoben.
Regulierung
Die Rada pre vysielanie a retransmisiu (RVR, Rat für Rundfunk und Retransmission) ist die zuständige nationale Regulierungsbehörde für audiovisuelle Mediendienste. Sie vergibt Sendekonzessionen, überwacht die Einhaltung des Medienrechts und kann Sanktionen verhängen.Rada pre vysielanie a retransmisiu. Online: rvr.sk
Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat
Literatur
Euromedia Ownership Monitor (EurOMo, 2025): Slovakia. Country report 2025. DOI:10.25598/EurOMo/2025/SK Centre for Media Pluralism and Media Freedom (2025): Media Pluralism Monitor – Slovakia. European University Institute. Freedom House (2025): Freedom of the Press – Slovakia. European Commission (2025): 2025 Rule of Law Report – Slovakia.
Weblinks
EurOMo – Länderbericht Slowakei 2025 RSF – Länderprofil Slowakei CMPF – Media Pluralism Monitor Slowakei RVR – nationaler Medienregulator
Einzelnachweise
Kategorie:Medienunternehmen (Slowakei) Slowakei