mini|Musée Despiau-Wlérick Das Musée Despiau-Wlérick ist ein städtisches Kunstmuseum in Mont-de-Marsan, der Hauptstadt des Départements Landes in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine.
Es ist das einzige Museum in Frankreich, das sich ausschließlich der figurativen Skulptur widmet, und zugleich das bedeutendste französische Museum für figurative Bildhauerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ist im Donjon Lacataye untergebracht, einem mittelalterlichen Baukomplex im historischen Stadtzentrum. Das Museum ist nach den beiden aus Mont-de-Marsan stammenden Bildhauern Charles Despiau und Robert Wlérick benannt.
Architektur Der Donjon Lacataye ist kein Bergfried im eigentlichen Sinne, sondern besteht aus zwei aneinandergebauten, aus Muschelkalkstein errichteten Wehrbauten, die ab dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert entstanden sind und im 16. Jahrhundert mit Zinnen versehen wurden. Er ist seit dem 22. Juli 1942 als Monument historique eingetragen und beherbergt seit 1968 das Musée Despiau-Wlérick. Das Museum liegt am linken (nördlichen) Ufer des Midou, weniger als 150 Meter östlich der Kirche La Madeleine und des Sitzes des Conseil Départemental des Landes. Der Besuchereingang befindet sich in einer ehemaligen romanischen Kapelle an der Place Marguerite de Navarre. Die Südfassade des Gebäudes grenzt an den Midou und war Teil der städtischen Befestigungsanlage. Das Museum verfügt über zwei Skulpturengärten in Flussnähe. Im Skulpturengarten rund um das Gebäude sind mehrere monumentale Werke aufgestellt.
Geschichte
Vorgeschichte und Gründung mini|Robert Wlérick – Athlète au javelot (Speerwerfer) oder Hercule (Herkules), 1939/1943, Bronze und Gusseisen. 1938 von der Stadt Paris in Auftrag gegeben. 2007 als Leihgabe vom Musée d’Art Moderne der Stadt Paris an das Musée Despiau-Wlérick Das Museum wurde im Jahr 1886 dank der Schenkungen des aus der Region stammenden Archäologen und Historikers Pierre-Eudoxe Dubalen (1851–1936) als Musée Dubalen gegründet. Die anfänglichen Sammlungen konzentrierten sich auf die Bereiche Naturkunde und Archäologie und umfassten unter anderem ausgestopfte Tiere, Insekten, Eier, Mineralien, Herbarien und Muscheln. Ab den 1960er Jahren spezialisierte sich das Museum schließlich auf die figurative Bildhauerei der Zwischenkriegszeit.
Umbenennung Der heutige Name des Museums – Musée Despiau-Wlérick – ist eine Hommage an die beiden aus Mont-de-Marsan stammenden Bildhauer Charles Despiau und Robert Wlérick. Es wurde von den Mitgliedern der Vereinigung der Freunde von Charles Despiau und Robert Wlérick mit der ursprünglichen Absicht konzipiert, eine ständige Sammlung zu schaffen, die an das Werk der beiden lokalen Künstler erinnert. Seit seiner Neueröffnung im Jahr 1968 ist es in einem Komplex mittelalterlicher Gebäude aus dem 14. Jahrhundert im historischen Zentrum von Mont-de-Marsan an der Place Marguerite-de-Navarre untergebracht. Der Komplex wird vom imposanten „Donjon“ Lacataye dominiert, der seit 1942 unter Denkmalschutz steht. Er wurde Anfang der 1960er Jahre umgebaut, um die städtische Sammlung und die Bestände des ehemaligen Musée Dubalen aufzunehmen. 1982 wurden die Arbeiten mit der Schaffung eines Empfangsbereichs, einer Galerie für Wechselausstellungen und eines Skulpturengartens, der als „Freilichtmuseum“ bezeichnet wird, abgeschlossen. In der Nähe befinden sich mehrere ebenfalls denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, darunter die Präfektur der Landes und die Kirche La Madeleine.
Namensgeber
Charles Despiau (1874–1946) wurde 1874 in Mont-de-Marsan geboren. Auguste Rodin war von Despiaus Büste Paulette so beeindruckt, dass er den Bildhauer in einem Brief bat, sein Praktikant zu werden. Despiau arbeitete ab 1907 als Assistent Rodins. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss Charles Despiau sich der Bande à Schnegg an, einer von den Brüdern Lucien Schnegg und Gaston Schnegg gegründeten Gruppe von Bildhauern, der unter anderem Antoine Bourdelle, Robert Wlérick, Léon-Ernest Drivier, François Pompon, Louis Dejean und Jane Poupelet angehörten. Robert Wlérick (1882–1944) wurde 1882 in Mont-de-Marsan geboren. Er besuchte von 1899 bis 1904 die École des Beaux-Arts de Toulouse und ging anschließend nach Paris. Dort begegnete er durch seinen Freund Charles Despiau der Bande à Schnegg. Er begann, Werke in einem synthetischen, schmucklosen Stil ohne dekorative Details auszustellen.
Sammlung mini|Charles Despiau – Assia, Bronze, 1937 Das Museum besitzt rund tausend Werke von Charles Despiau und Robert Wlérick. Daneben sind in der Sammlung Werke weiterer französischer Bildhauer sowie von etwa hundert klassischen und modernistischen Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts vertreten. Zu den in der Sammlung vertretenen Künstlern zählen neben den beiden Namensgebern u. a. Auguste Rodin, François Pompon, Lucien Schnegg, Félix Joffre, Jane Poupelet, Chana Orloff und Édouard Cazaux.
Hervorzuheben sind unter den Einzelwerken vier große, vergoldete Bronzereliefs von Henri Lagriffoul. Sie wurden ursprünglich für das Theater des Palais de Chaillot anlässlich der Weltausstellung 1937 in Auftrag gegeben, in den 1960er Jahren abgenommen und 1982 dem Museum übergeben. Ebenfalls sehenswert sind die dekorativen Großreliefs, die ursprünglich für den Ozeandampfer Normandie bestimmt waren, sowie mehrere Entwürfe für die Exposition coloniale internationale von 1931. Im Bestand befinden sich außerdem die beiden Bronzestatuetten „Cheval à l’amble“ und „Femme nue“ des portugiesischen Bildhauers Charles Correia sowie Werke von André Greck.
Im Jahr 1983 wurde dem Museum der Atelierbestand von Pierre Traverse (1892–1979) vermacht. Später überließen die Erben des Landguts La Savane des Grafen Clément d’Astanières in Capbreton dem Museum 19 Skulpturen und 35 Gemälde bzw. Aquarelle dieses Künstlers. Der grafische Sammlungsbestand umfasst mehr als 11.000 Zeichnungen. Die Gemäldesammlung umfasst mehr als 500 Arbeiten, von denen die Mehrheit mit der Produktion von Bildhauern dieser Epoche in Verbindung steht. Ergänzt werden die Bestände durch Ateliermobiliar und Werkzeuge, die den verschiedenen bildhauerischen Techniken vom mittleren 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart zuzuordnen sind.
Stellung im französischen Museumswesen Das Musée Despiau-Wlérick nimmt eine Sonderstellung im französischen Museumswesen ein, da es das einzige Museum des Landes ist, das sich ausschließlich der figurativen Skulptur widmet. Durch seine chronologische Ausrichtung auf die Zwischenkriegszeit positioniert es sich zwischen dem Musée d’Orsay, das die Kunst bis zur Jahrhundertwende dokumentiert, und dem Musée national d’Art moderne, das die Kunst ab Mitte des 20. Jahrhunderts abdeckt. Seit 1968 gilt Mont-de-Marsan als „Hauptstadt der Skulptur“ (Capitale de la sculpture).
Literatur
Hervé Barrouquère: Dubalen archéologue : du terrain au musée. In: Bulletin de la Société de Borda, Nr. 507, 3, 2012, S. 305–326 (online auf archeolandes.com). Patrice Bachelard (Hrsg.): Robert Wlérick (1882–1944). Museumskatalog, Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan 1994. Waldemar George: Despiau vivant. L’homme et l’œuvre. Éditions de la Mairie, Mont-de-Marsan 1947. Elisabeth Lebon u. a. (Hrsg.): Charles Despiau (1874–1946). Sculptor mal-aimé. Museumskatalog (Gerhard-Marcks-Haus, Bremen / Museum Beelden aan Zee, Scheveningen). Éditions du Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan 2013,. Musée Despiau-Wlérick (Hrsg.): Charles Albert Despiau (1874–1946). Collections du Musée Municipal de Mont-de-Marsan. Imprimerie Jean-Lacoste, Mont-de-Marsan 1975. Musée Despiau-Wlérick (Hrsg.): Assia. Sublime modèle. Museumskatalog (Verbundkatalog der Museen in Mont-de-Marsan, Calais und Poitiers). Éditions des Musées de Mont-de-Marsan, Mont-de-Marsan 1993. Christophe Richard (Hrsg.): Sculpteurs du souvenir. Genèse d’un monument dans les Landes de l’entre-deux-guerres. Éditions du Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan 2004. Christophe Richard (Hrsg.): Robert Wlérick, à la recherche du modèle. Éditions du Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan 2021.
Weblinks
Website des Museums Musée Despiau Wlérick Landes The Despiau-Wlérick Museum Tourist Office of Commerce and Crafts of Mont de Marsan Agglomeration
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