Karl Ludwig Schmalz (* 22. März 1912 in Bern; † 14. Juli 1995 in Bolligen) war ein Schweizer Naturschutzinspektor, Historiker, Politiker und Grundschullehrer.
Leben Da Schmalz schon im Alter von neun Jahren seinen Vater verlor, konnte er zwar kein langjähriges Hochschulstudium absolvieren, wohl aber das Lehrerseminar. 1932 wurde er als bernischer Primarlehrer patentiert. Im Mittelpunkt seiner Interessen stand der geschichtliche und naturkundliche Heimatunterricht.Hans Joss: Ihm werden auch noch unsere Urenkel dankbar sein. In: Der Bund. Nr. 68, 22. März 1977, S. 18 (Digitalisat in e-npa.ch).
Seine erste Stelle als Primarlehrer trat er in Münchenwiler an. 1943 wurde er als Lehrer nach Bolligen gewählt. Sein Schwiegervater, der Berner Geologe Eduard Gerber, weckte sein Interesse an erdgeschichtlichen Fragen, erratischen Blöcken und Schalensteinen. 1948 veröffentlichte er mit Gerber zusammen das Berner Heimatbuch «Findlinge».Gerhart Wagner: Zum Gedenken: Dr. h. c. Karl Ludwig Schmalz, alt Naturschutzinspektor. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Neue Folge 53, 1996, S. 9 f. (Digitalisat in E-Periodica).
Von 1953 bis 1956 war Schmalz nebenamtlich Sekretär der Viertelsgemeinde Bolligen, die mit Ostermundigen und Ittigen zusammen die grosse Einwohnergemeinde Bolligen bildete. Danach amtete er acht Jahre lang als Präsident der Viertelsgemeinde und setzte sich 1963 mit den beiden Schriften «Die Verselbständigung kommt» und «Warum kommt die Verselbständigung?» für die Aufteilung der drei Viertelsgemeinden ein. Nachdem die Initianten mit diesem Vorhaben 1964 noch unterlegen waren, kam die Verselbständigung im zweiten Anlauf 1978 zustande.Wagner: Zum Gedenken. 1996.
Auf 1. Oktober 1964 verliess Schmalz den Schuldienst, um als Adjunkt in die Naturschutzverwaltung des Kantons Bern einzutreten. 1967 wurde ihm das neugeschaffene Amt eines kantonalen Naturschutzinspektors übertragen. Während seiner Amtszeit wurden 40 Objekte unter Schutz gestellt (u. a. Sense und Schwarzwasser, Stausee Niederried, Gelten-Iffigen, St. Petersinsel und Heidenweg).
Darüber hinaus nahm sein Inspektorat Stellung zu einer Vielzahl von umweltrelevanten Projekten wie Orts- und Regionalplanungen, Bauvorhaben, Gewässerverbauungen, Starkstromleitungen, Skiliften, Schutt- und Kehrichtdeponien etc.Joss: Ihm werden auch noch unsere Urenkel dankbar sein. 1977.
Nach seiner Pensionierung im Jahre 1977 wandte sich Schmalz wieder der geschichtlichen Heimatkunde zu. Schon in seiner Zeit in Münchenwiler (1932–1943) hatte er an dem 1947 erschienenen Berner Heimatbuch «Münchenwiler» gearbeitet. In Bolligen vertiefte er sich in das Studium der Ortsgeschichte und der Bolliger Natur- und Heimatkunde. Er erweiterte sein kleines, 1961 publiziertes Buch «Bolligen – unsere Gemeinde» zu einer 450 Seiten starken umfassenden Gemeindegeschichte. Das 1982 erschienene Werk ergänzte er 1985 um den «Heimatkundliche[n] Führer Bolligen», in welchem unter anderem 775 Findlinge auf Bolliger Boden in einer Karte eingetragen sind.Wagner: Zum Gedenken. 1996.
Auszeichnungen 1972 verlieh die Universität Bern Schmalz die Ehrendoktorwürde «für seinen ausdauernden und erfolgreichen Einsatz für die Belange des Naturschutzes im Kanton Bern und für die zahlreichen von ihm verfassten natur- und heimatkundlichen Schriften».Akademische Ehrungen. In: Der Bund. Nr. 285, 4. Dezember 1972, S. 15 (Digitalisat in e-npa.ch).
1991 ehrte ihn der Historische Verein des Kantons Bern mit der Verleihung der Justingermedaille für seine zahlreichen historisch-heimatkundlichen Publikationen.Wagner: Zum Gedenken. 1996.
1992 verlieh ihm die Gemeinde Bolligen als erstem und bisher einzigem Einwohner das Ehrenbürgerrecht.Wagner: Zum Gedenken. 1996.
Werke mit Willy Flückiger (Umschlagzeichnung): Münchenwiler. Paul Haupt, Bern 1947 (= Berner Heimatbücher. 31). mit Eduard Gerber, Eugen Jordi (Umschlag): Findlinge. Paul Haupt, Bern 1948 (= Berner Heimatbücher. 34). Vom Graffenriederberg am Chasseral und von der Küherei zu Münchenwiler. [s.n.], [s.l.] 1951 (Sonderdruck aus: Der Achetringeler, 1951, Nr. 26). Bolligen, unsere Gemeinde. Hrsg.: Einwohnergemeinde Bolligen, Viertelsgemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen. Bolligen 1961. Bolligen, seine Verwaltung, die Einwohnergemeinde, die Viertel Bolligen, Ittigen, Ostermundigen, die Kirchgemeinden. Hrsg.: Einwohnergemeinde Bolligen, Viertelsgemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen. Bolligen 1961. Wie steht es um den Schutz von Heidenweg und St. Petersinsel? Ein Beitrag zum Naturschutzjahr 1970. Vortrag, gehalten an der Generalversammlung des Vereins Bielerseeschutz vom 9. Mai 1970. Biel 1970. als Beitragender: Naturdenkmäler im Kanton Bern / Monuments naturels du canton de Berne. Paul Haupt, Bern 1970. Naturschutztätigkeit im Kanton Bern. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Neue Folge 34, 1977, S. 65–113 (Digitalisat in E-Periodica). Ostermundigenberg-Grossholz. Führer durch das Eiszeit-Reservat und Beitrag zur Heimatkunde. Hrsg.: Viertelsgemeinde Ostermundigen; Einwohnergemeinde Muri bei Bern; Forstdirektion des Kantons Bern. Ostermundigen; Bern 1980. Bolligen. Geschichte, Gemeindeentwicklung, Heimatkunde. Hrsg.: Viertelsgemeinde Bolligen. Stämpfli, Bern 1982, ISBN 3-7272-9679-8. Ostermundigen. Geschichte, Gemeindeentwicklung, alte Ansichten. Einwohnergemeinde Ostermundigen, Ostermundigen 1983. Heimatkundlicher Führer Bolligen. Landschaft und Geologie, vor- und frühgeschichtliche Stätten, bäuerliche Bauten und Heimwesen, Wald, Feldgehölze, Hecken und Einzelbäume, Bantiger – Aussichtspunkt und Sendeanlage. Hrsg. von der Gemeinde Bolligen. Stämpfli, Bern 1985, ISBN 3-7272-9685-2. Der berühmte Block auf dem Luegiboden. In: Jahrbuch vom Thuner- und Brienzersee. 1986, S. 4–33 (Digitalisat in E-Periodica). Namensteine und Schalensteine im Kanton Bern. Paul Haupt, Bern 1987 (= Jahrring. 1987). (Neuaufl. Paul Haupt, Bern 1988, ISBN 3-258-03936-4.) Drei Jahrzehnte für unsere Gemeinde. Hans Sterchi, Gemeindepräsident, 1965–1987. Hrsg.: Gemeinderat Bolligen. Gemeindeverwaltung, Bolligen 1987. Münchenwiler. Dorf, Kirche, Kloster, Schloss, Erwachsenenbildungszentrum. 2., überarb. und erw. Aufl. Paul Haupt, Bern 1994, ISBN 3-258-04845-2 (= Berner Heimatbücher. 143).
Literatur Hans Joss: Ihm werden auch noch unsere Urenkel dankbar sein. In: Der Bund. Nr. 68, 22. März 1977, S. 18 (Digitalisat in e-npa.ch). Gerhart Wagner: Zum Gedenken. Dr. h. c. Karl Ludwig Schmalz, alt Naturschutzinspektor 22. März 1912 – 14. Juli 1995. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Neue Folge 53, 1996, S. 9 f. (Digitalisat in E-Periodica).
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