mini|Hindenburg-Apotheke vom Markt aus gesehen mini|Rheinfront der Apotheke Die Hindenburg-Apotheke (ursprünglich Amtsapotheke, zeitweise bekannt als Cauber Blutegel-Apotheke) war eine Apotheke in Kaub im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie bestand von 1803 bis 2023 und befand sich seit 1853 im Gebäude Marktplatz 1 im Zentrum der Stadt.
Gebäude Auf der Marktseite befindet sich das Hauptgebäude, ein zweigeschossiges, fünfachsiges Wohn- und Geschäftshaus in traufständiger Bauweise über rechteckigem Grundriss. Es verfügt über eine schlichte, verputzte Fassade mit regelmäßig angeordneten rechteckigen Fensteröffnungen und mittig angeordnetem Eingang. Das Erdgeschoss ist durch eine später eingefügte großformatige Schaufensteranlage für die Nutzung als Apotheke verändert worden. Oberhalb des Eingangs befindet sich der goldfarbene Schriftzug „APOTHEKE“. Das Satteldach des Hauses ist regionaltypisch schiefergedeckt und hat zwei kleine Gauben.
Die Rückseite zum Rhein ist geprägt von An- und Umbauten. Besonders hervorzuheben ist die Fassade mit der vollständigen Verkleidung aus Dachschiefer. Es gibt einen auffälligen polygonalen, erkerartigen Vorbau an der rechten Gebäudeecke, der auf geschwungenen Konsolen ruht und ebenfalls verschiefert ist. Im Dachgiebel finden sich markante Schnitzereien. Diese und der weithin sichtbare Apotheken-Schriftzug prägen das Stadtbild von der Rheinseite.
Das Gebäude gehört heute zur Denkmalzone Ortskern.
Geschichte Im Jahr 1803 erhielt der Rüdesheimer Apotheker Benedikt Kölges die Erlaubnis, in Kaub eine Filialapotheke zu errichten, die am 18. September eröffnet wurde. Standort war im sogenannten Linderviertel zwischen der heutigen Blücherstraße und dem alten Marktplatz, wo sich seit einem Brand 1843 der Parkplatz mit dem Kriegerdenkmal befindet.
Kölges verkaufte die Filialapotheke schon 1804 an seinen Provisor Joseph Heinrich Flock, der sie als Amtsapotheke bis 1813 eigenständig weiterführte. Unter Apotheker Bertram Simon zog die Apotheke 1814 um ins Zöllerviertel in ein Gebäude auf dem Grundstück des heutigen Hotel Turms. Im hinteren Gebäudeteil befand sich ein jüdischer Kultraum, die sogenannte Judenschule. 1827 erwarb Simon das Grundstück.
Ein Brand im Gasthaus Goldener Stern am 27. Juli 1846 entwickelte sich zu einem Großbrand, bei dem insgesamt 9 Wohnhäuser zwischen Metzgergasse und Schlossweg zerstört wurden, darunter die Apotheke. Auf dem alten Grundstück wurde ein dreistöckiges Doppelhaus errichtet, in dem ab 1847 in der linken Hälfte die Apotheke einzog. Nach dem Tod des Apothekers Simon verkauften seine Erben die Gebäudehälfte mitsamt dem Mainzer Torturm, 1850 übernahm Apotheker Karl Flick zunächst die darin befindliche Apotheke. Er erwarb am 4. August 1853 das zweistöckige Wohnhaus am Marktplatz 1 und richtete im Erdgeschoss die heutige Apotheke ein.
Ab 1871 wurde die Amtsapotheke bekannt als „Cauber Blutegel-Apotheke“. Die dort gehandelten Blutegel wurden aus Rumänien, Ungarn und Frankreich importiert. Zeitweise wurden von hier aus bis zu 150.000 Tiere jährlich europaweit auf Bestellung versandt.
Flicks Sohn Karl Friedrich übernahm die Apotheke nach dem Tod des Vaters 1882. mini|Apotheker Max von Harenne.Aufnahme zwischen 1934 und 1936 1906 wurde sie an Apotheker Karl Kirchner verkauft und gelangte 1909 an Apotheker Max von Harenne. Unter ihm erhielt die Apotheke im Jahr 1916 mit ausdrücklicher Genehmigung des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg den Namen Hindenburg-Apotheke, den sie bis zuletzt behielt.
Nach Harennes Tod im Jahr 1936 verkaufte seine Witwe die Apotheke zum 1. Juli 1937 an Apotheker Wilhelm Schönberger. Schönbergers Frau Luise führte sie nach dessen Tod 1939 bis 1950 weiter, Tochter Rosemarie wurde 1951 neue Eigentümerin. Da beide Frauen keine Apothekerinnen waren, wurde die Verwaltung ab 1940 von Apothekerin Ingeborg Bubinger und 1954 von Apothekerin Agnes Pulm übernommen.
Rosemaries Mann, Apotheker Erwin Fuchs, wurde 1959 neuer Eigentümer. Er verpachtete die Apotheke 1995 an Apotheker Helmut Krings bis zum 31. März 2011. Fuchs’ Tochter, Apothekerin Dagmar Vogel, führte ab da die Apotheke bis zur Schließung 2023.
Verkehrsunfälle Das Gebäude der Apotheke liegt am Ende der Blücherstraße, die mit einem Gefälle von 18 Prozent von Weisel kommend in die Stadt führt. Aufgrund technischer Defekte an Fahrzeugen kam es mehrfach zu schweren Verkehrsunfällen, bei denen Fahrzeuge in das Gebäude prallten.
am 31. Juli 1938 fuhr ein Postbus in die linke Haushälfte und schleifte dabei einen parkenden Pkw mit. am 24. Mai 1953 raste an Pfingstsonntag um die Mittagszeit ein voll besetzter niederländischer Reisebus wieder in die linke Haushälfte der Apotheke, es gab viele Verletzte. am 19. März 1994 verlor ein mit Paletten beladener Lastkraftwagen auf der Gefällstrecke die Kontrolle. Der auf dem Marktplatz befindliche Brunnen konnte das Fahrzeug nicht stoppen, die bekrönende Figur des „Nassauischen Löwen“ wurde dabei in das rechte Schaufenster der Apotheke geschleudert. Apotheker Erwin Fuchs und eine Angestellte konnten sich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen. Der Lastwagen kippte anschließend um und blieb quer an der Hauswand liegen. Der Sachschaden wurde auf eine halbe Millionen Mark geschätzt.
Schließung und heutige Nutzung Im Jahr 2023 schloss die Apotheke nach 220 Jahren Betrieb mangels Nachfolger.Pharmazeutische Zeitung: SAT.1 Regionalmagazin: Apothekensterben in Rheinland-Pfalz Sendung vom 16. Februar 2023 Sie befand sich seit 1937 in Familienbesitz. Der erhaltene Bestand historischer Gefäße und pharmazeutischer Gerätschaften wird heute als Privatmuseum genutzt, das bei besonderen Anlässen wie z. B. dem Internationalen Museumstag oder auf Anfrage besichtigt werden kann.
Liste der Apotheker und Apothekerinnen Apotheker Benedikt Kölges 1803–1804 Apotheker Joseph Heinrich Flock 1804–1813 Apotheker Bertram Simon 1813–1849 (Tod) Apotheker Karl Philipp Gottfried Emil Flick 1850–1882 (Tod) Apotheker Karl Friedrich Wilhelm Flick 1882–1905 (Tod) Apotheker Karl Eugen Kirchner 1906–1909 (Verkauf) Apotheker Max von Harenne 1909–1936 (Tod) Apotheker Wilhelm Schönberger 1937–1939 (Tod) Luise Schönberger (Witwe) 1939–1950 (führte die Apotheke bis zu ihrem Tod als Eigentümerin) Rosemarie Schönberger (Tochter), 1950–1959 (führte die Apotheke als Eigentümerin) Apothekerin Ingeborg Bubinger 1940–1954 (Verwalterin) Apothekerin Agnes Pulm 1954–1959 (Verwalterin) Apotheker Erwin Fuchs (ab 1954 Ehemann von Rosemarie Schönberger) 1959 Verpachtung 1995 an Apotheker Helmut Krings bis 2011 Apothekerin Dagmar Vogel (Tochter von Erwin und Rosemarie Fuchs) 2011 bis zur Schließung 2023
Literatur Kurt Dehe: Kaub. Chronik einer Kleinstadt am Mittelrhein. Kaub 2021 Dagmar Vogel: Hindenburg-Apotheke am Marktplatz in Kaub. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital, 2024.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal HindenburgApotheke Kategorie:Apotheke in Deutschland Kategorie:Paul von Hindenburg als Namensgeber Kategorie:Unternehmensgründung 1803 Kategorie:Aufgelöst 2023 Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Rhein-Lahn-Kreis) Kategorie:Wohn- und Geschäftshaus in Rheinland-Pfalz Kategorie:Umgenutztes Bauwerk im Rhein-Lahn-Kreis Kategorie:Museumsgründung 2023 Kategorie:Pharmaziehistorisches Museum