Die evangelische Martinskirche steht in Hochdorf, einer Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie ist als Kulturdenkmal beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Esslingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Hochdorf wird 1189 erstmals urkundlich erwähnt. Aus dieser fränkischen Zeit bereits stammt – wie die meisten Kirchen unter dem Patrozinium des Hl. Martin – auch die 1275 erstmals erwähnte Hochdorfer Kirche und ihr bis heute erhaltener Taufstein. 1353 ist Hochdorf als Mutterpfarrei für Baltmannsweiler und Hohengehren und 1391 als unter dem Kirchenpatronat des Klosters Adelberg stehend genannt, was erst 1534 mit der Reformation endete. Der aus Hochdorf stammende Ludwig Werner, letzter Adelberger Abt und Anhänger der Reformation, vermachte der Kapelle seines Heimatortes das ebenfalls bis heute erhaltene Kruzifix. Nun wurden die Nachbarorte Sulpach, Weiler und Roßwälden in die evangelische Pfarrei einbezogen.

Nach Blitzschlag im Jahr 1722 erhielt der Westturm ein neues oktogonales Glockengeschoss mit aufliegendem Helm. Das Kirchenschiff musste 1774 laut zweier Inschriften im Kanzel-Schalldeckel wegen Baufälligkeit abgetragenen werden, nur der Turm blieb erhalten. Das Langhaus wurde in neuer und erweiterter Form errichtet: ein längsrechteckiger Bau ohne ausgeschiedenen Chor, mit einer vierseitig umlaufenden Empore und darauf im Osten mit einem „Kanzelhaus“, im Westen gegenüber die Orgel. Die Innengestaltung erfolgte im barocken Stil mit reichverzierter Kanzel und Orgelprospekt. Alle regelmäßigen Renovierungen seit 1845 sind in den Dokumenten der Turmkugel genannt. 1984 wurde nach zwölfjähriger Vorbereitung, denkmalpflegerischer Auseinandersetzung, kontinuierlicher künstlerischer Beratung durch Prof. Eberhard Weinbrenner (Nürtingen) und Planung durch die ortsansässigen Architekten Jörn Harms und Renate Schippert der Innenraum unter Beibehaltung der umlaufenden Empore in neuer einheitlicher Farbgebung umfangreich renoviert. Danach zeigte sich der Raum „als eine gelungene Synthese erhaltenswerter und neuer Bauteile [..., deren] insgesamt warm gehaltene Farbgebung [...] den festlichen barocken Charakter“ unterstreicht.Martinskirche Hochdorf – Renovierung 1983/84. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Hochdorf, 1984. Eine umfassende Turmrenovierung fand 2017 statt, mit teilweiser Neueindeckung, bei der die bestehenden Biberschwanzziegel, zum Teil noch mit der Jahreszahl 1722 versehen, durch manufakturgefertigte Ziegel und Gratabdecker, die in Form und Farbe dem Bestand angepasst waren, ergänzt wurden.Instandsetzung Kirchturm, Martinskirche, Hochdorf, AeDis. abgerufen am 25. Mai 2026 Der Kirchhof war bis 1943 Begräbnisstätte für die Dorfbewohner. Von der massiven Kirchhofmauer sind noch Teile vorhanden.

Beschreibung Der Saalbau hat hohe Bogenfenster. In der erhöht gesetzten Altarzone unterhalb der etwas zurückgenommenen Kanzelhaus-Empore steht das Kreuz mit dem Kruzifixus aus der Ulmer Schule, entstanden um 1470. Der moderne Altar und Ambo ergänzen mit dem romanischen Taufstein aus dem 12./13. Jahrhundert die Altarzone. Links und rechts davon erschließen zwei neue Eingänge und neue Treppen die Ost- und Seitenemporen. Die Westempore wird durch ein Treppenhaus im südwestlichen Winkel zwischen Schiff und Turm erschlossen. Im Norden ist die 1984 separat errichtete Sakristei mit dem Sanitärbereich durch einen Windfang und einen neuen Zugang mit dem Kirchenraum verbunden. Der Turmeingang ist nach wie vor der Hauptzugang zur Kirche. Das feste Parterregestühl ist in den ersten drei Reihen durch Stühle ersetzt, was eine flexiblere Nutzung des vorderen Kirchenraums möglich macht.

Literatur Norbert Bongartz, Jörg Biel: Kunst, Archäologie und Museen im Kreis Esslingen. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0319-9, S. 137. Martinskirche Hochdorf – Renovierung 1983/84. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Hochdorf, 1984

Weblinks Die Martinskirche auf der Website der Kirchengemeinde Die Martinskirche auf kirchbau.de

Einzelnachweise

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