Das Franziskus-Gymnasium Hürtgenwald-Vossenack ist ein privates Gymnasium im Ort Vossenack der Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren. Die Schule befindet sich in Trägerschaft der gemeinnützigen Schulgesellschaft Franziskus-Gymnasium-Vossenack mbH deren alleiniger Gesellschafter die Franziskus-Stiftung ist. Die Schule ist dem Franziskanerkloster Vossenack angeschlossen.
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Geschichte Im Jahr 1966 gründeten Franziskaner der Kölnischen Franziskanerprovinz (Colonia) aus dem Kloster Exaten bei Baexem in den Niederlanden das Kloster Vossenack. Aus dem Kolleg St. Bonaventura ging das Franziskus-Gymnasium hervor. Außerhalb des Ortskerns von Vossenack entstand nach der Grundsteinlegung im Juni 1966 der Komplex, bestehend aus Gymnasium, Internat und Kloster mit Klosterkirche. Die Einweihung fand am 8. Oktober 1967 statt. Das Kloster war ursprünglich für 30 Ordensmänner ausgelegt und sah Räumlichkeiten für einen Frauenorden vor. 1970 wurde mit der Aufnahme von Schülerinnen die Koedukation am Gymnasium eingeführt.
Mit Hans-Peter Esser besaß die Schule von 2001 bis 2004 den ersten Schulleiter, der nicht Mitglied des Franziskanerordens war. Ihm folgte Pater Peter Schorr. Im Schuljahr 2005/2006 führte die Schule das G8-Abitur ein. 2010 wurden Mensa und Silentium eingerichtet. Das Internat verlor zunehmend an Bedeutung, mit der Zeit wurden die Räume als Wohnungen vermietet oder Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Seit 2023 trägt es den Namen Franziskus-International und beherbergt 2026 etwa 90 Flüchtlinge. Im Januar 2018 trat Peter Cordes die Nachfolge von Schorr als Schulleiter an. Seit 2023 leitet Dirk Sieven die Schule.
Auszeichnungen Das Gymnasium ist ausgezeichnet als MINT-freundliche Schule
Förderverein Im Freundeskreis des Franziskus-Gymnasiums Vossenack e. V. organisieren sich seit Mai 1971 Förderer und Ehemalige des Gymnasiums.
Missbrauchsstudie
Bereits ab dem Jahr 2010 wurden vereinzelt Fälle von sexuellen Übergriffen an Gymnasium und Internat bekannt. Laut Berichten der Aachener Zeitung habe Pater Hubertus Hartmann (* 1929; † 2020) ab 1970 einen Schüler in einem nahegelegenen Steinbruch mehrfach vergewaltigt. Das Opfer wandte sich 2019 an das Bistum Aachen und erstattete Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft Aachen stellte im November 2020 das Ermittlungsverfahren ein, nachdem Hartmann im April des Jahres verstorben war. Das Bistum Aachen teilte dem Opfer mit, dass es nicht zuständig sei, und verwies an den Franziskanerorden.
Im Januar 2024 beauftragte die Deutsche Franziskanerprovinz, in der im Jahre 2010 auch die Kölnische Franziskanerprovinz durch Fusion aufgegangen war, das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Studie zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch im Umfeld des Ordens, nachdem sich zwischen 2021 und 2024 20 mutmaßliche Missbrauchsopfer zur Anerkennung an den Orden gewandt hatten. Die Studie wurde am 25. Februar 2026 bei einer Pressekonferenz in München veröffentlicht.
Laut Studie seien mehr als zehn der Patres, die dort tätig waren, Täter sexuellen Missbrauchs gewesen. Ein Betroffener erklärte später, dass in Vossenack viele Ordensmitglieder Bescheid gewusst, aber bis in höchste Kreise hinein geschwiegen hätten. Pater Peter Schorr erklärte in einer persönlichen Stellungnahme, dass er als Schulleiter und Provinzial Hinweise auf Missbrauch nicht ausreichend aufgeklärt habe; er habe weggeschaut, die Opferperspektive vernachlässigt und so durch Unterlassung und Vertuschung Mitschuld getragen. Laut der Studie wurden Hinweise auf übergriffiges Verhalten von Pater Hubertus Hartmann von Beginn an ignoriert. Beschwerden in den späten 1970er-Jahren, die auch von außerhalb des Umfeldes der Schule kamen, führten weder zu kirchenrechtlichen noch strafrechtlichen Verfahren. Es folgte lediglich Hartmanns Versetzung, den die Studie neben Pater Volkwart Klein (* 1942; † 2011) als einen der Haupttäter bezeichnet. Klein habe demnach einen Schüler ab 1979 etwa 100 Mal missbraucht. Ein weiterer, zum Zeitpunkt der Studie noch lebender Tatverdächtiger hatte 2018 eine kirchenrechtliche Voruntersuchung. Die Studie bescheinigt ihm das „Fehlen jeglichen Unrechtsbewusstseins“. Insgesamt sollen laut der Studie etwa 98 Missbrauchstäter unter den rund 4000 Franziskanern gewesen sein, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland tätig waren.
Marionettentheater Im März 1980 gründete Bruder Wolfgang Mauritz das Marionettentheater De Strippkes-Trekker am Internat. Es hatte ab 2007 seine Räumlichkeiten unter anderem im Kloster-Kultur-Keller. Das Ensemble erreichte überregionale Bekanntheit und wurde von bekannten Puppenspielern wie Norman Schneider besucht, der in der dortigen Puppenwerkstatt den Bau von Puppen unterrichtete. Seit Beginn der 1990er-Jahre wurden über 50 Puppenspiel-Festivals auf dem Gelände veranstaltet. Im November 2025 gab die Stiftung bekannt, dass die Räumlichkeiten des Ensembles im früheren Internat zugunsten der Vermietung durch die Stiftung als Eigentümerin geräumt werden müssen. Nach Vorstellung des Missbrauchsgutachtens gab die Stiftung bekannt, der Kloster-Kultur-Keller werde aufgrund der Erkenntnisse geschlossen und Mauritz ins Ruhrgebiet versetzt. Die Ehrenamtlichen des Ensembles erklärten anschließend ihre Trennung von der Stiftung; man wolle das Figurentheater in anderen Räumlichkeiten weiterführen.
Bekannte Persönlichkeiten Lehrer Laurentius Ulrich Englisch (* 1939), Ordenspriester, Kunsterzieher und bildender Künstler
Schüler Andreas Frick (* 1964), ehemaliger Generalvikar des Bistums Aachen, Geschäftsführer des Hilfswerks Misereor
Literatur
Weblinks
Website der Schule Franziskus-Gymnasium Vossenack auf der Website der Deutschen Franziskanerprovinz
Einzelnachweise
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