Die Medienunternehmen in Slowenien umfassen ein breites Spektrum öffentlich-rechtlicher und privatwirtschaftlicher Anbieter in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien in Slowenien. Das slowenische Mediensystem hat sich seit der staatlichen Unabhängigkeit 1991 grundlegend gewandelt. Aus einem staatlich kontrollierten System entstand eine pluralistische, zunehmend jedoch von Eigentumskonzentration geprägte Medienlandschaft.
Überblick Slowenien zählt rund zwei Millionen Einwohner und verfügt damit über einen der kleineren Medienmärkte der Europäischen Union. Im amtlichen Medienregister des Kulturministeriums waren im Juli 2020 rund 2.350 Medien eingetragen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radiotelevizija Slovenija (RTV Slovenija) bleibt der reichweitenstärkste Einzelakteur, während im kommerziellen Segment wenige große Eigentümergruppen dominieren.
Die Verfassung der Republik Slowenien garantiert die Meinungs- und Pressefreiheit. In der Rangliste der Pressefreiheit belegt Slowenien 2026 Rang 36 von 180 Ländern. Trotz dieses soliden Rahmens beschreiben Forschende eine zunehmende Verflechtung wirtschaftlicher, politischer und medialer Interessen, die die redaktionelle Unabhängigkeit gefährdet.Ribać, M., Şen, D., Šramel-Čebular, L. & Pajnik, M. (2026): Media oligarchs and the attention economy. In: Communication & Society. DOI: 10.15581/003.37.52387Milosavljević, M. (2025): Slovenia. Country report 2025. EurOMo. DOI: 10.25598/EurOMo/2025/SI
Geschichte
Vor der Unabhängigkeit
Während der jugoslawischen Ära war das Medienwesen staatlich organisiert. Das slowenische Radio sendete ab 1928, das Fernsehen nahm 1958 seinen Betrieb auf – zunächst unter dem Namen Radio-Televizija Ljubljana, später Teil der gesamtjugoslawischen Rundfunkorganisation JRT.
Transformation nach 1991
Mit der Unabhängigkeit Sloweniens begann eine umfassende Privatisierung und Liberalisierung des Medienmarktes. Das Massenmediengesetz (ZMed) von 2001 schuf einen formalen Rechtsrahmen, ohne jedoch die Eigentumskonzentration wirksam zu begrenzen. Die ersten ausländischen Investoren betraten den Printmarkt in den 2000er-Jahren; seitdem hat ein fortlaufender Prozess stattgefunden, bei dem westeuropäische Medienhäuser schrittweise durch Investoren aus dem Inland sowie aus Mittel- und Südosteuropa abgelöst wurden.
Öffentlich-rechtliche Medien
Radiotelevizija Slovenija
Die Radiotelevizija Slovenija (RTV SLO) ist das öffentlich-rechtliche Rundfunkunternehmen Sloweniens mit Sitz in Ljubljana. Sie betreibt mehrere Fernsehkanäle (TV SLO 1 seit 1958, TV SLO 2 seit 1970, TV SLO 3, TV Koper-Capodistria, TV Maribor), Radiosender sowie das Nachrichtenportal MMC RTV SLO. Finanziert wird sie überwiegend durch einen Haushaltsbeitrag sowie durch Werbeeinnahmen. Die 2023 verabschiedete Novelle ZRTVS-1B zielte auf eine Entpolitisierung der Führungsstrukturen.
Slowenische Presseagentur (STA)
Die Slovenska tiskovna agencija (STA) wurde am 20. Juni 1991, wenige Tage vor der slowenischen Unabhängigkeitserklärung, gegründet. Sie ist die nationale Nachrichtenagentur mit Büros in Ljubljana, Brüssel, Zagreb und New York. Ihre Rechtsgrundlage bildet das ZSTAgen von 2011. In den Jahren 2020 und 2021 verweigerte die Regierung Janša die gesetzlich vorgeschriebene Staatsfinanzierung, was international scharf kritisiert wurde.
Private Medienlandschaft
Fernsehen Pro Plus betreibt die Kanäle POP TV und Kanal A, die zusammen rund 70 Prozent der Fernsehreichweite in Slowenien erzielen, sowie den Streamingdienst VOYO und das Nachrichtenportal 24ur.com. Pro Plus gehört zur CME, die 2020 von der tschechischen PPF Group übernommen wurde. Planet TV wurde 2020 von der ungarischen TV2 Média Csoport erworben – der ersten vollständigen Übernahme eines slowenischen Vollprogrammsenders durch ungarisches Kapital. Nova24TV ist ein dem politisch-konservativen Lager (Slowenische Demokratische Partei SDS) nahestehender Nachrichtenkanal, an dem zeitweise ungarische Investoren beteiligt waren. N1 Slovenija gehört zur United-Media-Gruppe (BC Partners).
Printmedien Im Printsektor dominieren drei Gruppen: Delo (Holding: Delo, medijska hiša d.o.o.; Verlag: Delo mediji d.o.o.) mit den Titeln Delo und Slovenske novice steht im Eigentum von FMR, einem Schlüsseleigentümer des Kolektor-Industriekonzerns. Dnevnik d.d. gehört mehrheitlich der DZS-Gruppe und zu knapp 26 Prozent dem österreichischen Styria Media International. Večer erscheint in Maribor mit regionalem Schwerpunkt auf der slowenischen Untersteiermark. Die Wirtschaftszeitung Finance befindet sich seit 2006 vollständig im Besitz der schwedischen Bonnier Group.STA (2019): Changing Structure of Slovenian Media Ownership. Total Slovenia News, 28. März 2019.
Online-Medien Siol.net, eines der meistgelesenen Portale des Landes, gehört zum staatlich mehrheitlich kontrollierten Telekommunikationskonzern Telekom Slovenije. Die unabhängigen Investigativmedien Necenzurirano (gegr. 2012) und Ostro (gegr. 2020) sowie das gemeinnützige Pod črto (The Bottom Line, gegr. 2014) bilden ein wachsendes unabhängiges Segment.
Radiomarkt und Medienkonglomerate Infonet Media betreibt Radio 1, den meistgehörten Privatsender Sloweniens. Die Media24-Gruppe hält seit 2019 eine Minderheitsbeteiligung an Infonet Media und ist mit eigenen Radio- und Druckmedien im Markt vertreten. Ihre Eigentumsstruktur gilt laut EurOMo (2025) als intransparent.
Eigentumskonzentration und Medienfreiheit
Eine 2026 in Communication & Society veröffentlichte Studie belegt, dass der slowenische Medienmarkt zwischen 2010 und 2022 deutlich zentralisierter geworden ist. Drei Akteure prägten diesen Prozess maßgeblich: die Media24-Gruppe, die United Group (PPF) und ein parteipolitisch ausgerichtetes Medienökosystem im Umfeld der SDS. Der Euromedia Ownership Monitor (EurOMo) identifiziert zudem mangelnde Transparenz bei wirtschaftlichen Endbegünstigten als strukturelles Problem.
Regulierung Der slowenische Mediensektor wird durch das Massenmediengesetz (ZMed-1), das Gesetz über audiovisuelle Mediendienste sowie durch das ZSTAgen und das ZRTVS-1 geregelt. Zuständige Regulierungsbehörde ist die Agencija za komunikacijska omrežja in storitve Republike Slovenije (AKOS). Im Zuge der Umsetzung des European Media Freedom Act (EMFA) wurden die Transparenzvorschriften 2024 aktualisiert.
Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat
Literatur
Ribać, M., Şen, D., Šramel-Čebular, L. & Pajnik, M. (2026): Media oligarchs and the attention economy. In: Communication & Society. DOI:10.15581/003.37.52387 Milosavljević, M. (2025): Slovenia. Country report 2025. Euromedia Ownership Monitor (EurOMo, 2025). DOI:10.25598/EurOMo/2025/SI Milosavljević, M. & Poler, M. (2024): The role and accountability of the state as a news media owner. In: Journalism, 25(9). DOI:10.1177/02673231241267145
Weblinks
EurOMo – Länderbericht Slowenien 2025 RSF – Länderprofil Slowenien Medienregister des Kulturministeriums
Einzelnachweise
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