Die Töchter des Geiers ist ein nubisches Märchen (AT 705: Das Mädchen aus dem Vogelnest).Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 162–165, 290.
Handlung Ein Mann und eine Frau können keine Kinder bekommen, also suchen sie einen Sheikh auf, der ihnen jeweils eine Speise zum Essen mitgibt. Die Frau kostet die Speisen und da die des Mannes süß schmeckt, vertauscht sie sie, sodass der Mann später schwanger wird. Als er in den Wehen liegt, betet er zu Gott, ihm zu helfen, woraufhin ein Geier angeflogen kommt, dem er sagt, dass wenn dieser ihm helfe und das Kind ein Mädchen ist, er es mitnehmen könne. Das geborene Mädchen nimmt der Geier daraufhin mit.
Dem Sultan des Landes kommt zu Ohren, dass ein Geier ein sehr hübsches Mädchen habe und er beschließt den Vogel zu fangen, woraufhin er das Mädchen zur Frau bekommt. Die Mutter des Sultans wird jedoch eifersüchtig, ob der hohen Stellung des Mädchens, also reißt sie ihm die Augen aus und setzt es aus. Das Mädchen irrt daraufhin umher und gerät zwischen zwei Riesenschlangen, die schon ewig miteinander kämpfen. Durch das Mädchen aber werden sie endlich voneinander getrennt, wofür sie ihm aus Dank seine Augen zurückgeben und einen Palast bauen.
Die Mutter des Sultans hat sich derweil als das Mädchen verkleidet und teilt in der Folge das Schlafgemach mit ihrem Sohn. Als sie schwanger wird und die Wehen einsetzen, kann das Kind nicht hinaus, also verlangt die Schwangere einen Apfel, den der Sultan vom Palast des Mädchens holen will. Er erkennt dort seine Geliebte, die ihm das Vorgefallene erzählt. Sodann lässt der Sultan seine Mutter bis zum Kopf eingraben und verkündet, dass einjeder sie treten dürfe; mit dem Mädchen aber verbringt er ein ungestörtes Leben.
Hintergrund Das Märchen wurde 1963 von Huğra Halīl aus dem nun überfluteten Serre West erzählt und erhielt in Andreas und Waltraud Kronenbergs Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen (Düsseldorf / Köln 1978) den Titel Die Töchter des Geiers. Nach Ursula Nowaks Beiträge zur Typologie der arabischen Volksmärchen (Freiburg im Breisgau 1969) wurde das Märchen dem Typ 194: Die Taubenprinzessin zugeordnet.
Eine Variante aus Samia al Azharia Jahns Arabische Volksmärchen (Berlin 1970), die 1965 in der Kairenser Zeitung al-Masā veröffentlicht wurde, bekam im Deutschen den Titel Die Tochter der Falken. Zur Verbreitung nennt Jahn Marokko (Marrakesch) mit Françoise Legeys Contes et légendes populaires du Maroc, recueillis à Marrakech (Paris 1926, S. 34, Nr. 6); Algerien (Blida) mit J. Desparments Contes populaires sur les ogres, recueillis à Blida et traduits (Paris 1909, I, S. 140); Ägypten (Kairo) mit Enno Littmanns Arabische Märchen und Schwänke aus Ägypten (Wiesbaden 1955, S. 66, Nr. 9); Sudan mit Hāšim ‘Abdallāh Aḥmad Jūsufs Rījā in Maktabat aṣ-Ṣibjān (Khartum 1965, S. 20); Syrien (Ma ‘lūla) mit Gotthelf Bergsträßers Neuaramäische Märchen und andere Texte aus Ma ‘lūla (Leipzig 1915, S. 2, Nr. 2) und Irak mit E. S. Stevens Folk-Tales of Iraq (Oxford 1931, S. 98, Nr. 22).Samia al Azharia Jahn (Hrsg. und Übers.): Arabische Volksmärchen. Akademie-Verlag. Berlin 1970, S. 132–141, 514–516.
Literatur Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 162–165, 290. Samia al Azharia Jahn (Hrsg. und Übers.): Arabische Volksmärchen. Akademie-Verlag. Berlin 1970, S. 132–141, 514–516.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Nubien