mini|Die Hauptfassade Santa Giustina ist eine ehemalige Pfarrkirche in der Altstadt von Venedig am gleichnamigen Campo, der sich im Nordosten des Sestiere Castello befindet. Das Bauwerk reicht der Legende nach bis ins 7. Jahrhundert zurück. Es erhebt sich an der Ostseite des Rio della Pietà, der sich von Nord nach Süd durch die Altstadt zieht. An die Südseite des Gebäudes grenzt der besagte Campo S. Giustina.

Geschichte Der Legende nach geht die Gründung auf den Heiligen Magnus, den Bischof von Oderzo zurück, auf den die venezianische Geschichtsschreibung ihre ältesten Kirchengründungen zurückführt. In dieser Zeit flohen viele Festlandsbewohner vor den Kämpfen zwischen Ostrom und den Langobarden auf die Inseln in der Lagune von Venedig. Santa Giustina war demnach die sechste von ihm gegründete Kirche.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 35. Magnus soll im Traum die Märtyrerin Justina von Padua im Traum erschienen sein.

Wahrscheinlich war die Kirche bereits im 11. Jahrhundert eine Pfarrkirche. Geweiht im Jahr 1219, war sie Stiftskirche unter der kirchlichen Oberhoheit der Basilika San Pietro di Castello. Sie unterstand Regularkanonikern, deren Ordenszugehörigkeit nicht überliefert ist.

Für kurze Zeit ging sie an die Kanoniker des Salvatore di Santa Brigida, wurde aber 1448 durch eine päpstliche Bulle, die sie zur Unterhaltung von zwei Kaplänen verpflichtete, endgültig den Augustinerinnen des Klosters Santa Maria degli Angeli auf Murano übertragen. 1470 versuchte die Gemeinde vergebens, das Wahlrecht für einen Pfarrer zu erlangen. Abgelehnt hatte dies Ansinnen der Patriarch von Venedig Matteo Girardi. mini|Unter Alvise Mocenigo I. im Jahr 1574 geprägte „Giustina“, die an die Seeschlacht von Lepanto erinnerte mini|Domenico Lovisa (1690–1750): Vedute der Kirche, zu sehen sind noch die Skulpturen von Clemente Molli († 1664), J. Paul Getty Trust Jedes Jahr am 7. Oktober führte der Doge selbst eine feierliche Prozession zur Kirche der Heiligen und zur Erinnerung an den Sieg bei Lepanto über die osmanische Flotte im Jahr 1571. Bei dieser Gelegenheit wurden mehrfach Münzen geprägt, die als Giustine bekannt waren. 1640 erfolgte durch Baldassare Longhena ein Neubau der Fassade.

Unter Napoleon wurde die Pfarrei 1807 aufgelöst und der Pfarrei Santa Ternita angegliedert; 1810 wurde auch der Orden aufgelöst. 1844 wurde das Gebäude in eine Militärschule umgewandelt, wobei es in drei Stockwerke unterteilt und der Giebel abgerissen wurde. 1924 wurde es Sitz des Gymnasiums Giovanni Battista Benedetti.

Literatur Umberto Franzoi, Dina Di Stefano: Le chiese di Venezia, Alfieri, Venedig 1976, S. 450–452. Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 49 f. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 35–38. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 82–84 (n. 27: „S. Giustina, Augustiner-Nonnen und Parrochie“). (Digitalisat)

Weblinks

Parrocchia di Santa Giustina vergine e martire, Venezia, Ecclesiae Venetae, Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA)

Anmerkungen

Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Giustina Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Kirchengebäude in Europa