mini|Bennhold im Jahr 2019 Katrin Bennhold (* 14. August 1974 in Bremen) ist eine deutsche Journalistin, Auslandskorrespondentin und Autorin, die seit den 2000er Jahren für die New York Times (NYT) tätig ist. Als Kommentatorin über europäische Politik für einen internationalen Leserkreis ist sie für ihre Berichte über Demokratie, Migration, Gender, Rechtsextremismus und die politische Kultur Europas bekannt.
Zunächst berichtete sie ab 2004 für die International Herald Tribune und die NYT aus Paris, Berlin und danach aus London. Seit September 2025 ist sie Moderatorin und Chefredakteurin des Newsletters The World, der an NYT-Leser außerhalb der USA gerichtet ist.
Leben und Wirken
Frühe Lebensjahre und Studium Bennhold wuchs in Osnabrück auf. Ihr Vater Martin Bennhold war Professor für Soziologie, ihre Mutter Lehrerin. Ihre Eltern, die Bennhold selbst als „linke Intellektuelle“ bezeichnete, waren in ihrer politischen Haltung durch die europäische Studentenbewegung von 1968 geprägt. Nach dem Ende der DDR im Jahr 1989 standen sie den durch die deutsche Wiedervereinigung ausgelösten politischen Entwicklungen kritisch gegenüber.
Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics schloss Bennhold 1998 mit einem Master of Science ab.
Journalismus Bennhold begann ihre journalistische Laufbahn im Jahr 2000 als Wirtschaftsjournalistin bei Bloomberg News und als Moderatorin bei Bloomberg Television in Paris sowie beim deutschen Privatsender N24. Ab 2004 arbeitete sie für die Auslandsredaktion der International Herald Tribune (IHT), die damals zum NYT-Konzern gehörte. Dort berichtete sie über europäische Ereignisse, darunter die Madrider Zuganschläge 2004, Unruhen in Paris, Terrorismus und illegale Handelsgeschäfte bei einer der größten französischen Banken.
Während ihrer Zeit in Paris nahm sie auch an Podcasts von Radio France teil, in denen sie auf Französisch ihre Ansichten zur US-Beteiligung im Irak und zur Außenpolitik des damaligen Präsidenten Barack Obama äußerte. Später war Bennhold für das Büro der NYT in London tätig und wurde zu einer der wichtigsten Korrespondenten der Zeitung für deutsche und europäische Politik. Anschließend arbeitete sie für das NYT-Büro in Berlin.
Bennhold schrieb während dieser Zeit über europäische und US-amerikanische Politik, Terrorismus, Migration, Genderthemen, Demokratie sowie Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. So beschrieb sie 2018 in ihrem Artikel Germany Acts to Tame Facebook, Learning From Its Own History of Hate (Deutschland handelt, um Facebook zu zähmen, indem es aus seiner eigenen Geschichte über Hass eine Lehre zieht) den Kampf deutscher Strafverfolgungsbehörden gegen die Verbreitung rechtswidriger Desinformation und Hassreden über soziale Medien.
Im Jahr 2019 veröffentlichte sie einen Artikel mit dem Titel Germany’s Second-Richest Family Discovers a Dark Nazi Past („Deutschlands zweitreichste Familie entdeckt eine dunkle Nazi-Vergangenheit“). Ausgehend von einem Bericht über die Unternehmen der Familie Reimann in den 1930er- und 1940er-Jahren beschrieb sie, wie diese Familie, die heute Eigentümerin der JAB Holding ist, mit dem Nazi-Regime kollaboriert und Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt hatte. Im Jahr 2020 berichtete sie über Mitglieder neonazistischer Gruppen in der Bundeswehr und bei der Polizei, und 2021 moderierte sie einen Podcast über den Fall von Franco A., einem Offizier der Bundeswehr, der in einen rechtsextremen Terrorplan verwickelt war.
Seit 2018 veröffentlichte sie als Co-Autorin auch Artikel in The Seattle Times.
Am 28. September 2025 wurde bekannt gegeben, dass Bennhold Moderatorin und Chefredakteurin des täglichen Newsletters The World der New York Times zu internationalen Themen wird. Der Newsletter richtet sich an Leser außerhalb der USA und hat zum Ziel, ausgewählte Beiträge aus dem weltweiten Netzwerk von Korrespondenten der Zeitung zu präsentieren. In ihrer Rolle als „Host“ des Newsletters verfasst sie The World selbst, kann aber auch Kollegen der NYT einbeziehen oder diese gelegentlich einladen, den Newsletter zu moderieren. Ein besonderes Merkmal dieses Newsletters sind kurze Videos, die jugendgerechte Informationen bieten und auf die zunehmende Tendenz von Ermüdung der Leserschaft reagieren sollen.
Weitere Tätigkeiten In den Jahren 2012 und 2013 war Bennhold Stipendiatin der Nieman Foundation for Journalism an der Harvard University, wo sie sich mit der Ökonomie von Gender und Mutterschaft sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen der Gleichstellung der Geschlechter zu Beginn des 21. Jahrhunderts befasste. Während ihres Studienjahres in Harvard verfasste sie einen Artikel mit dem Titel Half a Revolution: The Future of Feminism is About Men (Eine halbe Revolution: Die Zukunft des Feminismus hängt von den Männern ab). Beim Vergleich der nationalen Gesetze zu Elternschaft und Elternzeit in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden stellte sie fest, dass die Auswirkungen der Elternzeit auf die schwedische Gesellschaft und insbesondere auf schwedische Männer in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter weitaus die fortschrittlichsten sind.
Weiterhin nahm sie an internationalen Podiumsdiskussionen und wissenschaftlichen Debatten teil, darunter die Dahrendorf-Vorlesungen der Universität Oxford und die „Freiheitsdebatten“ der Bucerius Law School, in denen sie über die öffentlichen Meinung in europäischen Ländern und die internationale Migrationspolitik sprach. Im Februar 2026 wurde Bennhold zusammen mit der französischen Journalistin Elisa Braun eingeladen, in einem Podcast über die Memoiren von Gisèle Pelicot und die Epstein-Files zu sprechen. In ihrer Einleitung wies die Herausgeberin auf eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden unterschiedlichen Fällen hin: „Frauen bleiben letztlich Objekte, die von Männern unterworfen werden.“
Privatleben Bennhold lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Cardiff, der Hauptstadt von Wales im Vereinigten Königreich.
Auszeichnungen
Premio Luchetta für ihre Berichte über Migranten im Kindesalter, 2016 The New York Times Publisher’s Award 2008 und 2010 American Young Leader der French-American Foundation, 2008
Veröffentlichungen
Rezeption Im Jahr 2019 berichtete der österreichische öffentlich-rechtliche Sender ORF, dass Bennhold den rechten Aktivisten und Vorsitzenden der Identitären Bewegung Österreichs, Martin Sellner, interviewt hatte. Auf die Frage, warum sie einen Artikel über Sellner schreiben wolle, antwortete Bennhold, sie wolle ihren Lesern zeigen, in welchem Ausmaß Hass und Extremismus mittlerweile weitaus verbreiteter sind, als vielen Menschen bewusst ist. Nicht mit Menschen wie Sellner zu sprechen, hieße, den Lesern Informationen vorzuenthalten. Außerdem wäre es heuchlerisch, über ihre Ideen zu berichten, ohne sie direkt zu zitieren. Da ihr Artikel sehr kritisch gegenüber Sellner war, glaubte Bennhold nicht, dass er von ihrem Artikel profitierte, indem dieser ihm möglicherweise Aufmerksamkeit in den Medien verschafft hätte.
Im September 2021 wurde Bennhold in Berlin von Christiane Armanpour für die politische Fernsehsendung „Amanpour and Company“ zum bevorstehenden Ende der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel interviewt.
Ein Artikel von Maxim Biller mit dem Titel Die Emigrantin aus dem Jahr 2023 in Die Zeit beschrieb Bennholds familiären Hintergrund, ihre Ausbildung und ihren beruflichen Werdegang über Paris, Berlin und London bis nach Cardiff. Der Artikel befasste sich zudem mit ihrem Interesse an der politischen Erinnerung in Deutschland, ihrer Rolle als im Ausland lebende Deutsche und dem Fortbestehen rechtsextremer Ideologien in Europa.
Kritik Im Jahr 2018 veröffentlichte die amerikanische konservative Medienbeobachtungsgruppe „Media Research Center“ (MRC) einen Artikel, in dem sie Bennholds Berichterstattung über Claas Relotius kritisierte, einen prominenten Autor und journalistischen Betrüger beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Das MRC schrieb, Bennhold habe „einen schockierenden Fall von Fehlverhalten der deutschen Medien rund um Trump“ konstruiert, indem sie auf Vorwürfe von Präsident Donald Trump bezüglich Fake News in den Medien Bezug nahm und diese mit ähnlichen Vorwürfen der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland sowie der Unterdrückung der Medienfreiheit im nationalsozialistischen Deutschland in Verbindung gebracht habe. Im selben Jahr hatte MRC an einem anderen Artikel von Bennhold Kritik geäußert, in dem sie das Leben der Frauen in der ehemaligen DDR in mancher Hinsicht als emanzipierter bezeichnet hatte als in Westdeutschland.
Weblinks
Katrin Bennhold bei X (früher Twitter) Artikel von Katrin Bennhold bei Muck Rack Artikel von oder über Katrin Bennhold in der New York Times
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der London School of Economics and Political Science Kategorie:Journalist (Deutschland) Kategorie:Autor Kategorie:Journalist (Vereinigte Staaten) Kategorie:The New York Times Kategorie:Geboren 1974 Kategorie:Frau