mini|alt=Erste Ausgabe des Ljubljanski zvon|Titelseite der ersten Ausgabe der Zeitschrift (1881) mini|alt=Erste Ausgabe des Ljubljanski zvon|Seite 1 der erste Ausgabe mit Gedicht von Simon Gregorčič
Ljubljanski zvon (slowenisch für Laibacher Glocke) war eine slowenischsprachige Literatur- und Kulturzeitschrift, die von 1881 bis 1941 in Laibach (heute Ljubljana) erschien. Sie galt als eine der renommiertesten und einflussreichsten Kulturzeitschriften in den slowenischen Ländern und unterstützte traditionell liberale und fortschrittliche Positionen.
Geschichte Gründung und frühe Phase Die Zeitschrift wurde im Jahr 1881 von einem Kreis junger slowenischer Liberaler – vorwiegend aus dem Kreis der Jungslowenen im Kronland Krain – ins Leben gerufen.Leopoldina Plut-Pregelj, Carole Rogel: The A to Z of Slovenia. Rowman & Littlefield, 2010, ISBN 978-0-8108-7216-5, S. 363. Anlass für die Neugründung war die wachsende Unzufriedenheit mit der redaktionellen Linie der Wiener Zeitschrift Zvon (Die Glocke), die von Josip Stritar herausgegeben wurde.Ljubljanski zvon. In: Digitalna knjižnica Slovenije (dLib.si).Narodna in univerzitetna knjižnica, abgerufen am 20. Mai 2026 (slowenisch). Der Kreis um die Autoren, Journalisten und politischen Aktivisten Josip Jurčič, Janko Kersnik, Ivan Tavčar und Fran Levec empfand Stritars Kurs als zu stark von der Realität in den slowenischen Sprachgebieten entkoppelt. Zudem lehnten sie Stritars postromantische Ästhetik ab, die sie als rückwärtsgewandt und zu sehr von Arthur Schopenhauers Pessimismus beeinflusst betrachteten. (Vgl. zur schopenhauerschen Prägung Stritars: Ivan Prijatelj: Stritarjeva antologija, 1919)Ivan Prijatelj. Stritarjeva antologija. Ljubljana 1919, S. VII–VIII'. Stattdessen wandten sich die Gründer des Ljubljanski zvon dem literarischen Realismus und später dem Naturalismus zu.
Kulturkampf mit dem konservativen Lager Schon bald nach ihrer Gründung entwickelte sich die Zeitschrift zum prestigeträchtigsten literarischen Organ in slowenischer Sprache. Um die Jahrhundertwende weitete sich das Profil aus, und das Blatt wurde zunehmend zu einer wichtigen Plattform für gesellschaftliche und politische Debatten, wobei es die liberalen Ansichten der Jungslowenen vertrat. Um dem entgegenzuwirken, gründeten konservative römisch-katholische Intellektuelle im Jahr 1888 die Konkurrenzzeitschrift Dom in svet (Heimat und Welt). Die ideologische und kulturelle Rivalität zwischen diesen beiden Blättern prägte über Jahrzehnte hinweg das öffentliche und kulturelle Leben Sloweniens.
Die Spaltung in der jugoslawischen Ära Während des zentralistischen Regimes von König Alexander I. im Königreich Jugoslawien kam es innerhalb der Redaktion zu einem tiefgreifenden Richtungsstreit. Eine Minderheit befürwortete das staatliche Projekt einer vereinigten „jugoslawischen Nation“, während die Mehrheit an der eigenständigen nationalen und kulturellen Identität der Slowenen festhalten wollte.
Der Konflikt eskalierte erstmals im Jahr 1931, als Chefredakteur Fran Albreht anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Zeitschrift den Untertitel Slovenska revija (Slowenische Revue) einführte. Dies war ein Akt des Protests, da die jugoslawischen Behörden zu dieser Zeit die offizielle Nutzung des Serbokroatischen in der Drau-Banschaft erzwingen wollten und selbst das Wort „Slowenien“ aus dem amtlichen Sprachgebrauch verbannt worden war.
Im Jahr 1932 brach ein offener literarischer Streit zwischen dem Dichter Oton Župančič und dem Kritiker Josip Vidmar aus.Franc Zadravec, zitiert in: Dva svežnja pisem Bratka Krefta. In: Slavistična revija. Band 73, Nr. 4, 2025, S. 79–82. Župančič vertrat in einem Essay anlässlich des Besuchs des amerikanisch-slowenischen Autors Louis Adamič die Ansicht, dass die Slowenen im Zuge der jugoslawischen Integration nicht zu sehr an ihrer Sprache hängen müssten, da sie ihre Identität auch ohne diese bewahren könnten. Dies wurde von weiten Teilen der Intelligenz als Zugeständnis an die zentralistische Diktatur aufgefasst.
Als Vidmar eine scharfe Replik im Ljubljanski zvon veröffentlichen wollte, verhinderte der Eigentümer des Blattes – der eng mit dem königstreuen national-liberalen Establishment verbunden war – den Druck. Aus Protest trat ein Großteil der Redaktion, darunter auch Chefredakteur Fran Albreht, zurück.Albreht, Fran (1889–1963). In: Slovenska biografija. Slovenska akademija znanosti in umetnosti, abgerufen am 20. Mai 2026 (slowenisch). Albreht veröffentlichte daraufhin im eigenen Verlag Kritika das Buch Kriza Ljubljanskega Zvona (Die Krise der Laibacher Glocke), was dem Ruf der Zeitschrift schweren Schaden zufügte. 1933 gründete die jüngere Generation der jungslowenischen Intellektuellen mit Sodobnost (Gegenwart) ein neues, eigenständiges Kulturmagazin unter Albrehts Leitung.
Das Ende der Zeitschrift Infolge der Spaltung verlor der Ljubljanski zvon zahlreiche Abonnenten und namhafte Autoren an die Sodobnost. Um das Blatt zu retten, übernahm 1935 der Schriftsteller Juš Kozak die Redaktion. Er öffnete die Zeitschrift auch für marxistische und kommunistische Autoren, die ihre Beiträge unter Pseudonymen veröffentlichten (darunter der junge Dušan Pirjevec).
Nach dem Balkanfeldzug und der Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte im April 1941 wurde die Zeitschrift von den italienischen Besatzungsbehörden in der Provinz Laibach verboten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 verweigerten die neuen kommunistischen Behörden eine Wiederzulassung der Zeitschrift, ungeachtet der linksorientierten Ausrichtung der letzten Redaktion.
Bedeutung und Autoren Der Ljubljanski zvon war über sechs Jahrzehnte das intellektuelle Kernorgan Sloweniens. Zu den Chefredakteuren gehörten bedeutende Persönlichkeiten der slowenischen Kulturgeschichte, darunter Fran Levec, Anton Funtek, Janko Kersnik, Anton Aškerc, Oton Župančič, Anton Melik, Fran Albreht, Anton Ocvirk, Tone Seliškar und Juš Kozak.
Zahlreiche namhafte Schriftsteller und Lyriker der slowenischen Moderne und des Realismus veröffentlichten hier ihre Werke, darunter: Dragotin Kette Josip Murn Ivan Cankar Alojz Gradnik
Neben Belletristik und Literaturkritik publizierte die Zeitschrift regelmäßig wissenschaftliche und essayistische Beiträge aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, verfasst von slowenischen sowie internationalen Autoren.
Verfügbarkeit Sämtliche Jahrgänge und Ausgaben des Ljubljanski zvon sind von der Digitalen Bibliothek Sloweniens (Digitalna knjižnica Slovenije) vollständig digitalisiert worden und online frei zugänglich.
Siehe auch Liste slowenischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften Jungslowenen Slovenski narod
Literatur Fran Albreht: Kriza Ljubljanskega zvona. Kritika, Ljubljana 1932 (slowenisch). Leopoldina Plut-Pregelj, Carole Rogel: The A to Z of Slovenia. 2. Auflage. Rowman & Littlefield, Lanham 2010, ISBN 978-0-8108-7216-5 (englisch).
Weblinks
Ljubljanski zvon in der Digitalen Bibliothek Sloweniens (dLib.si) Ljubljanski zvon in der virtuellen Bibliothek Europeana (europeana.eu)
Einzelnachweise
Kategorie:Zeitung (Slowenien) Kategorie:Slowenischsprachige Zeitung Kategorie:Zeitung (Österreich-Ungarn) Kategorie:Gegründet 1881 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1941 Kategorie:Slowenische Geschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Slowenische Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Stadtgemeinde Ljubljana