Wasserdost (Eupatorium), auch Wasserhanf genannt, ist eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa 45 Arten gedeihen in gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel.
Beschreibung mini|links|Illustration des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum) mini|Herbarbeleg des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum) mit unter- und oberirdischen Pflanzenteilen mini|Gegenständige, gestielte, fiedernervige Laubblätter von Eupatorium fortunei mini|In einem Blütenkörbchen befinden sich nur wenige Blüten, hier beim Gewöhnlichen Wasserdost (Eupatorium cannabinum) mini|Fruchtstand des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum) mini|Achänen mit Pappus des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum)
Vegetative Merkmale Wasserdost-Arten sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 30 bis 200 Zentimeter erreichen. Es wird ein Rhizom oder eine Verdickung an der Basis der Sprossachse (Caudex) gebildet. Die selbstständig aufrechten Stängel sind meist bis zu den Verzweigungen des Blütenstandes nicht verzweigt.
Die meist gegenständig am Stängel verteilt, selten wirtelig oder manchmal am oberen Ende fast gegenständig bis wechselständig, angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt. Die Blattspreiten besitzen drei Hauptnerven oder sind fiedernervig. Die Blattspreiten sind meist einfach und deltaförmig oder eiförmig bis lanzettlich oder linealisch; manchmal kommen auch ganz andere Spreitenformen vor. Bei manchen Arten kommen auch fiederspaltig fiederlappige Blattspreiten vor (beispielsweise Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum)). Die Blattränder sind mehr oder weniger glatt, gezähnt oder gesägt. Die Blattflächen sind kahl oder flaumig bis rau oder borstig behaart und meist drüsig punktiert.
Generative Merkmale In schirmtraubigen oder zerstreut bis dichten, verzweigten, pyramidalen rispigen, Gesamtblütenständen stehen die körbchenförmigen Teilblütenständen zusammen. Die ungestielten oder gestielten Blütenkörbchen sind immer scheibenförmig. Die Körbchenhülle (Involucrum) ist bei einem Durchmesser von 1 bis 3 bis 5 oder mehr Millimetern verkehrt-kegelförmig bis ellipsoid. Meist 10 bis 15 (7 bis 22) meist haltbare Hüllblätter überlappen sich schwach bis stark dachziegelartig und sind in meist zwei bis drei, selten bis zu fünf Reihen zusammen; manchmal sind die inneren Hüllblätter hinfällig. Bei manchen Arten wie Eupatorium album sind die Hüllblätter der farbig auffälligste Teil des Blütenstandes. Die meist grünen Hüllblätter sind, zwei- bis dreinervig oder es sind kaum Nerven erkennbar, sie können auch fiedernervig sein. Die meist ungleichen, manchmal fast gleichen Hüllblätter sind elliptisch, lanzettlich, länglich oder verkehrt-eiförmig. Die Ränder der Hüllblätter sind trockenhäutig, durchscheinend und die oberen Enden sind gerundet bis spitz oder zugespitzt, manchmal stachelspitzig. Die Flächen der Hüllblätter sind meist fein oder zottig behaart, selten kahl und meist sind sie drüsig punktiert. Typisch für die Gattung Eupatorium s. str. ist der flache, selten schwach konvexe Blütenkorbboden. Auf dem Körbchenboden befinden sich keine Spreublätter.
Im körbchenförmigen Blütenstand befinden sich nur radiärsymmetrische Röhrenblüten. Bei den meisten Arten enthalten die Blütenkörbchen nur drei bis fünf Blüten. Nur bei den drei Arten Eupatorium perfoliatum, Eupatorium serotinum und Eupatorium resinosum sind in den Blütenkörbchen mehr als fünf Blüten vorhanden, maximal enthalten sie 23 Blüten.
Alle Blüten sind zwittrig und fertil. Die Kronblätter sind meist weiß oder durch Anthozyan rötlich, rosa-, lavendel- bis purpurfarben. Die fünf Kronblätter sind schmal trichterförmig bis schmal glockenförmig verwachsen und die Kronröhre ist an ihre Basis auch schmal. Konzentriert auf die Basis der Kronröhre, den Kronschlund und die Kronzipfel sind außen Drüsen vorhanden und selten kommen dort wenige Haare (Trichome) vor. Die Kronröhre endet in fünf relativ kurzen, dreieckigen Kronzipfeln sind etwas länger als breit. Die Staubblattröhren ragen meist nicht aus der Kronröhre hinaus. Die oberen Anhängsel der Staubbeutel sind relativ groß, eiförmig-dreieckig und sind etwa 1,5-mal so lang wie breit. Die unteren Staubbeutel-Anhängsel sind stumpf bis gerundet, nur kurz oder fehlen fast. Nektarien können selten erkannt werden. Die Basis des Griffels ist flaumig behaart oder selten kahl (kahl bei Eupatorium capillifolium); der übrige Bereich des Griffels ist meist kahl. An der Griffelbasis kann ein geschwollener Knoten vorkommen. Die zwei Griffeläste sind fadenförmig bis etwas verbreitert oder im oberen Bereich verbreitert mit papillöser Oberfläche; sie sind oft die farbigsten Teile der Blüte. Die Griffeläste besitzen lange, fadenförmige, sterile Anhängsel mit einem stumpfen Ende.
Die bräunlichen bis schwärzlichen Achänen sind prismatisch geformt, immer fünfrippig meist kahl und drüsig punktiert. Der haltbare Pappus besteht aus einer Reihe mit meist 25 bis 40 (20 bis 50) weißlichen, bärtigen Borsten; sie sind im oberen Bereich gerundet oder es ist eine kurze Spitze vorhanden.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10. Es wurden selbst innerhalb einer Art, aber besonders bei den Hybriden, unterschiedliche Ploidiegrade ermittelt. Diploidie kommt nur bei den Arten Eupatorium lancifolium, Eupatorium resinosum, Eupatorium petaloideum, Eupatorium mikanioides, Eupatorium paludicola und Eupatorium album vor.
mini|Phoebis sennae beim Nektarsaugen auf Blütenstand von Eupatorium serotinum mini|Habitus des Gewöhnlichen Wasserdost (Eupatorium cannabinum) im Habitat
Ökologie Bei Eupatorium-Arten handelt es sich selten um Therophyten, meist um Hemikryptophyten.
Apomixis kommt bei den Eupatorium-Arten und -Hybriden vor. Die Bestäubung durch Insekten ist häufig. Bei drei Arten erfolgt die Bestäubung über den Wind.
Meist erfolgt die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen, mittels des Pappus durch den Wind.
Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Die Gattung Eupatorium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, Seite 836 erstveröffentlicht. Der Gattungsname Eupatorium (von griechisch eupatórionVgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 183 („Eupatorium – wilde selbe, Eupatorion, […] wilde salveye“).) bezieht sich angeblich auf König von Pontus Mitridates VI. Eupator (132-63 v. Chr.), Typusart ist Eupatorium cannabinum der die auch eupatoria genannte Pflanze gegen eine Lebererkrankung eingenommen haben soll. Möglich ist aber auch eine Umbildung aus griechisch hēpatorion, dem Namen des gegen von der Leber, griechisch hepa, ausgehende Leiden eingesetzten Odermennigs.Vgl. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 163.Rudolf Schubert, Günther Wagner: Pflanzennamen und botanische Fachwörter. Botanisches Lexikon mit einer Einführung in die Terminologie und Nomenklatur, einem Verzeichnis der Autorennamen und einem Überblick über das System der Pflanzen. 6. Auflage. Melsungen, Berlin/Basel/Wien 1975, S. 138. Ein Homonym ist Eupatorium veröffentlicht in Pietro Bubani: Flora Pyrenaea per ordines naturales gradatim digesta 2, 1899, Seite 268. Synonyme für Eupatorium sind: Eupatorium sect. Dalea , Eupatorium sect. Heterolepis , Eupatorium sect. Pteropoda , Eupatorium sect. Subimbricata , Caradesia , Chrone , Cunigunda , Eriopappus , Eupatoriadelphus , Eupatoriastrum , Halea , Pseudokyrsteniopsis , Viereckia
Die Gattung Eupatorium gehört zur Untertribus Eupatoriinae aus der Tribus Eupatorieae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae. Die Gattung Eupatorium s. l. enthielt in früheren weiten Auffassungen 800 bis 1200 Arten und wurde durch King und Robinson 1987 in viele Gattungen aufgespalten. Die Gattungen, in die diese Arten gestellt wurden, sind: Ageratina, Chromolaena, Condylidium, Conoclinium, Critonia, Cronquistianthus, Eutrochium, Fleischmannia, Flyriella, Hebeclinium, Koanophyllon, Mikania, Tamaulipa. Diese Aufgliederung in kleinere Gattungen wurde kontrovers diskutiert, ist aber im 21. Jahrhundert gefestigt worden. Bei der Gattung Eupatorium s. str., im engeren Sinne, verbleiben 42 bis 45 Arten.
In Europa, Nordafrika und Vorderasien ist nur eine Art heimisch, der Gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum). Die anderen Arten kommen zumeist in Nordamerika (hauptsächlich im östlichen Teil), einige auch in Ostasien vor. In Nordamerika kommen etwa 20 Arten und etwa 4 Naturhybriden (es stellte sich 2007 heraus, dass auch zwei Arten der Flora of North America Naturhybriden sind) vor. In China kommen etwa 14 Arten vor, davon sechs nur dort.
mini|Abbildung von Eupatorium album aus The plants of southern New Jersey; with especial reference to the flora of the pine barrens and the geographic distribution of the species, 1911 mini|Blütenstand von Eupatorium altissimum mini|Eupatorium chinense mini|Blütenstand von Eupatorium formosanum mini|Blütenstand von Eupatorium hyssopifolium mini|Blütenstand von Eupatorium japonicum mini|Blütenstand von Eupatorium lindleyanum mini|Laubblätter und Blütenstände von Eupatorium luchuense mini|Ausschnitt eines Blütenstandes von Eupatorium mikanioides mini|Blütenstand von Eupatorium rotundifolium mini|Blütenstand von Eupatorium serotinum
Es gibt etwa 42 Eupatorium-Arten und einige Naturhybriden: Eupatorium album : Die drei Varietäten sind in den östlichen Vereinigten Staaten verbreitet. Eupatorium album var. album: Sie gedeiht in Höhenlagen von 10 bis 300 Metern. Eupatorium album var. subvenosum : Sie gedeiht in trockenen, offenen Pine Barrens und an Sandküsten in Höhenlagen von 0 bis 10, manchmal mehr, Metern in den östlichen US-Bundesstaaten Delaware, New Jersey, New York sowie im District of Columbia. Eupatorium album var. vaseyi (Syn.: Eupatorium vaseyi ): Sie gedeiht in trockenen bis feuchten Wäldern in Höhenlagen von 20 bis 300 Metern. Eupatorium altissimum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 20 bis 400 Metern im kanadischen Ontario und in weiten Gebieten der zentralen bis östlichen Vereinigten Staaten. Eupatorium amabile : Sie gedeiht auf Grasländern, Hängen und Felsen nur in Taiwan. Eupatorium anomalum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 10 bis 100 Metern in den südöstlichen US-Bundesstaaten Alabama, Florida, Georgia, North Carolina sowie South Carolina. Sie ist gefährdet. Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum ): Sie ist in Europa, Westasien und Nordafrika verbreitet und in Nordamerika ein Neophyt. Eupatorium capillifolium (Syn.: Eupatorium foeniculoides ): Sie kommt in weiten Gebieten der Vereinigten Staaten, in Kuba und auf den Bahamas vor. Sie ist in Zentralamerika und Venezuela ein Neophyt. Eupatorium chinense : Sie ist in Indien, Nepal, Korea, China und Taiwan verbreitet. Sie ist giftig, aber wird als Heilpflanze verwendet. Eupatorium compositifolium : Sie gedeiht in Höhenlagen von 10 bis 200, manchmal mehr, Metern in den Vereinigten Staaten. Eupatorium formosanum (Syn.: Eupatorium formosanum var. quasitripartitum , Eupatorium quasitripartitum ): Sie kommt nur in Taiwan und auf den japanischen Ryūkyū-Inseln vor. Eupatorium fortunei (Syn.: Eupatorium caespitosum , Eupatorium stoechadosmum , Eupatorium chinense var. tripartitum , Eupatorium fortunei var. angustilobum ): Sie kommt selten wild in China vor. Sie duftet gut, wird als Heilpflanze und zur Gewinnung von Duftöl verwendet, wird angebaut und ist in China, Japan, Korea, nördlichen Thailand sowie Vietnam verwildert. Eupatorium godfreyanum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 20 bis 300, manchmal mehr, Metern in den östlichen Vereinigten Staaten.